„Bestes Schichtsystem, das ich kenne“

Adam Czerwionka erreicht trotz Schichtdienst eine gute Balance zwischen Arbeits- und Freizeit

Adam Czerwionka arbeitet als Schichtleiter im Nescafé-Werk Mainz

Adam Czerwionka arbeitet als Schichtleiter im Nescafé-Werk Mainz. Der 42-Jährige mag seine Arbeit in der Kaffeeproduktion, auch wenn die ihn zu ganz unterschiedlichen Zeiten ins große Werk führt. Der Schichtleiter, der seit zehn Jahren in der Stadt am Rhein arbeitet, sieht bei den Abläufen die Unterschiede zu früher.

Herr Czerwionka, wie kann man sich Ihr Schichtsystem vorstellen?

Adam Czerwionka: „Ich arbeite als Schichtleiter im Nescafé Werk Mainz. Dort stellen wir sprüh- und gefriergetrockneten Kaffee her. Im Vier-Schichtsystem leisten wir eine Sieben-Tage-Woche. Unser Wechsel funktioniert nach dem 2-2-3-Prinzip. Ich arbeite zwei Tage in der Frühschicht, danach zwei Tage in der Spätschicht. Dann folgen drei Tage in der Nacht, worauf zwei freie Tage auf uns warten. Die ersten vier Tage gleichen sich in der kommenden Woche dann erneut. Doch der dritte Teil, jene Schichten am Wochenende, ändern sich und wechseln sich in den Zeiten ab. Ich arbeite an drei Wochenenden im Monat – und an einem Wochenende habe ich dann frei. So lässt sich die Arbeit besser einteilen – und mein Körper profitiert davon.“

War das schon immer so?

„Als ich anfing, war das anders aufgeteilt. Da gab es sieben Tage in der Frühschicht und in der folgenden Woche sieben Tage Spätschicht. Ab dem vierten Tag in der Nacht war man eigentlich gar nicht mehr in der Lage, alle Arbeiten vernünftig zu erledigen. Wir haben dieses System 2008 umgestellt. Das war ein großes Glück. Die Kollegen waren zwar zunächst nicht begeistert. Aber heute sind sie es.“

Was macht die Arbeit so besonders?

Blick hinter die Kulissen im Nescafe Werk Mainz.
Ein Blick hinter die Kulissen: Mitarbeiter bedienen Maschinen und überwachen die Produktion.

„Ich bin viel in Bewegung und häufig bei der Anlage. Zum Beispiel dann, wenn es eine Störung gibt oder etwas neu justiert werden muss. Die Produktionsanlage ist groß und geht über eine Höhe von fünf Stockwerken. Sie ist etwa 100 bis 200 Meter lang. Wenn beispielsweise der Aufzug belegt ist, gehe ich zu Fuß. Ich sitze definitiv nicht nur am Schreibtisch. Vor ein paar Jahren nutzten wir hier bei Nestlé für eine Firmenaktion die Schrittzähler der Aktion ‚Deutschland bewegt sich‘. Damit sollten wir intern zu mehr Bewegung motiviert werden. Damals kam ich täglich auf etwa 5.000 bis 8.000 Schritte. Ich empfand es als sehr befriedigend zu sehen, wie viele Schritte ich pro Tag gehe. Denn das gehört zu meiner Arbeit einfach dazu, in Bewegung zu sein.“

Was mögen Sie daran? Und was weniger?

„Als verheirateter Familienvater mit zwei Kindern muss ich sagen: Nicht jedes Schichtsystem ist einfach. Ich habe schon einige kennengelernt, auch in anderen Unternehmen, und muss dabei immer sehen, wo ich bleibe. Wenn man nicht aufpasst, hat es Folgen für die Gesundheit. Auch das soziale Umfeld kann leiden. Für mich ist unser System von allen, die ich erlebt habe, das Beste. Mit dem neuen System ist man einfach ausgeruhter, zwei Nachtschichten schaffe ich ganz wunderbar. Und: Ich komme mit nur fünf bis sechs Stunden Schlaf aus, das reicht mir.“

Trotz Ihrer wechselnden Arbeitszeiten im Schichtbetrieb leidet Ihr Familienleben nicht? Wie funktioniert das?

Nescafé auf Fließband.
Im Sekundentakt laufen Nescafé-Dosen vom Fließband.

„Ich achte darauf. Jeder Mensch, der in einem Schichtsystem arbeitet, muss sehr flexibel sein. Sonst funktioniert es nicht. Ich arbeite gerne auf Schicht, meine Arbeit macht mir Freude. Auch wenn das natürlich für mich bedeutet, dass ich viel Freizeit habe, wenn andere arbeiten müssen. Ich habe das Glück, dass meine Frau in Teilzeit arbeitet. Unsere gemeinsamen Zeiten müssen wir zwar genau planen, aber es funktioniert. Und wenn es mal gar nicht passt, ist es auch möglich, Schichten zu tauschen. Mit meiner Work-Life-Balance bin ich zufrieden.“

Was tun Sie für Ihre Gesundheit?

„Früher habe ich viel Fußball gespielt, heute auch noch ab und zu. Dafür gibt es ein Betriebssport-Angebot bei Nestlé, ich war aber auch im Verein. Ich liebe Badminton und gehe regelmäßig mit meiner Frau zum Joggen. All diese Aktivitäten hängen von meinem Schichtblock ab. Daher gehen wir manchmal vormittags zum Laufen und manchmal am Nachmittag. Doch wenn ich zur Spätschicht muss, kann ich nicht zum Fußball.“

Wie wohl fühlen Sie sich mit Ihrem Arbeitsmodell?

„Ich fühle mich in meinem Unternehmen sehr wohl – für mich funktioniert alles sehr gut. Das Schichtsystem ist eher positiv. Es kommt immer darauf an, wie ich es gestalte. Dann passt es wunderbar zu mir. Natürlich ist der Ausgleich in der Freizeit für eine gute Work-Life-Balance wichtig.“

Können Sie sich vorstellen, auch auf lange Sicht im Schichtdienst weiter zu arbeiten?

„Persönlich kann ich mir das vorstellen, es wäre kein Problem für mich. Eine Frage bliebe jedoch offen: Unsere Kinder werden immer älter. Es könnte deshalb sein, dass sich die Situation im Privatleben verändert und das Auswirkungen auf meine Verfügbarkeiten im Schichtdienst hat.“

Bildrechte: Nestlé Deutschland AG

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