Kostbares Öl

Die Dimensionen des Palmölanbaus in Malaysia

Anke Stübing steht neben einem Ochsen auf einer Palmöl-Plantage

Palmöl ist ein wichtiger Grundstoff für Lebensmittel wie Schokolade, Frittier-Fett oder Tiefkühlpizza. Weil der Verbrauch weltweit steigt, wächst auch der Bedarf an Anbauflächen. Nestlé hat sich daher entschlossen, nur Palmöl aus zertifizierter, nachhaltiger Herstellung zu verwenden. Managerin Anke Stübing hat mehrere Plantagen besucht und wertvolle Erkenntnisse gewonnen.

Kuala Lumpur ist feucht und drückend warm. Doch die moderne Hauptstadt war für Anke Stübing nur der Startpunkt einer Reise in den Westen Malaysias. Ihre Mission: der Besuch einiger Plantagen, die Palmöl an Nestlé Deutschland liefern. Bei Nestlé ist Stübing als Regional Head of Procurement für Deutschland, Skandinavien und Österreich unter anderem zuständig für die Beschaffung von Rohstoffen und deren Lieferkette. Ein Job, der sie auch schon mal in die entlegensten Regionen der Welt führt.

Ein Bauer schippt Palmölfrüchte auf den Anhänger, den ein Ochse zieht
Die Bauern auf den Plantagen ernten die Palmölfrüchte oft noch ohne jegliche Maschinen.

„Ich habe in dieser Woche unglaublich viel Neues über Palmöl gelernt“, erzählt sie. Und räumt gleich mit einigen Vorurteilen auf: So sei Malaysia in Sachen Palmölgewinnung „ein äußerst effektives, aber gleichsam auch diszipliniertes Land“. Die großen Umweltsünden der Brandrodung von Regenwald für neue Plantagen finden eher in Indonesien statt. 59 Millionen Tonnen werden weltweit produziert – allein Indonesien und Malaysia zeichnen für über 85 Prozent der Herstellung verantwortlich.

Ganz klar: In Deutschland ist man sehr stark sensibilisiert für das Thema Palmöl. Der Raubbau an den indonesischen Urwäldern, um Plantagen zu schaffen, aber auch das Schicksal der dadurch vertriebenen Orang-Utans sowie der durch Landraub benachteiligten Ureinwohner Malaysias hat die Verbraucher kritisch gemacht.

Palmöl – ein eminent wichtiger Grundstoff

In den 1990er-Jahren wurde das wertvolle Öl hauptsächlich noch von der Lebensmittel- und Kosmetikindustrie abgenommen, wo es bis heute für Margarine, Frittier-Fett, Schokolade, Tiefkühlpizza, Waschmittel und natürlich Kosmetikprodukte verwendet wird. Doch seit dem Boom der Agrartreibstoffe ist die Nachfrage nach Palmöl regelrecht explodiert. Innerhalb der vergangenen zehn Jahre vervielfachte sich der Palmölverbrauch. Denn: Palmöl fließt immer häufiger auch in unsere Autotanks und beschleunigt dadurch die Zerstörung der tropischen Regenwälder. Umweltschützer und Nicht-Regierungsorganisationen wie der World Wildlife Fund (WWF) brandmarken diese Entwicklung seit Jahren.

Dennoch ist und bleibt Palmöl ein eminent wichtiger Grundstoff: Palmöl wird aus dem Fruchtfleisch der Palmfrüchte gewonnen und vereinigt so viele positive Eigenschaften wie kein anderes pflanzliches Fett. Bei Zimmertemperatur weist Palmöl eine feste Konsistenz auf, das heißt, es muss nicht chemisch gehärtet werden, ist geschmacksneutral, besonders hitzestabil, sehr lange haltbar und macht die Fertigprodukte der Lebensmittelindustrie besonders streichfähig.

  • Wie viel Tonnen Palmöl bezieht Nestle im Jahr?
    Palmöl ist kein zentraler Rohstoff in unseren Produkten. Nestlé international kauft nur etwa 0,7 bis 0,8 Prozent der weltweiten Palmöl-Produktion.

    Nestlé Deutschland will bis 2015 erreichen, dass 50 Prozent des bezogenen Palmöls aus nachhaltigem Anbau stammt, bis 2020 sollen es 100 Prozent sein. Wie weit ist Nestle auf diesem Weg?
    Nestlé Deutschland hat sich das genannte Ziel gesetzt und es bereits fast erreicht. Nestlé Deutschland bezieht auch keine Green Palm Zertifikate mehr. Wir setzen auf RSPO und Nestlé Responsible Sourcing Guideline verifiziertes Palmöl. 97 Prozent des von Nestlé Deutschland eingesetzten Palmöls entstammen aus transparenten Lieferketten und sind verantwortungsvoll beschafft.

