Mehr Qualität, mehr Ertrag, bessere Lebensbedingungen

Wie wir uns für Verbesserungen im Kakaoanbau engagieren

Männer ernten Kakao 

Die Lebensbedingungen der westafrikanischen Kakaobauern sind hart – geringe Erträge, geringes Einkommen und intransparente Lieferketten führen zu sozialen Problemen. Nestlé arbeitet mit Partnerorganisationen daran, die Lebensbedingungen der Kakaobauern zu verbessern.

Die ganze Welt liebt Schokolade: In Deutschland liegt der jährliche Pro-Kopf-Verzehr bei 11,5 Kilo. In China haben sich die Verkaufszahlen in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Weltweit wird der Schokoladen-Absatz im Jahr 2014 um 2,1 Prozent steigen – und damit einen Rekordwert von 7,3 Millionen Tonnen erreichen.

Beste Zeiten für Bauern, Händler und Produzenten? Ganz und gar nicht! Der globale Siegeszug der Schokolade hat einen bitteren Beigeschmack: Hunderttausende Kakaobauer leben unterhalb der Armutsgrenze, Pflanzenkrankheiten und geringe Flächenerträge machen es schwer, vom Kakaoanbau zu leben. Die Kinder der Bauern müssen, wenn sie überhaupt zur Schule gehen können, weite Wege zurücklegen – und nur allzu oft auf den Farmen mitarbeiten.

Was also läuft schief bei der Verwandlung der Bohne in die beliebteste Süßigkeit der Welt? Und was hilft wirklich, um die Arbeit und das Leben der Bauern dauerhaft zu verbessern?

Von der Schote zur Bohne

Viele mögliche Antworten finden sich in Elfenbeinküste. Mehr als die Hälfte des nach Deutschland importierten Kakaos stammt aus dem westafrikanischen Land. Kein Wunder: Entlang des Äquators fühlt sich der Kakaobaum besonders wohl, bei tropischen Temperaturen und konstant hoher Luftfeuchtigkeit.

Rund sechs Millionen Menschen leben dort direkt oder indirekt vom Kakao. Zumeist arbeiten sie auf kleinen, abgelegenen Pflanzungen, die selten mehr als zwei oder drei Hektar umfassen. Die Pflege und die erste Weiterverarbeitung des Rohstoffs sind arbeitsintensiv. Das oftmals einzige Handwerkszeug der Kleinbauern: die Machete. Mit ihr schlagen sie die Schoten von den Bäumen, öffnen die Hülsen und gewinnen so die im Fruchtfleisch eingebetteten Kakaobohnen.

Schwankende Preise, geringe Einnahmen

Sack mit Kakaobohnen
Kakaobohnen werden in große Säcke verpackt.

Doch der Anbau ist für viele Farmer längst keine lukrative Einnahmequelle mehr. „Das größte Problem ist ihre Abhängigkeit vom stark schwankenden Weltmarktpreis“, sagt Friedel Hütz-Adams, Kakao-Experte beim Siegburger Südwind-Institut. In der Erntesaison 2010/11 lag der Preis bei 3100 US-Dollar je Tonne, ein Jahr später nur noch bei 2400 US-Dollar. „Die Bauern haben ohne eigenes Zutun fast ein Viertel ihrer Einnahmen verloren“, so Hütz-Adams.

Hinzu kommt, dass sie meist auf kleine Einkäufer angewiesen sind, die ihre Ernte vor Ort aufkaufen und an Zwischenhändler verkaufen, die sie anschließend zur Küste transportieren und an die Exporteure weiterverkaufen – für die Bauern eine außerordentlich schwache Verhandlungsposition, und die Zwischenhändler verbuchen einen erheblichen Teil des Preises für sich. Auch für die Verarbeiter von Kakao keine wünschenswerte Situation: Für sie ist es üblicherweise kaum möglich, die genaue Herkunft des Kakaos zu erfahren.

