Für ein besseres Leben

Gesucht: ein Rezept für nachhaltige Entwicklung im Vanilleanbau

Marion Hammerl läuft über ein Feld auf Madagaskar 

Die Reise zum Ursprung der Vanille hat viele Erkenntnisse über den Anbau und das Leben der Menschen vor Ort gebracht. Auf Madagaskar waren nicht nur Nestlé-Mitarbeiter dabei, sondern auch Vertreter von Nicht-Regierungsorganisationen. Ein Kommentar von Marion Hammerl vom Global Nature Fund.

Während die Vanille zu den wertvollsten Gewürzen der Welt gehört, müssen die meisten Vanillebauern auf Madagaskar in schlechten Jahren mit weniger als einem Dollar pro Tag auskommen. Die Gründe hierfür sind vielfältig: verantwortlich sind vor allem Händler, die die Preise gegenüber den Bauern drücken und gleichzeitig mit Vanille spekulieren, um auf dem Markt die höchsten Gewinne zu erzielen. Aber auch Exporteure, die an Renditen, aber nicht an ihrer Lieferkette interessiert sind, spielen eine Rolle.

Die Bauern in den abgelegenen Dörfern im Landesinneren in der Region Sambava haben den Spekulationen wenig entgegen zu setzen: schlecht oder gar nicht organisiert, ohne oder mit geringer schulischer Bildung – aber auch wenig offen für neue Ansätze. Unterstützung von der Regierung können sie auch nicht erwarten. Die Dörfer, die weitab von der Küstenstadt nur über Pisten zu erreichen sind, scheinen von der Politik vergessen: keine medizinische Versorgung, keine regelmäßigen Transportmöglichkeiten, zu wenig Schulen und zu wenig qualifizierte und motivierte Lehrer.

Initiativen, die diesen Kreislauf durchbrechen wollen, brauchen einen langen Atem und müssen sich auf Rückschläge einstellen. Das Programm des Vanille-Exporteurs, den wir auf Madagaskar besucht haben, und der von einem der führenden Aromenhersteller und von Nestlé unterstützt wird, gehört zu den Initiativen mit einem langem Atem.

Abhängigkeit vom Vanilleanbau verringern

Marion Hammerl war mit Nestlé in Vanille Dörfern auf Madagaskar
Marion Hammerl besuchte gemeinsam mit Nestlé-Mitarbeitern die Vanille-Dörfer auf Madagaskar.

Der Direktor des Unternehmens fühlt sich verantwortlich für die Vanillebauern und für die Arbeiter, die die Vanilleschoten für den Export vorbereiten. Unterstützt von der lokalen NGO Conseil et Developpement (GCD) hat das Unternehmen ein Programm aufgelegt, in das inzwischen 28 Dörfer eingebunden sind: Der Bau von Schulen ist ein wichtiger Bestandteil. Ein weiterer Fokus liegt auf der Schaffung von Nebeneinkünften für die Bauern, die sich mit den Vanilleanbau kombinieren lassen und gleichzeitig die Ernährung der Familien verbessern: effizienter Reisanbau, Gemüse wie Chinakohl, Honig oder Fischzucht. Verschiedene Optionen werden in Bezug auf ihre positive Wirkung und ihre Akzeptanz bei den Bauern getestet.

Eine Erfolgsstory: Inzwischen bestellen 950 von 3.000 Bauern ihre Reisfelder nach der sogenannten Madagaskar-Methode, die auf einem speziellen Wassermanagement beruht. Dabei verwurzeln die Reispflanzen besser im Boden, was dazu führt, dass bis zu dreimal mehr geerntet werden kann. Obwohl Reis das wichtigste Nahrungsmittel auf Madagaskar ist und diese Methode (per Zufall) von einem Jesuitenpater auf der Insel entwickelt wurde, wird sie hier nicht angewendet. Dreimal mehr Reis zu ernten bedeutet, das Grundnahrungsmittel für die Familie zu sichern und dass die Kinder nicht mit leerem Magen in der Schule sitzen müssen. Aber die Bauern werden auch angehalten, Nährstoffe an den Boden zurückzugeben und lernen, wie organischer Kompost gemacht wird und wann er ausgebracht werden muss.

Erfolge trotz Widerständen

Die erste Phase des Programms hat kleine und größere Erfolge gebracht und – wie bei allen Projekten – einige erfolglose Maßnahmen, aus denen man lernen kann und muss. Nun soll das Programm ausgeweitet werden – inhaltlich und auch geografisch, denn viele Dörfer stehen auf der Warteliste. Die neuen Schulen benötigen mehr gut ausgebildete und motivierte Lehrer, die vernünftig bezahlt werden. Ein wichtiger Aspekt, um die Wirkung zu erhöhen, aber nicht einfach, denn die verantwortlichen Behörden haben es nicht gerne, wenn man ihre Kompetenzen ignoriert, auch wenn sie ihre Aufgaben nicht oder nur schlecht erfüllen können.

Außerdem wollen nur wenige Lehrer in die abgelegenen Dörfer, um dort zu leben und zu unterrichten. Das heißt, dass ein Konzept entwickelt werden muss, um die vorhandenen Lehrer fortzubilden und weitere dringend benötigte Lehrkräfte zu gewinnen. Die Schulen sollten genutzt werden, damit auch die Erwachsenen lesen und schreiben und Französisch lernen. Solarpanele können den Strom für Licht liefern und damit die Möglichkeiten zur Nutzung der Räume erhöhen. Toiletten müssen gebaut werden in Verbindung mit sogenannten „low cost“-Klärsystemen – nicht nur, um das Grundwasser zu schützen und damit das Trinkwasser,  sondern auch um als Anschauungsobjekt in den Schulunterricht eingebaut zu werden.

Vorreiter unterstützen

Die Bauern stehen Neuerungen oft skeptisch gegenüber. Um die Vorbehalte zu überwinden, braucht es Vorreiter, die etwas Neues wagen und damit Erfolg haben. Diese Vanillebauern müssen gesucht, gefunden und unterstützt werden, damit sie in ihrer Dorfgemeinschaft zeigen können, dass alternative Wege zu mehr Eigenständigkeit und einem besseren Lebensstandard führen.

Die Liste der Maßnahmen ist lang und muss auch eine Veränderung der Rahmenbedingungen beinhalten – allen voran ein sozialer Mindeststandard für den Vanilleanbau für die gesamte Branche.

All dies kann nur erreicht werden, wenn alle Akteure der Lieferkette plus die Endabnehmer zusammenarbeiten. Das Unternehmen braucht für das Programm die Unterstützung des Aromenherstellers und von Nestlé und alle müssen sich darüber im Klaren sein, dass es um eine langfristige Verpflichtung geht.

Global Nature Fund gehört zum NGO- und Expertenbeirat von Nestlé Deutschland, und ich war eingeladen, mir das Programm zur Verbesserung der Lebensstandards der Vanillebauern vor Ort anzusehen. Ich bin mir sicher, dass meine Kollegen vom Beirat ein weiteres und intensives Engagement von Nestlé befürworten und unterstützen werden.

Bildrechte: Nestlé Deutschland AG

Arbeiter riechen an Vanilleschoten

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