Rendite auf Bildung

Seit 2014 investiert die Pensionskasse von Nestlé Deutschland ein Prozent ihres Anlagevolumens in die Zukunft von etwa 400 Studenten. Ein Interview mit Personalvorstand Peter Hadasch.

Peter Hadasch auf dem Nestlé Campus in Frankfurt 

GOOD: Herr Hadasch, die Nestlé-Pensionskasse hat weltweit mehr als eine Milliarde Euro für ihre fast 34.000 Versicherten angelegt. In Deutschland zählte sie im Sommer 2014 neben einigen Stiftungen und etwa 150 Privatanlegern zu den ersten Investoren, die in Brain Capital-Fonds investiert haben – Fonds, die jungen Menschen ihr Studium an einer Privatuniversität finanzieren. Ist das Humankapital junger Menschen die Altersvorsorge der Zukunft?

PETER HADASCH: Gesellschaftlich erfüllt diese Art der Finanzierung auf jeden Fall eine Vorsorgefunktion. Bildung sichert die Zukunftsfähigkeit von Ländern und Unternehmen. Mit unserer Investition demonstrieren wir unseren Glauben daran, dass sich Bildung auszahlt.

Was ist Ihnen wichtiger: dass das Investment ethisch-sozialen Ansprüchen genügt oder die versprochene Rendite von 6,5 Prozent, die in Zeiten von Dauerniedrigzinsen ziemlich attraktiv ist?

PH: Die Rendite war nicht ausschlaggebend. Wir bekommen jeden Tag Angebote auf den Tisch, die eine außergewöhnliche Performance versprechen. Entscheidend war nicht die Renditeankündigung, sondern dass sich das Konzept wunderbar mit unserer Gesamtstrategie vereinbaren lässt, wie wir das Geld unserer Versicherten nachhaltig anlegen wollen: Wir fördern damit die Bildung junger Leute, wir öffnen die Universitäten für Menschen aus einkommensschwachen Familien, und wir stärken die Rolle der privaten Hochschulen. Das hätten wir auch bei kleineren Versprechen gemacht.

Bislang haben Sie ein Prozent Ihres Portfolios in Brain Capital-Fonds investiert, Nestlé ist der größte Einzelanleger bei Brain. Ihre Einlage finanziert allein bis zu 400 Studenten. Wie viele kennen Sie persönlich?

PH: Bislang keinen. Aber wir wollen auch nicht, dass die Studenten sich uns verpflichtet fühlen. Die meisten wissen gar nicht, dass wir einer der Financiers sind.

Die Ausfallquote der Fonds liegt bislang deutlich unter den fünf Prozent, die Brain als maximales Risiko kalkuliert. Hätten Sie sich auch 2008, im Zenit der Finanzkrise, getraut, eine solche Investition zu realisieren?

PH: Zunächst einmal: Wir sind sehr zufrieden. Wir waren ja nicht der erste Investor bei Brain, wir sind diesen Schritt nur als erste Pensionskasse gegangen. Wir wussten, worauf wir uns einlassen. Brain arbeitet sehr transparent, das Management hat uns überzeugt. Zudem ist unser Engagement langfristig, wir streuen unser Geld über verschiedene Universitäten und Fakultäten, so schützen wir uns vor normalen Konjunkturwellen. In einer großflächigen Rezession könnten wir auch hiermit Geld verlieren. Das würde aber auch für Aktien gelten, die 30 Prozent unserer Anlagen ausmachen.

„Wir öffnen die Universitäten für Menschen aus Familien mit geringeren Einkommen.“ Peter Hadasch, Personalvorstand der Nestlé Deutschland AG

Warum sollte sich ein Student für dieses Modell entscheiden und gegen staatliche Förderung wie BAföG?

PH: Weil er bei Brain nur dann etwas zurückzahlt, wenn er nach dem Studium mehr als 30.000 Euro im Jahr verdient. Je mehr er verdient, desto mehr zahlt er zurück. Das gibt Menschen, die aus einem familiären Umfeld mit wenig Geld stammen, ein anderes Gefühl als beim BAföG, wovon sie die Hälfte in jedem Fall zurückzahlen müssen, egal wie viel sie nach dem Studium verdienen. Interessant finde ich auch unsere Beobachtung, dass sich die Studenten nicht immer für den Job entscheiden, der das höchste Einkommen verspricht, sondern für den, der sie am weitesten voranbringt.

Die Börsen haben in den vergangenen Jahren extrem geschwankt, der Euro schwächelt, und die Zinsen sicherer Anleihen waren zuletzt sogar negativ. Warum investieren Sie nicht mehr als ein Prozent Ihrer Kapitalanlagen in Bildung?

PH: Diese Investition ist eingebettet in unserer Gesamtstrategie, mit der wir unterstützt von externen, unabhängigen Beratern daran arbeiten, einen immer größeren Anteil unseres Portfolios nachhaltig und zukunftsorientiert zu investieren – was bei unserer Größe nicht ganz einfach ist. Dass wir unser Engagement bei Brain auf zwei Prozent aufstocken, kann ich mir aber durchaus vorstellen. Und auch, noch mit anderen Ideen zu experimentieren.

Womit?

PH: Mit Investitionen, die jungen Menschen nach dem Studium helfen. Zum Beispiel, wenn sie eine eigene Unternehmung gründen. Dafür entwickeln wir zurzeit ein Konzept.

Sie wollen sich an Start-ups beteiligen?

PH: Ja, aber auch das über einen langen Zeitraum und nur zu fairen Bedingungen. Wir werden keinen schnellen Exit anstreben, wir wollen jungen Gründern nicht nur Kapital, sondern auch unser Know-how zur Verfügung stellen und langfristig mit ihnen wachsen.

Das Gespräch führte Marcus Pfeil.

Bildrechte: Dominik Pietsch

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