Das Genießen vereinfachen

Durch Innovation und Präzision entstehen modernste Kaffee-Systeme

Alfred Yoakim arbeitet an neuen Kaffeesystemen für Nestlé 

Kapsel oder nicht – das ist bei vielen Kaffeetrinkern heute oft die entscheidende Frage. Um auf dem komplexen Kaffeekapselmarkt Innovationsführer zu bleiben, forscht und entwickelt  Nestlé im System Technologie Zentrum (STC) im waadtländischen Orbe. Dort dreht sich alles um die Frage: Wie hole ich aus einer kleinen Kapsel das Maximum heraus?

Alfred Yoakim steht mit einer Tasse schwarzem Kaffee
Alfred Yoakim leitet das Nestlé System Technologie Zentrum in Orbe.

Präzision ist bekanntlich eine urschweizerische Domäne. Und auch Alfred Yoakim, der Leiter des Nestlé System Technologie Zentrums (STC) in Orbe (Kanton Waadt), lässt keinen Zweifel aufkommen, dass Präzision ein Kernthema für ihn ist: „Je präziser das Verhalten einer Maschine auf das jeweilige Produkt angepasst werden kann, desto besser ist das Ergebnis. Denn die Konsumenten sind nicht nur auf einfache Handhabung aus, sie wünschen auch frischere, höherwertige Zutaten, die ganz genau auf ihre Bedürfnisse und Vorlieben abgestimmt sind.“

Der Markt der Kaffeekapsel-Systeme hat sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt. Nach den Statistiken des Deutschen Kaffee-Verbandes ist es das einzige Segment im Kaffee-Kosmos mit stetig zweistelligen Zuwachsraten (2013: plus 27 Prozent) – also deutlich mehr als etwa Kaffee für Pad-Maschinen oder Filterkaffee. In Schwerin (Mecklenburg-Vorpommern) hat Nestlé 2013 mit dem Bau eines neuen Werks für seine Dolce Gusto-Kapseln begonnen, das im September 2014 eröffnet wird.

Vom Alltäglichen zum Außergewöhnlichen

Alfred Yoakim weiß: „Ganz gleich, ob beim Kochen, Waschen oder Kaffee zubereiten, ein System ist dazu da, das Leben einfacher zu gestalten. Wenn der Kaffeeliebhaber etwa eine Kapsel in das neue Nespresso VertuoLine System einlegt, dann braucht er  weiter nichts zu tun. Anhand von Strichcode-Technologie erkennt die Maschine die Kapselgröße und die Kaffeemischung und reguliert dann die Temperatur und die Extraktionsparameter selbsttätig.“

Die VertuoLin Kaffeemaschine macht lange Espressos
Das Nespresso VertuoLine System macht große Espressi mit der berühmten "Crema".

Doch solche Systeme, die ausgelegt sind, unseren Alltag zu vereinfachen, sind in der Entwicklung sehr komplex und erfordern eine Menge Fachwissen. Das System Technologie Zentrum in Orbe ist auch eine Antwort darauf. Hier arbeiten 120 Spezialisten aus 25 Ländern, aus den Bereichen Industriedesign, Maschinentechnologie, Ingenieurtechnik, Verpackung, Mikroelektronik und Robotik, zusammen. So können sie etwa mit einer Pilotanlage für Dolce Gusto-Kapseln unter industriellen Bedingungen neue Produkte entwickeln. Oder mithilfe von 3D-Druckern in kürzester Zeit Kunststoffprototypen von Bauteilen herstellen.

In der 7000-Seelen-Gemeinde Orbe, wo seit 1938 Nescafé und seit 2003 Nespressokapseln produziert werden, befindet sich seit 1959 auch das Produkt Technologie Zentrum (PTC), das sich mit der Entwicklung von Kaffee- und Pulvergetränken sowie Getreideprodukten befasst – die enge Zusammenarbeit der beiden Forschungseinheiten birgt ein großes Synergiepotenzial. „Ohne diese Art der Zusammenarbeit könnten Ideen wie Nespresso VertuoLine nie verwirklicht werden“, erläutert Alfred Yoakim.

