Die Geschichte des Kaffeeanbaus

Wie der Kaffee vom Luxusgut zum beliebtesten Getränk in Deutschland wurde

Ein Mann arbeitet auf einer Kaffeeplantage 

Er duftet aromatisch und weckt die Lebensgeister: Kaffee ist das meistgetrunkene Getränk in Deutschland und ein wichtiger Rohstoff im Welthandel. Die Bedingungen des Kaffeeanbaus werden stetig verbessert, um eine dauerhafte Lebensgrundlage für die Bauern vor Ort zu schaffen.

Kaffee liegt auf der Beliebtheitsskala weit vor Bier oder Wasser. Zum Vergleich: Laut dem Deutschen Kaffeeverband trinkt jeder in Deutschland durchschnittlich 107 Liter Bier, 140 Liter Mineral- und Heilwasser sowie 165 Liter Kaffee im Jahr – was rund vier Tassen pro Tag entspricht. In Form von Espresso, Café Latte oder Cappuccino ist er fester Bestandteil unseres Alltags geworden.



Und das, obwohl der schwarze Trunk erst in unseren Kulturkreis gelangte, nachdem er andernorts schon lange bekannt und beliebt war. Kaffee, auf Arabisch Quahwa, bedeutet ursprünglich „Wein des Orients“. Das Getränk ist im Gegensatz zu Alkohol im Koran erlaubt. Man nimmt heute an, dass der Kaffee aus der Provinz Kaffa in Äthiopien stammt, denn dort wurde er schon im 9. Jahrhundert erwähnt. Von dort aus gelangte er wahrscheinlich mit Sklaven im 14. Jahrhundert in den arabischen Kulturkreis, wo er zunächst im Jemen angebaut und gehandelt wurde. Seinen Ursprung hat der Kaffeeanbau vermutlich in der heutigen Stadt Al Mukha, die damals Mocha oder Mokka genannt wurde.

So viel Kaffee konsumiert die Welt
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So viel Kaffee konsumiert die Welt. Quelle: Statista

Pilger von Mekka und Medina intensivierten den Kaffeeanbau im 15. und 16. Jahrhundert im arabischen Raum, was durch die Ausweitung des Osmanischen Reiches weiter befördert wurde. 1554 eröffnete in Istanbul das erste Kaffeehaus. Im syrischen Aleppo probierte 1573 Leonhard Rauwolf, ein Arzt aus Augsburg, zum ersten Mal das Getränk und berichtete darüber in der Heimat. Wann es nach Deutschland kam, ist nicht genau bekannt – in Bremen aber öffnete das erste deutsche Kaffeehaus 1673 seine Türen.

Nah am Äquator: der Kaffeegürtel

Auch der Kaffeeanbau blieb lange im arabischen Raum. Erste Versuche andernorts machten die Holländer im 17. Jahrhundert in ihren Kolonien Ceylon und Java. Die Portugiesen trugen die Pflanze 1727 nach Brasilien, das heute weltweit führend ist im Kaffeeanbau. 1808 gelangte sie nach Kolumbien. Die Franzosen zogen Anfang des 19. Jahrhunderts nach mit Pflanzungen in Cayenne und Martinique. Vietnam begann erst um 1980, das wirtschaftliche Potenzial der Bohne auszuschöpfen, liegt heute aber mit seinem Produktionsvolumen bereits an zweiter Stelle im Weltmarkt. 

2012 exportierte Brasilien knapp 51 Millionen Sack Rohkaffee, gefolgt von Vietnam mit 22 Millionen und Indonesien mit rund elf Millionen Sack – diese Einheit zur Berechnung bezeichnet je 60 Kilogramm Rohkaffee.

Die Pflanze wird heute vor allem im so genannten Kaffeegürtel angebaut. Das sind Länder zwischen dem 23. und 25. Breitengrad, deren Klima tropisch-äquatorial ist. Viele unter ihnen zählen zu den armen Ländern der Welt, wo auch die Lebens-, Anbau- und ökonomischen Bedingungen in der Landwirtschaft oft schwierig sind.

