Vordenker und Visionäre

Selbstfahrende Einkaufsroboter oder lecker zubereitetes Laborfleisch: Die Innovationen dieser Tüftler und Pioniere messen sich an den Herausforderungen der Zukunft.

1. Frederic Kouadio

Frederic Kouadio
Das Ziel von Frederic Kouadio: Kakaosorten, die viel Ernte versprechen und möglichst resistent gegen Trockenheit und Krankheiten sind.

Kaffee- und Kakaosorten, die besonders viel Ernte versprechen und besonders resistent sind – dafür arbeitet Frederic Kouadio, Leiter der experimentellen Farm Zambarko in Elfenbeinküste. Bisher hat er 30 Kakao- und 19 Kaffeesorten aus aller Herren Länder gesammelt. Auf der Farm, die sich aktuell noch in der Aufbauphase befindet, untersucht er deren Bedürfnisse: Wie viel Dünger, wie viel Wasser brauchen sie, wann bilden sie die größten Bohnen aus? Seine Daten helfen der Forschungsabteilung von Nestlé in Abidjan herauszufinden, welche Sorten sich für Kreuzungen eignen könnten. Die neu gezüchteten Sorten zeigen dann unter den wachsamen Augen des Agrarwissenschaftlers, ob sie wirklich besser gedeihen. Kouadios Job verlangt Ausdauer: Rund zehn Jahre dauert es, eine neue Kaffee- oder Kakaosorte mit grundsätzlich verbesserten Eigenschaften zu entwickeln. Motivationsprobleme hatte er aber noch nie: „Ich freue mich jetzt schon auf den Moment, wenn wir die neuen Sorten an unsere Kaffee- und Kakaofarmer übergeben. Meine Arbeit macht mich sehr stolz.“

2. Ahti Heinla

Ahti Heinla
In Großbritannien gehen die in Echtzeit verfolgbaren Robo-Einkäufer zuerst an den Start. USA und Deutschland folgen.

Arbeiten muss Ahti Heinla eigentlich schon seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. 2005 verkaufte der Mitgründer und Chefprogrammierer des Internet-Telefondienstes Skype das Unternehmen für 2,6 Milliarden US-Dollar an Ebay, 2008 verließ er Skype. Seither baut er immer wieder neue Unternehmen auf. Sein jüngstes Start-up Starship Technologies, 2014 zusammen mit dem Skype-Gefährten Janus Friis gegründet, schickt sich an, unsere Einkaufsgewohnheiten umzuwälzen. Kniehohe autonome Roboter auf Rädern liefern Online-Einkäufe vor der Haustür ab. Die aus Sicherheitsgründen maximal mit flotter Schrittgeschwindigkeit rollenden Starships sollen bis zu einer Entfernung von fünf Kilometern eingesetzt werden. Kosten für den Besteller: etwa ein US-Dollar. „Unsere Vision dreht sich um drei Nullen – null Kosten, null Wartezeit und null Umweltbelastung“, sagt Heinla. Wenn alles nach Plan läuft, sollen die ersten Starships noch dieses Jahr ihren Dienst aufnehmen.

3. Koert van Mensvoort

Koert van Mensvoort
Koert van Mensvoort: „Wenn wir früh ein – möglichst schmackhaftes – Bild davon haben, was in Zukunft auf unseren Tellern landet, haben wir Zeit, uns daran zu gewöhnen.“

Zwar gibt es In-Vitro-Meat noch lange nicht im Supermarkt zu kaufen, das hindert Koert van Mensvoort aber nicht daran, ein Kochbuch über im Labor gezüchtetes Fleisch zu schreiben. Van Mensvoort ist der Kopf des Next Nature Netzwerks, eines Teams aus Wissenschaftlern, Köchen und Designern. Sein zusammen mit einem Kollegen verfasstes „In Vitro Meat Cookbook“ ist weniger als Kochhilfe, sondern vielmehr als Denkanstoß gedacht. Auf 186 Seiten vermittelt es Zukunftsvisionen davon, wie Laborfleisch unsere Esskultur verändern könnte. Einige Speisen ließen sich, theoretisch, bereits heute zubereiten, andere Gerichte erst in weit entfernter Zukunft. Wir müssen mit dem Fleisch aus dem Labor nicht unbedingt Burger oder gar Würstchen herstellen, sagt van Mensvoort. In-Vitro-Fleisch ermöglicht bisher völlig unbekannte Speisen. Damit die eines Tages auch akzeptiert und gegessen werden, könne man gar nicht früh genug darüber informieren – zum Beispiel mit einem Kochbuch. Transparenz sei der Schlüssel zur Akzeptanz, sagt van Mensvoort: „Wenn wir früh ein – möglichst schmackhaftes – Bild davon haben, was in Zukunft auf unseren Tellern landet, haben wir Zeit, uns daran zu gewöhnen.“

4. Nicolas Leschke

Nicolas Leschke
Nicolas Leschke verzahnt Buntbarsche mit Tomaten und Senfrauke: „Prinzipiell funktioniert jeder Süßwasserfisch und jede Pflanze.“

„Ich habe eine Leidenschaft für Nachhaltigkeit und Essen“, sagt Nicolas Leschke. Der 38-Jährige hat 2012 zusammen mit Christian Echternacht die ECF Farmsystems GmbH gegründet. ECF steht für Eco Friendly Farming. Die Öko-Entrepreneure bauen mit ihren elf Mitarbeitern – vor einem Jahr waren es erst sechs – Gemüse an und züchten Fische, mitten in Berlin und so clever verzahnt, dass kaum Ressourcen verloren gehen. Die Fische – afrikanische Buntbarsche – wachsen in einem Wasserkreislaufsystem heran, Biofilter wandeln ihre Ausscheidungen in Nitrat um, das düngt die Pflanzen, darunter Tomaten, Paprika und Senfrauke. „Prinzipiell funktioniert jeder Süßwasserfisch und jede Pflanze“, sagt Leschke. Nur ein Bruchteil des Wassers im Kreislauf muss ständig erneuert werden. Und wenn eine Aquaponik-Farm wie die ECF-Farm in der Stadt liegt, entfallen lange Transportwege und aufwendige Kühlung. Leschke und Echternacht sind zwei der wenigen, die mit dieser Idee kommerziell an den Markt gegangen sind. Umsatzzahlen wollen sie zwar nicht vor dem Jahresende nennen, aber bisher scheint der Erfolg ihnen Recht zu geben. 2015 entstand das erste ECF-Spin-off in der Nähe von Zürich. Aktuell sei man in der Planung von unterschiedlichsten Kundenfarmen auf der ganzen Welt. Eine Mammutaufgabe, über die  Leschke sagt: „Man sollte den richtigen Weg gehen, nicht den einfachen.“

Bildrechte: Birgit Püve, Marc Driessen, Dawin Deckel, PR

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