Das System, das eigens entwickelt wurde, um den Geschmack der Kaffeetrinker in Nordamerika  zu treffen, ist das Ergebnis von mehr als sieben Jahren Forschung und Entwicklung. Das mag wie eine Ewigkeit erscheinen, schließlich ist es kein Geheimnis, dass die Amerikaner wesentlich „längere“ Kaffees trinken als die Europäer. Doch die eigentliche Herausforderung war nicht der Bau einer Maschine für die Zubereitung eines mit heißem Wasser verlängerten Espressos. Vielmehr sollte dieser Kaffee auch eine herausragende Qualität aufweisen.

„Wir fanden eine Möglichkeit, die Kaffeekapsel 7000-mal in der Minute zu drehen, um so jeden Tropfen Geschmack zu extrahieren“, erzählt Yoakim. Dank dieser einzigartigen „Zentrifusion“ ist VertuoLine jetzt das einzige System auf dem Markt, das einen langen Kaffee mit der berühmten „Crema“ zubereitet – dem Schaum, der sich an der Oberfläche des Kaffees durch die Vermischung mit Luft bildet und der die unverkennbare Signatur jedes Spitzen-Espressos ist.

Die schwierige Balance zwischen Machbarem und Sinnvollem

Special T. stellt Tee aus Kapseln her.
Special T.-Maschinen stellen Tee aus Kapseln her.

Wenngleich sich der Großteil der Systementwicklung bei Nestlé auf Maschinenlösungen wie Nescafé Dolce Gusto, Nespresso und Special. T konzentriert, arbeiten die Entwickler jedoch auch an ganz anderen Anwendungen. „Wir sind überzeugt, dass ein enormes Potenzial besteht, innovative Systeme zu schaffen, die die unterschiedlichsten kulturellen und individuellen Bedürfnisse abdecken“, sagt der STC-Leiter.

Wobei die Inspiration gar nicht einmal das Schwierigste ist: „Das eigentliche Problem besteht darin, ein Gleichgewicht zu finden, zwischen dem, was technisch möglich ist, und dem, was die Konsumenten auch wirklich wollen und schätzen.“ Stoßen Forscher etwa zu schnell in Bereiche vor, die für die Benutzer absolutes Neuland bedeuten oder die sie selbst noch nicht perfekt meistern, riskieren sie das frühzeitige Ende einer eventuell großartigen Idee.

So spielte Nestlé beispielsweise Anfang der 1990er Jahre mit dem Gedanken, Nespresso-Maschinen mit dem Internet zu verbinden. Allerdings hätten die Entwickler sie mit Festplatten und ISDN-Kabeln ausrüsten müssen, was die Geräte nicht nur schwer, sondern auch sehr teuer gemacht hätte. „Deshalb stellte sich für uns die Frage: Bringt das für die Benutzer tatsächlich einen Gewinn?  Die Antwort war ein klares Nein. Die Idee war geboren, aber die Technologie und der Markt waren noch nicht so weit.“

Mehr als ein Jahrzehnt später war die Zeit reif. Im Jahr 2012 beschloss Nespresso, Modems in seine Aguila und Zenius Maschinen für den Außer-Haus-Einsatz einzubauen. Diese Systeme können Performance-Daten über WLAN an Nespresso-Customer-Relationship-Zentren übermitteln, damit diese wissen, wann eine Wartung notwendig ist. Auf diese Weise ist Nespresso in der Lage, Störungen und Probleme in kürzester Zeit zu beheben und damit seinen Geschäftskunden Zeit und Geld zu sparen. „Dieses Beispiel zeigt, dass ein gutes System nicht einfach nur ein Trendsetter sein darf“, bilanziert Alfred Yoakim. „Es soll dazu beitragen, das Leben einfacher und schöner zu gestalten, indem es aus einer alltäglichen eine außergewöhnliche Erfahrung macht.“

Bildrechte: Nestlé Deutschland AG

Das Nestlé Werk in Schwerin als Animation

Kaffeekapseln aus dem neuen Werk

Nescafé hat ein neues Werk in Schwerin errichtet. Dort sollen künftig mehr als 330 Millionen Dolce Gusto Kaffeekapseln pro Jahr vom Band laufen.

Nespresso Kaffeekapseln

Recycling von Kaffeekapseln

Kapselkaffee ist der neue Trend unter Kaffee-Liebhabern. Nestlé stellt sich der Diskussion über die Umweltverträglichkeit.