Aufbruch Generation Hoffnung

Wie fünf junge Spanier ihren Weg zu Nestlé Deutschland finden

Fünf junge Spanier beginnen ihre Ausbildung bei Nestlé Deutschland

Jeder zweite Jugendliche in Spanien ist arbeitslos. Die Nestlé Youth Employment Initiative will dies ändern. Ein Besuch bei fünf jungen Spaniern in Girona, die im Sommer ihre Ausbildung bei Nestlé Deutschland beginnen. Über harte Realitäten und das Vertrauen in eine bessere Zukunft.

Schon als kleiner Junge hatte Alberto Jiménez Collado angekündigt: „Mit 18 Jahren ziehe ich aus.“ Dass sich dies nun tatsächlich bewahrheitet, erstaunt ihn selbst. Schlag auf Schlag sei alles gegangen, erst die Information des Arbeitsamtes Barcelona über das Nestlé Programm der Youth Employment Initiative, das erste Vorstellungsgespräch, dann die entscheidende zweite Runde im Nescafé-Werk in Mainz. Und nach drei Wochen der Anruf: „Du bist dabei.“

Alberto steht mit seiner Familie im Garten seines Hauses in Spanien
Kurz vor dem Aufbruch: Alberto steht mit seiner Familie im Garten seines Hauses in Spanien.

Albertos Pläne für die Zukunft: Sich innerhalb des Unternehmens weiter entwickeln, im Laufe der Zeit mehr und mehr Verantwortung übernehmen. „Nestlé öffnet viele Türen, eine solche Chance bekommt man nur einmal im Leben“, ist Alberto überzeugt. Mutter Montserrat, Vater Francisco und auch die jüngere Schwester Maria unterstützen seine Entscheidung. „Für uns ist das großartig. Die Jugend verschwendet hier nur ihre Zeit“, sagt Francisco.

Ein weiter Weg bis zur Ausbildung

Auch Amin wusste bisher nicht, was er mit seinem Leben anfangen soll. Jetzt hat er einen neue Perspektive: Jeden Morgen läuft er von seinem Randbezirk Salt aus gen Zentrum, rund 3,5 Kilometer immer geradeaus bis Girona. Laufen macht den Kopf klar – und schont den chronisch leeren Geldbeutel. Sein Ziel: Die Sprachschule Organigrama in der Sequía 11. Von zehn bis zwei Uhr lernt er hier seit Anfang März zusammen mit neun anderen Deutsch. Zwei Schüler haben den in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut angebotenen Kurs bereits wieder beendet, sie haben Arbeit gefunden, weiß Deutschlehrerin Ines Reisch. Der Unterricht geht zügig voran, nach wenigen Tagen sind kurze Sätze bereits drin, sich vorstellen etwa oder Fragen stellen nach dem Woher und Wohin.

Vier Nestlé Auszubildende lernen in der Sprachschule Deutsch
Die künftigen Nestlé-Auszubildenden lernen in der Sprachschule Deutsch.

Wohin sie gehen – das wissen hier zumindest Amin, Alberto, Christian, Sukh und Miguel. „Meine Nestlé-Schüler“ nennt Ines Reisch sie. In diesem Sommer heißt es für die Fünf: Ab zu Nestlé nach Deutschland, wo sie nach einem zweimonatigen Vorpraktikum eine klassische Mechatroniker-Lehre beginnen. Nur Miguel hat sich anders entschieden: Der 25-Jährige wird im Maggi-Werk in Singen eine Ausbildung zum Industriemechaniker aufnehmen.

