„Bewusster Umgang auf allen Seiten ist Voraussetzung“

Nestlé stellt sich der Kaffeekapsel-Debatte

Nespresso Kapseln 

Kaffee in der Kapsel ist ein großer Erfolg. Doch je größer der Absatz, desto mehr wird über die ökologische Belastung durch entstehende Verpackungsabfälle debattiert. Dr. Jochen Hertlein, Leiter Corporate Packaging bei Nestlé, stellt sich der Debatte.

Herr Hertlein, können Sie sich noch an Ihren ersten Kaffee erinnern – der kam bestimmt aus der Filtertüte? Haben sich Ihre Präferenzen inzwischen verändert?

Jochen Hertlein: Ja, klar. Als ich begonnen habe, Kaffee zu trinken, gab es keine Alternative: Filterkaffee war die selbstverständliche Verzehrform. Heute entscheide ich mich für Kaffee aus dem Vollautomaten oder für Kaffeekapseln. Bei Dolce Gusto und Nespresso gefällt mir, dass ich jederzeit aus verschiedenen Varianten auswählen kann. Je nach Stimmung, Situation, Tageszeit. Ich trinke zum Beispiel gerne Lungo, also einen gestreckten Espresso, oder auch mal eine Tasse entkoffeinierten Kaffee. Aber ich nutze daneben weiterhin den Vollautomaten. Es ist einfach schön, die Wahl zu haben.



Rund sechs Millionen Deutsche trinken Kaffee aus der Kapsel und befeuern damit einen Trend: 2013 ist der Absatz von Kaffeekapseln erneut gestiegen, um satte 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dadurch werden rund 4000 Tonnen Aluminium- und Plastikmüll verursacht.

Hertlein: Dieses Problem sehen wir natürlich. Entscheidend ist aber, dass jede Form von Verpackung am Ende nicht als reiner Müll die Umwelt belastet, sondern wiederverwertet wird. Unsere Nespresso-Kapseln bestehen aus Aluminium – und verwendetes Aluminium kann endlos recycelt werden. Mehr als 75 Prozent der jemals hergestellten Menge an Aluminium befindet sich noch im Umlauf und wird immer wieder dem Recycling-Kreislauf zugeführt.

Aber Aluminium ist in der Herstellung sehr energieintensiv. Und Sie setzen für die Kapseln ja kein recyceltes Material ein.

Hertlein: Für die Lebensmittelverpackung wie zum Beispiel Senftuben, Deckel von Joghurtbechern und auch Kaffeekapseln wird in der Tat frisches Aluminium mit einem hohen Reinheitsgrad benötigt. Im Moment gibt es dazu keine Alternative: Immer dann, wenn es um Verpackungen von Nahrungsmitteln geht, muss man abwägen zwischen Produktschutz und -funktionalität im Sinne des Verbrauchers und ökologischen Aspekten. Aber das recycelte Aluminium kann natürlich für andere Alu-Produkte verwendet werden.

Was ist in dem Zusammenhang das Besondere am Aluminium?

Hertlein: Die Wiederverwertung von Aluminium kostet nur fünf Prozent der Energie der Neuproduktion – und der Rohstoff kann unendlich oft wiederverwertet werden.

Dr. Jochen Hertlein
Dr. Jochen Hertlein, Leiter Corporate Packaging bei Nestlé.

Sie haben mit Nescafé Dolce Gusto aber auch Kunststoff-Kapseln im Angebot. Muss man hier nicht von einer unnötigen Belastung für die Umwelt sprechen?

Hertlein: Auch Kunststoff kann mittlerweile recycled werden. Dazu gibt es mehrere Verfahren. Über Laser- oder Infrarot-Sortiertechniken kann man Kunststoffe aus Hausmüll fast sortenrein voneinander trennen. Wir arbeiten immer daran, das Gewicht der Kapseln und somit den Materialeinsatz zu verringern, um die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten.

Das erfordert allerdings, dass gebrauchte Kapseln vom Konsumenten richtig entsorgt und bei der Müllverarbeitung entsprechend behandelt werden. Das sind zwei erhebliche Hürden.

Hertlein: Ein bewusster Umgang auf allen Seiten ist Voraussetzung für eine umweltschonende Weiterverarbeitung. Aber Verbraucher sind zunehmend sensibel bei der Mülltrennung, und die Recycling-Systeme werden mit Blick auf die Wiederverwertung von Verpackungsabfall immer effektiver.
Im Gelben Sack entsorgt, landen die Kaffeekapseln im Recycling-Kreislauf des Grünen Punkts. Dort pickt ein Wirbelstromscheider Alufolie, Getränkedosen und andere Leichtverpackungen heraus – auch Kaffeekapseln. Die aussortierten Stücke werden zu Wertstoffballen gepresst und in neues Aluminium verarbeitet. Bei Nestlé erproben wir aber auch noch andere – viel früher in der Entsorgungskette ansetzende – Methoden: In der Schweiz haben wir ein Rückholsystem für Kaffeekapseln aufgebaut. Dort holt die Post leere Döschen ab.

Sind die unvermeidlichen Kaffeereste in den Kapseln nicht ein Problem beim Recycling?

Hertlein: Nein, im Gegenteil. Im Recycling-Prozess durchlaufen die Kapseln die Pyrolyse. Durch hohe Temperaturen werden hier Lebensmittelreste, Lacke und Etiketten verschwelt. Für diesen Vorgang leistet der Kaffeesatz in den Nespresso-Kapseln einen wichtigen Beitrag: Er liefert die Energie dafür und hat somit positiven Einfluss auf das Recycling aller Aluminiumprodukte.

Der Verpackungseinsatz für Kapseln ist dennoch hoch im Vergleich zur geringen Menge an Kaffee. Was lässt sich daran ändern?

Hertlein: Unser Ziel ist, dass Verpackungen die Umwelt so wenig wie möglich belasten und da bewegen wir uns am Optimum des derzeit Möglichen. Zumal Sie eines nicht übersehen sollten: Der Trend geht ganz klar zu kleineren Mengen und individuellen Portionsgrößen. Ein Grund dafür ist, dass die Zahl der Singles und der kleineren Haushalte steigt. Und: Wir können es uns nicht erlauben, weiterhin so viele Lebensmittel wegzuwerfen, wie das bislang geschieht. Das ist auch aus Umweltsicht ein riesiges Problem.
Deshalb ist es wichtig, den Aufwand für Verpackungen ökologisch vertretbar zu gestalten und gleichzeitig die Verschwendung von Nahrungsmitteln zu minimieren. Kaffeekapseln leisten dazu einen wertvollen Beitrag.

Bildnachweis: Nestlé Deutschland AG

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