Besser verpackt für die Zukunft

Über Recycling und Bioplastik hin zu mehr Nachhaltigkeit

Lars Lundquist arbeitet in einer Recyclinganlage

Viele hundert Menschen sind bei Nestlé damit beschäftigt, Produkte und Verpackungen immer besser, nachhaltiger und umweltfreundlicher zu gestalten. Einer von ihnen ist Lars Lundquist, seit 13 Jahren Verpackungsexperte im Unternehmen. Der gebürtige Schwede verrät, welche Nachhaltigkeitsstrategie das Unternehmen bei Verpackungen verfolgt.

„Wenn wir unsere Verpackungen und ihre Bedeutung für unsere Umwelt verbessern wollen, müssen wir die Optimierungen auf vielen verschiedenen Ebenen betrachten“, sagt Lundquist. Der auf nachhaltige Verpackungen spezialisierte Forscher arbeitet an der ökologischen Optimierung von Verpackungen für Nestlé und hat die Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens maßgeblich mit gestaltet.

Nestlé orientiert sich an dem Leitsatz „From Farm to Fork“. „Das bedeutet, dass wir jeden einzelnen Schritt verbessern, den ein Produkt von Nestlé durchläuft, vom landwirtschaftlichen Erzeugnis bis hin zu dem Augenblick, wo das fertige Produkt vom Verbraucher konsumiert wird“, erklärt Lundquist. „Dieser Ansatz betrachtet dabei auch den gesamten Lebenszyklus der Produktverpackung, der dann auch das ‚End-of-life‘-Szenario der Verpackungen umfasst.“

Um diesen Ansatz verfolgen zu können, hat Nestlé in ein Software-Paket namens EcodEX investiert. Dieses ermöglicht es Produkt- und Verpackungsentwicklern, die Auswirkungen von Rohstoffen und Verpackungsmaterialien auf die Umwelt sowohl bei der Produkt- als auch der Verpackungsherstellung über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu verfolgen und zu bewerten. Berücksichtigt wird dabei auch die Zubereitung der Produkte.

Schonung der Umwelt ist wichtigstes Anliegen

Lars Lundquist arbeitet als Recycling- und Verpackungsexperte bei Nestlé
Lars Lundquist: Experte für nachhaltige Verpackungen.

„Unser Programm zur Verpackungsoptimierung nach Gewicht ist das älteste etablierte Programm für Verpackungen und Umwelt unseres Unternehmens“, erklärt Lundquist. „Über die Jahre haben wir viele Verbesserungsansätze ausprobiert und Erfahrungen gesammelt, die wir dann auf andere Verpackungslösungen bei Nestlé übertragen haben.“ Das hat dem Unternehmen dabei geholfen, seit 1991 eine erhebliche Menge an Material einzusparen. Und das Potenzial ist noch nicht vollständig ausgeschöpft: Allein bis 2017 wird Nestlé ihr Verpackungsmaterial um weitere 100.000 Tonnen gegenüber 2014 reduzieren.

Verpackungsoptimierung ist nur ein Baustein, wenn es um die ökologischen Aspekten geht. Andere sind beispielsweise der Einsatz von Recyclat oder Biopolymeren. Bei ersterem handelt es sich um Produkte eines Recyclingprozesses wie Aluminium. Biopolymere wiederum kommen in der Natur vor und lassen sich so verändern, dass man daraus verschiedene Materialien herstellen kann. Eines der bekanntesten und am weitesten verbreiteten ist Cellulose, die in Pflanzenzellen enthalten ist und zur Herstellung von Papier dient. Um die Sinnhaftigkeit der Ansätze bewerten zu können, müssen die Verpackungsentwickler die Umweltauswirkungen ihrer Projekte kennen und in den aufeinanderfolgenden Projektphasen ständig überprüfen. Dabei hilft ihnen EcodEX.

„Aus den so gewonnenen Daten generieren wir ein Umwelt-Profil für die Verpackungslösung und können verschiedene Ansätze miteinander vergleichen“, sagt Lundquist. „So können wir die Unterscheide erkennen und evaluieren, welchen Einfluss die Entwicklung auf die Umwelt hat. Denn das ist unser wichtigstes Anliegen.“ Seit 2007 seien auf diese Weise mehr als 5.000 Bewertungen erstellt und über 15.000 einzelne Szenarien miteinander verglichen worden.

„Wir erforschen natürlich auch, was mit der Verpackung passiert, wenn sie am Ende ihres Lebenszyklus angelangt ist", sagt der Forscher. „Das ist etwas, das in Zukunft immer wichtiger werden wird. Auch diese Erkenntnisse nutzen wir zur Optimierung.“

Zuverlässige Wirksamkeit erreichen

Ein weiteres wichtiges Forschungsgebiet stellen die Biokunststoffe für Nestlé dar: „Unter den Begriff ‚Biokunststoffe‘ fallen verschiedene Materialien“, erklärt der Experte. „Wir unterscheiden biologisch abbaubare und biobasierte Kunststoffe – oder solche, bei denen beides kombiniert ist.“ Biologisch abbaubare Materialien werden durch den Einfluss von Bakterien, Sauerstoff und Feuchtigkeit abgebaut. Dazu gehören synthetische Polymere wie Polymilchsäure (PLA). Bioabbaubare Kunststoffe haben zwar einen guten Ruf, erfüllen aber die notwendigen Anforderungen von Lebensmitteln beispielsweise gegen Feuchtigkeit in den meisten Fällen nicht. „Aus diesem Grund konzentrieren wir uns nun auf biobasierte Materialien“, erklärt Lundquist. „Unsere langfristige Strategie ist es, mit ihnen bessere oder zumindest gleiche Eigenschaften zu erzielen wie mit derzeit verwendeten Verpackungen.“

Gemeinsam forschen für bessere Ergebnisse

So ist das Unternehmen auch einem Bündnis von acht Konsumgüterherstellern und dem World Wildlife Fund (WWF) beigetreten. Ziel der Bioplastic Feedstock Alliance (BFA) ist es, gemeinsam Bewertungskriterien für die Auswahl pflanzlicher Rohstoffe wie Zuckerrohr, Getreide und Mais sowie Rohrkolben und Rutenhirse zu erarbeiten.



Lundquist wünscht sich für die Zukunft mehr Verständnis für die fundamental positive Rolle von Verpackungen. „Wir brauchen Verpackungen zum Schutz der Produkte. Hätten wir keine Verpackungen, würden weitaus mehr Lebensmittelabfälle entstehen. Das ist etwas, das in der Öffentlichkeit oftmals nicht gesehen wird“, sagt er. Denn Verpackungen erhöhen nicht nur die Lebensmittelsicherheit, sondern vermeiden Abfälle. Nicht nur deshalb forscht Nestlé immer wieder mit neuen Materialien und testet deren Beschaffenheit.

Bildrechte: Nestlé Deutschland AG

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