Ökologisch optimierte Verpackungen

Wie Nestlé Verpackungsmengen reduziert und das Recycling erleichtert

Ein Recycling Arbeiter zeigt Glasflaschen 

Sie ist ein wahres Wunder der Vielseitigkeit. Sie schützt Lebensmittel beim Transport, portioniert sie in sinnvolle Einheiten und bewahrt ihren Geschmack: die Verpackung. Wie Nestlé versucht, den Verpackungsmüll zu minimieren und das Recycling zu vereinfachen, erklärt Corporate Packaging Manager Jochen Hertlein.

Allein 2011 fielen laut Umweltbundesamt in Deutschland 16,5 Millionen Tonnen Verpackungsmüll an. 7,3 Millionen Tonnen davon waren aus Papier, Pappe oder Karton. Sie fanden unter anderem Verwendung in der Nahrungsmittelindustrie, um Lebensmittel zu schützen. Ebenso wie Glas, Weißblech, Aluminium oder Kunststoffe.

Viele Unternehmen bemühen sich proaktiv, das Verpackungsmaterial zu reduzieren. „Über die vergangenen 20 Jahre konnte Nestlé große Fortschritte erzielen“, sagt Dr. Jochen Hertlein. Er ist als Corporate Packaging Manager verantwortlich für den Bereich Verpackungsökologie. In den vergangenen Jahren habe Nestlé ihr Verpackungsmaterial um mehrere hundert Tonnen in Deutschland reduziert, so Hertlein: „Das ist wenig im Vergleich zu anderen Märkten, was daran liegt, dass wir schon sehr viel früher als andere Länder damit begonnen haben, das Thema aufzugreifen. Deutschland ist da schon sehr weit.“

Gebrauchte Verpackungen gelten nicht zwangsläufig als Müll

Verantwortlich für die positive Entwicklung in Deutschland ist die Verpackungsverordnung, die 1991 in Kraft trat und mehrfach angepasst wurde – sie ist der Grund dafür, dass wir heute den Müll trennen und auf verschiedenen Wegen der Verwertung zuführen. Heute gelten gebrauchte Verpackungen jeder Art, sobald sie nicht mehr genutzt werden, nicht nur mehr als Müll, sondern sie sind ein Wertstoff. Einwegverpackungen aus den Haushalten gelangen in Deutschland über die Gelbe Tonne bzw. den Gelben Sack in das Duale System, wo sie erfasst, sortiert und verwertet werden.

 

„Aus meiner Sicht ist die Verpackungsverordnung eine der ganz großen Erfolgsgeschichten“, sagt Hertlein. „Die Folge waren enorme Einsparungen in den 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre.“ Heute sei der deutsche Markt sehr optimiert. Zwar fänden sich immer wieder Möglichkeiten, doch es werde schwieriger: „Wir messen die Erfolge natürlich, das macht Nestlé weltweit. Die Ergebnisse sind aber abhängig davon, wie optimiert ein Markt bereits ist“, sagt der Manager. Viel tue sich zum Beispiel derzeit in den USA. Dort gebe es aber aufgrund des späteren Starts jetzt ganz andere Potenziale, das Thema Recycling sei erst viel später aufgegriffen worden als hierzulande. „Der deutsche Markt wird international als Modell genommen“, weiß Hertlein. Wenn es um das Sammeln von Müll gehe und darum, ökologisch sinnvoll mit Verpackungen umzugehen, sei Deutschland weltweit führend.

„Bei der Optimierung von Verpackungen unterscheiden wir die Materialien Metalle, Glas, Kunststoffe sowie Papier und drei Verpackungsebenen“, sagt der Experte. Die Primärverpackungen umhüllen das Produkt und schützen es. Um diese gebündelt zum Handel zu bringen und ins Regal zu räumen, sind die Sekundärverpackungen nötig, die die Produktverpackungen schützen. Tertiärverpackungen wiederum sind Paletten, mit denen die Ware transportiert und in die Lager der Kunden gebracht wird. Diese sei zum größten Teil vorgegeben, erklärt Hertlein, deshalb kümmere sich Nestlé vor allem um die ersten beiden Arten, wo es die meisten Möglichkeiten zur Optimierung gebe.

Ökologisch sinnvolle Verpackungen erleichtern das Recycling

Jochen Hertlein von Nestlé steht auf einer Mülldeponie
Dr. Jochen Hertlein ist Corporate Packaging Manager bei Nestlé.

„Wir stellen immer die Frage, wie wir die Verpackung gestalten können, um den Materialeinsatz zu optimieren. Zudem versuchen wir, bei der Materialauswahl Aspekte, die für Sortierbarkeit und das Recycling wichtig sind, zu beachten.“, sagt der Manager. Dazu bildet Nestlé die Verpackungsingenieure in einem speziellen Training aus, welches das Unternehmen mit seinem Systempartner Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland anbietet und das einen Besuch einer Sortieranlage beinhaltet. Die neue Kunststoff-Flasche von Thomy war früher eine PET-Flasche mit einem PP-Verschluss, das Etikett wiederum bestand aus PE. Als Nestlé die Verpackung überarbeiten wollte, profitierte das Unternehmen von den Erfahrungen seiner Mitarbeiter aus den Trainings im Ökodesign. „Alles an dieser Flasche ist heute aus Polypropylen gemacht“, erklärt Hertlein. „Das erleichtert natürlich das automatische Sortieren und Recycling ganz enorm.“

Bei einem Relaunch oder bei einer Neuentwicklung sind Hertlein und sein Team von Anfang an dabei. „Dann haben wir den größten Hebel, die Verpackung positiv zu beeinflussen“, sagt er. Schon bei der ersten Bewertung der Vorschläge werde berücksichtigt, ob sie ökologisch sinnvoll seien. „In dieser Phase sind die Kosten noch gering für eine Änderung in der Verpackung. Das ist genau der Punkt, wo wir eingreifen wollen und nicht erst dann, wenn eine Verpackung bereits konstruiert ist und jede Änderung mit erheblichen Kosten und Zeitverzögerungen verbunden wäre.“

Wichtig sei stets zu bedenken, dass Verpackungen kein Selbstzweck seien: „Sie haben die Funktion, Produkte zu schützen. In dieser Hinsicht findet gerade ein Philosophiewechsel statt“, erklärt Hertlein. „Früher haben wir versucht, an der Menge der Verpackungen selbst zu sparen. Heute machen wir nicht weniger, sondern kleinere Verpackungen, weil die Haushalte kleiner werden und wir vermeiden wollen, dass Lebensmittel verderben. Es kann also durchaus ökologisch sinnvoll sein, mehr Verpackung einzusetzen als weniger.“

Bildrechte: Nestlé Deutschland AG, GettyImages

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