Alte Pflanzen, sinkende Erträge

Verschärft wird diese Situation durch stetig sinkende Erträge: Seit mehr als 30 Jahren schrumpft die Kakaoproduktion in Elfenbeinküste, geringe Einnahmen erschweren den Bauern die Investition in neue, widerstandsfähigere Pflanzen. Dabei müssten die Pflanzungen alle 25 Jahre erneuert werden, um die Erträge zu halten. Die alten Bestände dagegen sind anfällig für Pilze, Parasiten und andere Schädlinge. 30 bis 40 Prozent der kompletten Jahresernte geht Schätzungen zufolge auf diese Weise Jahr für Jahr verloren.

Ein Problem, das die Bauer vor Ort aus eigener Kraft nicht lösen können. Ihnen fehlt das Know-how, die grundlegenden Kenntnisse über die Pflege der Bäume, die Bekämpfung von Krankheiten oder den richtigen Zeitpunkt der Ernte, und nicht zuletzt der Zugang zu gutem Pflanzenmaterial. Der Anbau lohnt sich für viele Farmer ohnehin kaum. Nur vier bis sechs Prozent des Endpreises für ein Schokoladenprodukt bleiben in der Tasche eines westafrikanischen Kakaobauern. „Ihr Durchschnittseinkommen liegt oft unter der Armutsgrenze“, weiß Experte Hütz-Adams. Gleichzeitig werden die Farmer immer älter: Ihr Durchschnittsalter liegt bei mehr als 50 Jahren. Der Nachwuchs wiederum sieht keine Zukunft in der Landwirtschaft und wandert in die Städte ab.

Kinder als billige Arbeitskräfte

Das niedrige Einkommen der Kakaobauern führt zu einem Problem: Kakaoanbau ist arbeitsintensiv, und Geld für feste Arbeiter fehlt meist. Hinzu kommt, dass auch kein Geld für den Schulbesuch der Kinder da ist. Die Konsequenz: Kinder müssen allzu oft auf den Pflanzungen mitarbeiten, statt in die Schule zu gehen. Und gerade in ländlichen Gemeinschaften fehlt häufig das Problembewusstsein zu Kinderarbeit. Hinzu kommen immer wieder Berichte über Kinder, die in Nachbarländern als billige Arbeitskräfte angeworben oder gar verschleppt werden. Die ivorische Polizei hat es bisher nicht ausreichend geschafft, dieses Problem in den Griff zu bekommen.

Hierfür gibt es keine einfache Lösung. 2012 hat Nestlé seine Lieferkette und die Situation im Kakaoanbau durch die Fair Labor Association (FLA) untersuchen lassen – und ist als erster Lebensmittelhersteller überhaupt Mitglied der FLA geworden.

Das Ergebnis der Experten: „Kinderarbeit ist immer noch Realität auf den Kakaoplantagen.“ FLA-Präsident Auret van Heerden bringt die Herausforderung auf den Punkt: „Es ist entscheidend, dass alle Akteure zusammenarbeiten – vom Plantagenarbeiter bis hin zu Regierungsbeamten, Exporteuren, Kooperativen und NGOs.“ Nur so könne man Kinderarbeit ausmerzen.

Afrikanische Frauen ernten Kakao
Afrikanische Frauen ernten Kakao. Dank neuer Kontrollen und Schulungen verbessert sich ihre Situation. 

Kinderarbeit ist aber nicht das einzige Problem. Arbeitssicherheit, Rechte von Frauen und Landarbeitern sowie Pächtern erfordern ebenso Maßnahmen wie die Prävention von „nicht akzeptablen Formen der Kinderarbeit“, wie die Internationale Arbeitsorganisation ILO dies bezeichnet. Nestlé hat gemeinsam mit der FLA einen Maßnahmenplan ausgearbeitet – dazu gehört etwa ein umfassendes Überwachungssystem entlang der Lieferkette, Schulungen von Partnern sowie Dorfgemeinschaften und mehr. Die Umsetzung läuft, erfordert aber Zeit.

