Lebensmittel entwickelt für extreme Situationen

Wie Nestlé die Piloten der Solar Impulse beim Weltrekordversuch unterstützt

Ein Pilot der Solar Impulse isst Spezialnahrung von Nestlé 

Pilz-Risotto, Kartoffel-Gratin und Curry-Suppe: Mit diesen Gerichten wollen es die Piloten der Solar Impulse schaffen, als erste die Erde mit einem solarbetriebenen Flugzeug zu umrunden. Nestlé ist mit an Bord.

Besondere Situationen benötigen eine besondere Vorbereitung. So ist es auch bei den Spezial-Lebensmitteln, die die Piloten Bertrand Piccard und André Borschberg mit auf ihre Reise nehmen – und die im Nestlé Research Center (NRC) in Lausanne, Schweiz, entstanden sind. Acht Wissenschaftler arbeiteten in fünf Jahren mehr als 6.000 Stunden an der Erforschung und Optimierung. Angeführt von Dr. Amira Kassis, entwickelte das Nestlé-Team Ernährungspläne und alle Gerichte, die die Abenteurer während ihrer Erdumrundung zu sich nehmen.

Eine der größten Herausforderungen war es, den Piloten alle wichtigen Nährstoffe zur Verfügung zu stellen, während sie in rund 8.000 Metern Höhe in einer nicht druckbelüfteten Kabine unterwegs sind. Sowohl die Nahrung als auch ihre Verpackung mussten dahin optimiert werden, dass sie extremen Temperaturen standhalten. Dabei müssen die Produkte einfach zu essen und leicht sein sowie gut schmecken.

Neue Verpackungen im Test

„Wir haben viel herumprobiert, sowohl bei der Verpackung als auch beim Essen selbst“, sagt Dr. Kassis. „Mit den nötigen Nährstoffen versorgt zu werden, ist dabei das Wichtigste für die Piloten. Da haben wir sehr viel Zeit investiert.“

Relevant für die Nährstoffzufuhr: die Höhe, in der die Piloten unterwegs sind. Denn in großen Höhen verlieren Menschen oft den Appetit. Für die Nestlé-Forscher bedeutete das, zwei unterschiedliche Arten von Lebensmitteln entwerfen zu müssen – eine für über 3.500 Meter und eine für unter 3.500 Meter. Produkte der ersten Kategorie enthalten viel Energie, Kohlenhydrate und Fett. Deshalb gibt es sie nur in kleinen Portionen. Produkte der zweiten Kategorie haben einen großen Anteil an Proteinen und sind in größere Portionen eingeteilt.

Essen ohne Hunger

Die Solar Impulse ist ein solarbetriebenes Flugzeug
Die Solar Impulse soll als erstes solarbetriebenes Flugzeug die Welt umrunden.

„Wir haben individuelle Anreize zum Essen für die beiden Piloten erstellt: Nicht nur, dass die Lebensmittel nährstoffreich sind, sie bieten auch eine Art Belohnung für die Strapazen, die Piccard und Borschberg durchstehen“, erläutert Kassis. Die Piloten werden in Intervallen von zwanzig Minuten schlafen und haben nur eingeschränkte Möglichkeiten, körperliche Übungen zu machen. Heißt: Ihr Experten-Team hat Ernährungsprofile für die beiden erarbeitet und analysiert, wie sich die Anforderungen ihrer Körper während der langen Reise – 35.000 Kilometer, 12 Flüge, 500 Stunden in der Luft – wohl verändern würden. Dazu gab es ausführliche Tests im NRC. Die Untersuchungen zeigten den täglichen Bedarf an Kalorien, Kohlenhydraten, Fett und Proteinen.

Mithilfe der Daten entwickelte das Team von Dr. Kassis elf Mahlzeiten und Snacks, individuell abgestimmt auf die Bedürfnisse der Piloten. Bereits 2012 und 2013 testeten die Wissenschaftler die Lebensmittel in Flugsimulationen mit Piccard und Borschberg. So ermittelten sie, wie die Körper der Abenteurer auf die Belastungen reagieren, und konnten die Produkte weiter optimieren. Außerdem fanden sie heraus, auf welche Produkte die Piloten besonders positiv oder negativ reagierten. „Das hat uns geholfen, den Geschmack an ihre individuellen Vorlieben anzupassen. Damit sie auch wirklich etwas essen, wenn sie in der Luft sind und gar keinen Hunger spüren“, sagt Kassis.

Das Gewicht ist entscheidend

Bei all der Arbeit durfte eines nicht vergessen werden: In einem kleinen Flugzeug wie der Solar Impulse zählt jedes Gramm Fracht. Da es selbst nur rund 1.600 Kilogramm und damit kaum mehr als ein normaler Familienwagen wiegt, können die Piloten auf jedem Flug nicht mehr als 2,4 Kilogramm Nahrung und 3,5 Liter Flüssigkeit mitnehmen. Für die Wissenschaftler bedeutete das, vielseitige Lösungen finden zu müssen. So sind sehr leichte Beutel zum Trinken von Suppen oder Hitze ausstrahlende Taschen, um die Gerichte aufzuwärmen, entstanden.

Nestlé hat spezielle Verpackungen für die Lebensmittel entwickelt.
Spezielle Verpackungen tragen dazu bei, dass die Lebensmittel der Piloten lange haltbar und einfach zu verzehren sind.

Eine weitere Herausforderung: die Lebensmittel haltbar zu machen. Dazu entwickelte das Nestlé-Team aus Lausanne eine Methode, bei der rohe Lebensmittel in eine spezielle Verpackung gelegt und dann hitzebehandelt werden. Bei dem Prozess bleiben die Nährstoffe erhalten. Er macht die Gerichte bis zu drei Monate haltbar – ohne den Einsatz von künstlichen Konservierungsstoffen.

Innovationen, die langfristig Nutzen stiften

Nestlé hat in den vergangenen fünf Jahren großen Aufwand betrieben, um den Piloten ihren Weltrekordversuch zu ermöglichen. Doch was passiert danach? Sind die Innovationen auch darüber hinaus relevant? „Die Jahre der Forschung und die von uns gesammelten Daten werden uns helfen zu verstehen, wie wir Lebensmittel in extremen Situationen nutzen können“, sagt Team-Leiterin Kassis. Ein positiver Einfluss ist also wahrscheinlich – und die Ernährung der Zukunft wird noch ein Stück sicherer.

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