„Wir wollen den Kaffeebauern vor Ort eine Perspektive geben, damit sie ihren Beruf weiterhin mit Hingabe, Erfahrung und Wissen ausüben können.“ Ivonne Schneider, verantwortliche Nestlé-Markenmanagerin für den Nescafé Plan

Kaffeebauern stehen vor den Herausforderungen eines komplexen Marktes. Er ist geprägt von Preisschwankungen, von sinkenden Erträgen wegen alternder Baumbestände und von Pflanzenkrankheiten. Und das obwohl Kaffee eines der wichtigsten Welthandelsprodukte und nach Erdöl der meistgehandelte Rohstoff der Erde ist. In 80 Ländern betreiben Arbeiter Kaffeeanbau: Dort wachsen auf etwa zehn Millionen Hektar rund 15 Milliarden Kaffeebäume. Insgesamt sind auf der Welt mehr als 100 Millionen Menschen mit Anbau, Verarbeitung und Handel des beliebten Getränks beschäftigt.

Der Nescafé Plan optimiert den Kaffeeanbau

Als einer der weltweit größten Verarbeiter will Nestlé dazu beitragen, dass der Kaffeeanbau nachhaltiger betrieben und die Lebensgrundlage der Kaffeebauern verbessert wird. Denn Kaffeebauern sind überwiegend Kleinbauern, die oft nur ein oder zwei Hektar Land besitzen. Der Konzern investiert bis 2020 rund 400 Millionen Euro für eine nachhaltige Wertschöpfungskette vom Einkauf über transparente Lieferketten, in Unterstützung für die Bauern vor Ort anerkannte Standards für Nachhaltigkeit umzusetzen. Das Ziel ist es, bis 2020 insgesamt 90.000 Tonnen Kaffee zu beziehen, der internationale Standards von Umweltschutz, sozialer Verantwortung und Wirtschaftlichkeit erfüllt, zusammengefasst im Sustainable Agriculture Network. Dieser Plan ist Teil des vom Unternehmen entwickelten Kodex zum verantwortungsvollen Rohstoffeinkauf.

Ein Arbeiter zeigt Kaffeefrüchte
90.000 Tonnen Kaffee aus nachhaltigem Anbau will Nestlé bis 2020 beziehen.

Nestlé unterstützt die Bauern vor Ort unter anderem durch Direkteinkauf von Bauern und Genossenschaften, lokale Weiterbildung und Hilfe beim Anbau der Kaffeepflanzen. Das Unternehmen beschäftigt ein Team von mehr als 200 Agronomen allein im Kaffeesektor, welche Plantagenarbeiter fachlich und technisch schulen und beraten.

„Wir wollen dafür sorgen, dass der Kaffeeanbau eine Zukunft hat und den Bauern eine gute Lebensgrundlage bietet“, sagt Nestlé-Markenmanagerin Ivonne Schneider. „2010 haben wir unsere Initiativen im Nescafé Plan gebündelt, um vor allem die Situation in den Anbauländern zu verbessern.“ Denn in vielen Ländern, so Schneider, würden die Ernten durch ausgelaugte Böden und überalterte Pflanzen sinken. Weil die Erträge nicht reichten, würde oftmals Regenwald gerodet, um mehr Platz für den Kaffeeanbau zu schaffen. Zugleich nehme wegen der geringen Erträge die Landflucht zu. „Wir wollen den Bauern vor Ort eine Perspektive geben“, sagt Schneider, „damit sie ihren Beruf mit Hingabe, Erfahrung und Wissen ausüben können.“ Um die Situation der Arbeiter zu verbessern, hat das Unternehmen beispielsweise mehr als 10.000 Bauern geschult und rund 220 Millionen ertragreichere und widerstandsfähige Setzlinge für den Kaffeeanbau verteilt. In 13 Ländern ist Nestlé bereits mit dem Nescafé Plan aktiv. 

Heute werden laut der International Coffee Organization vor allem die Sorten Arabica mit rund 60 und Robusta mit etwa 36 Prozent am Weltmarktanteil angebaut. Arabica gilt als geschmacklich abgerundet und besonders aromatisch und ist daher die beliebteste Sorte. Sie enthält allerdings nur etwa halb so viel Koffein wie Robusta, die widerstandsfähiger im Anbau ist und eine kürzere Zeit braucht, um zu reifen. Neben diesen beiden gibt es seltene Sorten wie Stenophylla, Maragogype oder Excelsa, die erst 1904 im Tschad entdeckt wurde. Sie unterscheidet sich von den anderen durch ihren kräftigen Wuchs und ihre Fähigkeit, auch in der Trockenheit gut zu gedeihen.