Wege aus der Krise

Wie ist der Teufelskreis aus Kinderarbeit, Armut und sinkenden Erträgen konkret zu durchbrechen? Welche Schritte müssen alle Beteiligten der Kakaobranche wagen, um die Zukunft der Bohne zu sichern – und Bauern wie Kindern eine Perspektive zu geben?

Um die Probleme bei ihrer Wurzel zu packen und dauerhaft zu lösen, bedarf es ganzheitlicher Konzepte. Deshalb treibt Nestlé seit 2009 den Nestlé Cocoa Plan voran. Das Programm für nachhaltigen Kakaoanbau soll Erträge und Qualität erhöhen, bessere Lebensbedingungen für Bauern und ihre Familien schaffen und die Herkunft des Rohstoffes transparent machen.

Know-how für nachhaltigen Kakao

80 Millionen Euro wird Nestlé bis 2020 investieren, zum Beispiel in Schulungen für Bauern, den „Farmer Field Schools“. In Elfenbeinküste, Ghana, Ecuador, Mexiko, Venezuela und Indonesien wurden in den vergangenen Jahren mehr als 80.000 Kakaobauern geschult. 2013 bezog Nestlé 60.000 Tonnen Kakao von Partnerkooperativen des Nestlé Cocoa Plan. Zudem wurden mehr als drei Millionen neue, ertragsstarke und widerstandsfähigere Kakaobäume an die Bauern abgegeben.

Video 10 Dinge über Kakao

Die Logik des Nestlé Cocoa Plans: Effektivere Anbaumethoden und leistungsfähige Pflanzen erhöhen die Ernte-Erträge und somit auch die Einkommen der Bauern. Etwa 400 Kilo Bohnen erntet ein Farmer durchschnittlich pro Hektar. Durch bessere Anbaumethoden ist eine Verdoppelung ohne weiteres möglich – mit gutem Pflanzenmaterial können es sogar weit mehr als 1000 Tonnen hochwertiger Kakao pro Hektar sein. Dazu baut Nestlé mit Lieferanten eine direkte, kurze Lieferkette zu den Bauern und ihren Kooperativen auf. Durch die direkte Beziehung zu den Kooperativen kann Nestlé die Bauern gezielt unterstützen, etwa durch den Aufbau von Baumschulen und durch Trainings. Außerdem zahlt Nestlé den Bauern Prämien für die Mitarbeit im Cocoa Plan und die Verbesserung der Kakaoqualität – ein wichtiger Anreiz.

Viel Geduld und Ausdauer

Ein wichtiger Partner in den Anbauregionen ist UTZ Certified, ein Zertifizierungsprogramm für sozial verantwortliche und umweltfreundliche Kakaoproduktion. Um das UTZ-Siegel zu erhalten, müssen die Farmer der Kooperativen ihr Wissen auf den neuesten Stand bringen und bei der Herstellung Vorgaben einhalten. Außerdem vereinbaren sie mit UTZ klare Qualitätsstandards. Wer diese einhält, bekommt zusätzlich zum Weltmarktpreis eine Prämie gezahlt. Neben UTZ Certified arbeitet Nestlé auch mit Fairtrade zusammen. Aber Zertifizierung ist nur eines der Werkzeuge im Baukasten des Nestlé Cocoa Plan: Das im Aufbau befindliche Monitoringsystem, Prämien für Qualität, die Bereitstellung von Pflanzen und der Bau von Schulen für die Dorfgemeinschaften sind weitere Werkzeuge, die zu einer besseren Lebensqualität der Bauern beitragen sollen.

  • Kakao und Schokolade sind ein Milliardenmarkt: Mehr als vier Millionen Tonnen Kakaobohnen werden jährlich geerntet. Rund 40 Prozent der weltweiten Produktion wird in der EU gemahlen und konsumiert. Der Weg vom Baum in die ist arbeitsreich: Mit Macheten werden die Früchte vom Baum getrennt und geöffnet, um Fruchtfleisch und Bohnen hervorzuholen. Danach müssen die Bohnen für einige Tage zur Fermentierung zwischen Bananenblättern oder in Holzkisten liegen.