    Welche Richtlinien gelten für den Einkauf von Palmöl bei Nestlé?
    Um sicherzustellen, dass für unsere Produkte kein Regenwald zerstört wird, hat Nestlé bereits 2010 eine Partnerschaft mit der weltweit tätigen, gemeinnützigen Organisation TFT (The Forest Trust) vereinbart, die Nestlé beim Umbau bzw. der Verbesserung der Lieferkette unterstützt. Gemeinsam mit dem TFT hat Nestlé die folgenden Richtlinien für den Einkauf von Palmöl definiert: Nestlé bezieht Palmöl nur von Plantagen und Farmen, die

    — sich an lokale Gesetze und Regulierungen halten,
    — Regenwaldschutzgebiete bewahren,
    — die frühzeitige und einvernehmliche Beteiligung der einheimischen Bevölkerung und Gemeinschaften in den Prozess der Erschließung neuer Plantagen sicherzustellen sowie
    — Torfmoore und Waldgebiete mit hohem CO2 Speicherwert zu schützen.

    Nestlè Deutschland kauft Palmöl verantwortungsvoll ein.

    Wie viel kostet eine Tonne zertifiziertes Palmöl im Vergleich zu einer Tonne nicht-zertifiziertem Palmöl?
    Die Mehrkosten für zertifiziertes Palmöl belaufen sich im Durchschnitt auf +10 Prozent pro Tonne im Vergleich zu nicht-zertifiziertem Palmöl. Zusätzlich investiert Nestlé in die Drittverifizierung durch den TFT.

    Wie viele Palmöl-Lieferanten hat Nestlé insgesamt?
    Wir beziehen Palmöl sowohl von den großen Palmölherstellern als auch von kleineren, fokussierten Anbietern. Es ist uns bei allen Lieferanten wichtig, dass wir Transparenz über die regionale Herkunft unseres Palmöls haben und entsprechend Risikoregionen aus unserer Lieferkette ausschließen können. Nur durch volle Transparenz können wir sicherstellen, dass alle Kriterien für den verantwortungsvollen Anbau und die Verarbeitung von Palmöl durchgängig gewährleistet sind.

     

Auf Anke Stübings Reise in den Westen Malaysias stand aber nicht nur die Besichtigung der Produktionsstätten auf dem Programm. Kritische Themen wie Nachhaltigkeit und ökologisches Bewusstsein gehörten genauso zum Gesprächsplan. „Wir tauschen uns nicht nur mit unseren Lieferanten aus“, sagt sie, „auch die deutschen und globalen Einkäufer müssen eng zusammenarbeiten. Uns ist es ein wichtiges Anliegen, dass der Anbau von Ölpalmen nicht auf Kosten schützenswerter Naturräume erfolgt.“ Sehr wichtig sei es dabei, auch auf indigene Rechte zu achten. So liefern etwa kleine Palmöl-Bauern, die „Smallholders“, ihre Ernte den großen Plantagen zur Weiterverarbeitung. Damit deren Existenz nicht gefährdet ist, dürfen sie nicht aus dem Zulieferungsprozess hinaus gedrängt werden.

Hoher Aufwand für eine transparente Lieferkette

Auch Traktoren gibt es auf modernen Palmöl-Plantagen
Mit Traktoren werden die Palmölfrüchte auf Waggons zur Weiterverarbeitung verladen.

Besitzer einer der von ihr besuchten Plantage ist eine dänische Familie, die dort schon seit dem 19. Jahrhundert ansässig ist und den Anbau der begehrten Palmfrucht seit vielen Generationen betreibt. 6.500 Angestellte beackern auf einer von zwölf Plantagen etwa die gigantische Fläche von 10.000 Hektar – das entspricht etwa der Größe von 20.000 Fußballfeldern. Insgesamt bewirtschaften die Betreiber zwölf Plantagen mit fünf Palmöl-Mühlen und mehr als 580.000 Hektar. „Das sind unglaubliche Dimensionen für uns Europäer“, erzählt die Nestlé-Managerin.

Statt der vermuteten asiatischen Lässigkeit herrscht europäische Gründlichkeit. Die Mitarbeiter leben in festen Häusern, sind mit einem Sozialsystem vergleichbar einer Krankenkasse versorgt. Auf dem Plantagengelände fahren Busse. „Was ich gesehen habe, war sehr fortschrittlich“, sagt Anke Stübing. „Hier wird wirklich aufgepasst, dass nicht sinnlos abgeholzt wird oder Torfe trocken gelegt werden, um Palmfrucht-Pflanzen anzubauen.“

„Natürlich ist es ein höherer Aufwand, dort die Einhaltung unserer strengen Lieferkriterien zu überwachen“, erläutert Stübing. Der große Aufwand lohnt sich jedoch: Seit 2009 garantiert Nestlé für ihr verwendetes Palmöl die RSPO-Zertifizierung bis zur verarbeitenden Mühle. Bis 2020, so lautet die interne Vorgabe, sollen 100 Prozent des von Nestlé Deutschland eingesetzten Palmöls aus verantwortungsvoller Beschaffung sein. Anke Stübing freut sich, dass dieses ambitionierte Ziel vermutlich noch schneller erreicht ist. „Derzeit sind wir bei 97 Prozent. Die restlichen drei Prozent schaffen wir auch noch recht schnell.“

Bildrechte: Nestlé Deutschland AG

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