Kompliziert, aber annehmbar sei seine Arbeitssituation in den letzten Jahren gewesen. Nur bei der Bezahlung hapert es. Knapp 1.000 Euro verdiente Miguel im Schnitt bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von gut 50 Stunden. Aus dem Elternhaus ausziehen ist damit nicht drin. Amin, Alberto, Christian und Sukh sind voll auf die elterliche Unterstützung angewiesen; sie teilen das Schicksal von gut der Hälfte der jungen Spanier, der „generación cero“ wie sie dort heißen: Null reguläres Einkommen, null Aussicht auf eine geregelte Arbeit, null Hoffnung. „Selbst wenn man Arbeit hat, ist es keine, die irgendwohin führt“, meint Christian. „Spanien hat keine Zukunft.“

Mehr als 4.000 Stellen für junge Europäer in Deutschland

Doch das soll anders werden. Der Jugend Europas Jobperspektiven bieten und als Unternehmen ein klares Signal zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit setzen, lautet das Ziel der Mitte November 2013 offiziell gestarteten europaweiten Nestlé Youth Employment Initiative. 20.000 Jugendliche und junge Erwachsene unter 30 Jahren wird der Konzern in den nächsten drei Jahren europaweit fördern, davon sind 10.000 Vollzeitstellen, die andere Hälfte umfasst Praktika, Trainee- und Ausbildungsplätze. Allein in Deutschland werden 1.100 Vollzeitstellen und 1.320 Praktika, Trainee- und Ausbildungsplätze bis 2016 entstehen. Zudem werden in Deutschland spezielle Programme für Trainees und Auszubildende aus besonders von  Arbeitslosigkeit betroffenen Ländern angeboten. „Wir planen in den nächsten drei Jahren jeweils fünf Lehrstellen für junge Spanier sowie fünf Trainee-Stellen für Hochschüler aus Portugal on top einzurichten“, konkretisiert Thomas Eisleben, Personalleiter des Nescafé-Werkes in Mainz und Koordinator des diesjährigen Azubi-Programms.

Fünf Nestlé Auszubildende aus Spanien lernen im Praktikum von einem Nestlé Mitarbeiter
In einem Vorpraktikum lernen die fünf jungen Spanier von einem Nestlé-Mitarbeiter aus ihrer Region.

Einen kleinen Vorgeschmack, was sie während der Ausbildung in Deutschland erwartet, bekommen die künftigen spanischen Azubis zuvor im Nescafé Dolce Gusto-Werk in Girona. Neben dem täglichen Deutschkurs steht jeden Mittwochnachmittag ein Werkspraktikum an. „Es ist gut, dass wir noch in Spanien eine kurze Ausbildung erhalten. Wenn ich Fragen habe, kann ich sie in meiner Sprache stellen“, kommentiert Alberto.

Mainz heißt die neue Heimat für Amin und Alberto, Hamburg für Christian und Sukh, Singen für Miguel. Ihre künftige Arbeitsstelle kennen sie bereits aus dem am jeweiligen Standort absolvierten Vorstellungsgespräch. Ihr Eindruck: Das Arbeitsklima sei anders in Deutschland. „Die Kollegen wirkten wie eine Familie auf mich, so wie sie miteinander reden, lachen, Witze machen“, meint Miguel. „Mich hat vor allem überrascht, wie ordentlich und sauber unser künftiger Arbeitsplatz ist“, ergänzt Christian.

Es sollte mehr Programme wie die Youth Employment Initiative geben. „Wenn die Unternehmen nichts tun, wer soll es sonst machen“, sagt Sukh.

Bildrechte: Nestlé Deutschland AG
Pedro arbeitet im Rahmen der Youth Employment Initiative beim Nestlé Chocoladenwerk in Hamburg

Erfahrung eines Praktikanten

Im Zuge der Youth Employment Initiative hat Pedro ein Praktikum beim Nestlé Chocoladenwerk in Hamburg begonnen. In seinem ersten Tagebucheintrag erzählt er von seinem Bewerbungsverfahren, seinem Umzug von Portugal nach Deutschland und seinen ersten Tagen bei Nestlé. Erfahren Sie mehr über Pedros persönliches Abenteuer.

Ein junger Mitarbeiter arbeitet an einer Maschine

Nestlé stellt Initiative in Europa vor

Nestlé baut auf dem Erfolg ihrer Youth Employment Initiative auf und startet die Alliance for YOUth. Bereits mehr als 150 europäische Unternehmen wollen dabei helfen, Arbeitsplätze für Jugendliche zu schaffen. Allein in Portugal sollen in den nächsten drei Jahren bei Nestlé und ihren Partnern mindestens 8.000 neue Stellen entstehen.