    In dieser Zeit gärt das Fruchtfleisch und entwickelt Temperaturen von bis zu 50 Grad, bis es verdampft. Die Bohnen keimen dabei kurz auf und sterben ab. Durch das Keimen breitet sich der Zellsaft in der ganzen Bohne aus, die Bitterstoffe werden so gemildert. Und erst jetzt erhalten die eigentlich weißen Bohnen ihre braune Färbung. Rund 60 Prozent Wasser enthalten die Kakaobohnen nun – zu viel für Lagerung und Transport. Darum werden sie auf Matten ausgebreitet und rund zwei Wochen unter der Sonne getrocknet.

    Anschließend wird der Kakao in Säcke abgepackt und zur Weiterverarbeitung nach Europa verschifft. In der Schokoladenfabrik werden die Bohnen gereinigt und vorbehandelt, um Bakterien abzutöten. Je nachdem, ob Schokolade oder Kakaopulver hergestellt werden soll, werden die Bohnen bei 100 bis 140 Grad Celsius geröstet. Hier verlieren sie weiter an Feuchtigkeit und entwickeln ihr Aroma.

    Nach dem Brechen und Schälen wird der Kakaokernbruch veredelt. Unter Zugabe von Zucker und Malz sowie weiteren Zutaten wird der Bruch in einem Druckgefäß verarbeitet und anschließend zermahlen. Dadurch tritt Kakaobutter aus und lässt die Stücke zu flüssiger Schokolade werden. Unter Zugabe von Zucker und Milchpulver wird die Kakaomasse verrührt und fein gewalzen, bis sie nur noch wenige tausendstel Millimeter dick ist. Nun geht es ans Conchieren: Dabei wird die Schokolade bis zu 48 Stunden lang gerührt und dabei auf 90 Grad erhitzt. Danach muss die flüssige Masse abkühlen und kann in Formen gefüllt werden – um ganz zum Schluss in den Einzelhandel zu kommen.

  • Der wissenschaftliche Name des Kakaobaums lautet „Theobroma“, zu deutsch die „Speise der Götter“. Seit Jahrtausenden dient diese Speise als Genussmittel: Auf Tongefäßscherben aus dem Jahr 1100 v. Chr., die im heutigen Honduras ausgegraben wurden, finden sich Spuren von Theobromin, einem Bestandteil des Kakaos. Damals wurde aber wohl ein Getränk aus dem Fruchtfleisch hergestellt und nicht aus der Bohne.

    Um 300 n. Chr. handeln die Maya mit Kakao, im 12. Jahrhundert zirkulieren sie als Luxusgut für die Oberschicht. Die Azteken nutzen die kleinen Bohnen auch zum Einkaufen: Für zehn Stück bekommt man ein Kaninchen, für 100 Stück einen Sklaven. Der unaufhaltsame Aufstieg der Kakaobohne nimmt Fahrt auf, als Columbus im 15. Jahrhundert den Kakao von Südamerika nach Europa bringt. Es dauerte bis 1544, als man am spanischen Hof erkennt, dass Kakao mit Zucker deutlich besser schmeckt. Im 17. Jahrhundert wird das nun endlich süße Getränk durch Schokoladenstuben populär.

    Zu Schokolade wird der Kakao erstmals im Jahr 1839 verarbeitet. Nicht in der Schweiz, wie man lange Zeit annahm, sondern im sächsischen Dresden entsteht die erste Milchschokolade – das Unternehmen Jordan & Timaeus bewirbt im Dresdner Anzeige seine „Chocolade aus Eselsmilch“. Zu kaufen ist diese weltweit erste Milchschokolade nicht im normalen Handel, sondern in Apotheken.

http://www.suedwind-institut.de http://www.suedwind-institut.de http://www.nestlecocoaplan.com https://www.utzcertified.org/de

Bildrechte: Nestlé Deutschland AG, GettyImages

Quelle: International Cocoa Organization, Infozentrum Schokolade, National Confectioners Association, Die Verbraucher Initiative, Sandra Zapke: "Kakao - Fairer Handel für faire Chancen"