Jeder hat seine eigene Definition von Glück

Work-Life-Balance: Tun uns fließende Übergänge von Arbeit und Freizeit gut?

Zwei glückliche Frauen laufen über eine Wiese

Eine strikte Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit existiert heute für viele Beschäftigte nicht mehr. In der Regel wird das kritisch gesehen. Antworten zum Thema gibt Jochen Mai, Betreiber der Internetseiten „karrierebibel.de“ und „karrierefragen.de“.

Der 47-Jährige beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Work-Life-Balance, Arbeitswelt und Co. und arbeitet als Hochschuldozent und Keynote-Speaker.

Herr Mai, bedeutet der fließende Übergang zwischen Freizeit und Arbeit automatisch, dass man mehr arbeitet und/oder stärker belastet wird?

Jochen Mai betreibt die Internetportale karrierebibel.de und karrierefragen.de
Jochen Mai ist Diplom-Volkswirt und betreibt mit der "Karrierebibel" das erfolgreichste deutsche Blog zum Thema Karriere.

Jochen Mai: „Nein, denn es kommt darauf an, wie man sein Glück definiert. Ich finde den Begriff der „Work-Life-Balance“ irreführend. Der Begriff definiert einen Gegensatz, der so nicht existiert. Motto: Wer arbeitet, der lebt nicht - und wer lebt, der arbeitet nicht. So ist es falsch.

Ich bevorzuge den Begriff der „Lebensbalance“. Denn Arbeit kann wunderbar sinnstiftend und erfüllend sein. Und das Leben? Ist manchmal auch dröge und langweilig, zum Beispiel dann, wenn man keine Arbeit hat. Wer lange arbeitet, muss deswegen noch lange kein unbalanciertes Leben führen.“

Wie gelingt die Work-Life-Balance?

„Ich glaube, dass eine Balance weniger vertikal für den Tag zu betrachten ist, sondern eher horizontal, nämlich für ein gesamtes Leben. Jeder Arbeitnehmer erlebt Phasen bei der Arbeit, die unausgeglichen sind - wenn zum Beispiel ein großes, intensives Projekt erfolgreich beendet werden muss, das die gesamte Zeit und Aufmerksamkeit beansprucht. An einem solchen Arbeitstag ist man abends völlig ausgepowert, fällt erschöpft ins Bett und erlebt Ähnliches am folgenden Tag erneut.

So eine Phase ist schwierig. Wer nun versucht, diesen Tag per „Work-Life-Balance“ auszugleichen, denkt falsch und wird auch nicht zur Ruhe finden. Wenn ich jedoch begreife, dass solche Phasen wieder enden, kann es gelingen. Dann muss ich für den Ausgleich sorgen - und finde so wieder zu meiner inneren Balance. Dies kann ein Kurztrip ans Meer sein, oder ich verbringe ein Bummelwochenende. Nur die Belohnung ist wichtig.“

Weshalb tun wir uns alle damit heute so schwer?

„Ich glaube, das liegt an unserer „Instant“-Gesellschaft. Wir pflegen alle so eine Art von „Ich. Jetzt. Alles. Sofort. Hier und Heute“-Attitüde. Diese wird uns überall vorgelebt und vorgegaukelt. Das ist beispielsweise im Social-Media-Bereich der Fall, wo uns häufig Menschen begegnen, die dem Anschein nach ein glückliches, tolles und ausgeglichene Leben führen. Und dazu an schönen Urlaubsorten weilen, wo wir noch nie waren, es jedoch gerne einmal gewesen wären.

Man hat den Eindruck, man müsste hier mithalten. Doch dem ist nicht so. Die Konfrontation mit dieser scheinbar heilen Welt setzt uns unter psychischen Druck. Davon müssen wir uns befreien.“

Sollte ein Arbeitnehmer Anrufe oder E-Mails im Urlaub entgegennehmen?

„Normalerweise nicht. Doch würde ich das Thema Kommunikation mit der Firma im Urlaub nicht zu sklavisch betrachten. Als absolute Ausnahme ist das Lesen von E-Mails einmalig denkbar. Ich denke, dass ein Arbeitnehmer seinen Urlaub auch genießen soll. Es ist auch mental viel klüger, sich dieser Ruhe auszusetzen. Ich stelle nach so einer Entspannungsphase fest, dass ich dann viel leistungsfähiger und produktiver bin, als zuvor. Ein Urlaub produziert das.“

Erleichtert die Flexibilität, die uns auch die neuen technischen Hilfsmittel erlauben, nicht den Alltag, da man zum Beispiel schneller auf Probleme reagieren kann?

„Ja, natürlich. Technik ist kein Fluch, sondern ein Hilfsmittel. Ich muss nur verstehen, wie ich sie einsetze. Sie befreit mich von festen Arbeitszeiten oder Arbeitsorten. Das ist ein wahnsinniger Segen, der enorme Freiheiten schafft. So kann ein Maximum an Produktivität gelingen.“

Was tun Sie für Ihre Lebensbalance?

„Ich lasse es mir gut gehen. Wichtig ist es, dass ich mir diese Zeit bewusst nehme. Im Sommer gehe ich gerne in den Garten und wühle im Dreck, setze Pflanzen und Sträucher ein. Ich habe gerne Natur um mich herum. Dies ist ein wunderbarer Ausgleich zu meiner intellektuellen Arbeit. Damit gelingt mir das Abschalten.“

Bildrechte: GettyImages, Jürgen Silius

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