Kaffee im 17. Jahrhundert: selten und teuer

Kaffeebohnen werden verarbeitet
Kaffee existiert in vielen verschiedenen Sorten - Arabica und Robusta sind die beliebtesten auf dem Weltmarkt.

Die Beliebtheit des Kaffees in Europa begann in den Kreisen des Großbürgertums und der Aristokratie, denn er war selten und teuer. In Preußen sorgte Friedrich der Große dafür, dass sich daran nichts änderte: Er führte 1781 ein staatliches Monopol auf den „Brennzwang“ ein, der besagte, dass nur in königlichen Röstereien Kaffeebohnen besessen oder gebrannt werden durften. Zur Einhaltung beauftragte er Kaffeeschnüffler, deren Aufgabe es war, ungehorsame Kaffeeröster aufzuspüren. Wer sich das Genussmittel leistete, trank es aus Untertassen, damit es schneller abkühlte. Zu heiß getrunken, hätte es die Schminke in den Gesichtern verlaufen lassen. Arbeiter und Bauern, die selten Kaffee tranken, hatten diese Schwierigkeiten nicht – sie löffelten Kaffee aus Suppentellern. Das Getränk soll später auch die Industrialisierung befördert haben: Während man im 17. Jahrhundert noch Wein oder Bier zum Frühstück konsumiert hatte, gingen die Arbeiter nun morgens wach und tatkräftig in die Fabriken, was die Produktivität erheblich verbesserte. Dennoch blieb Kaffee teuer, häufig wurde er mit Malz oder Zichorie ersetzt oder gestreckt.

  • Eine Herde Ziegen war es, die den Kaffee entdeckte – so jedenfalls erzählt es die Legende, die der Mönch Antonius Faustus Naironus 1671 in seinem Buch „De saluberrima potione cahve“ zu Papier brachte: Eines Tages fiel einem äthiopischen Hirten auf, dass einige seiner Ziegen fröhlicher herumsprangen als die anderen. Sie machten ihm viel Arbeit, denn sie ließen ihm auch in der Nacht keine Ruhe. Er beklagte sich bei einem Mönch eines nahe gelegenen Klosters und zeigte ihm, dass die Ziegen von einem Strauch mit weißen Blüten und glänzend roten Früchten gefressen hatten. Der Mönch probierte diese Früchte selbst und stellte fest, dass sie auch bei ihm belebend wirkten. Als er später aus den Früchten einen Sud für sich und die anderen Mönche bereitete, konnten die Männer in dieser Nacht lange wach bleiben, mit einander sprechen und beten.

     

In Deutschland trinken aktuell laut einer Studie des Statistikportals Statista im Durchschnitt sehr häufig bis gelegentlich etwa 66 von 81 Millionen Menschen Kaffee in einer seiner zahlreichen Darreichungsformen. Nur 4,5 Millionen tun dies fast nie.

Mehr als 800 verschiedene Inhaltsstoffe sind im Kaffee enthalten, die Farbe, Aroma, Geruch und Geschmack ausmachen. Am besten erforscht ist das Koffein. Der Mythos, Kaffee mache den Menschen nervös und entziehe dem Körper Flüssigkeit, hält sich jedoch noch immer. Auch wenn man es heute besser weiß: „Menschen, die regelmäßig Kaffee trinken, leiden nicht an einer erhöhten Flüssigkeitsausscheidung. Er geht genauso aus dem Körper wieder hinaus wie Mineralwasser oder Saft“, sagt Sven-David Müller, Kaffee-Experte und Medizinjournalist. „Es gibt immer wieder solche Gesundheitsgerüchte und alte Volksweisheiten, die das Essen betreffen. Das muss man nicht immer glauben. Man sollte pro Tag 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit trinken und kann den Kaffee dabei mit einrechnen.“ Bis zu vier Tassen, über den Tag verteilt, schaden in der Regel gesunden Erwachsenen nicht, heißt es bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Bildrechte: Nestlé Deutschland AG, Statista

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