Drei junge Spanier in Schwerin

Die Youth Employment Initiative belebt den interkulturellen Arbeitsaustausch

Hector, Ramon und Joel reden mit ihrem Werksleiter.

Héctor, Ramon und Joel sind nach dem Studium aus Spanien nach Schwerin gekommen. Im Nescafé Dolce Gusto-Kaffeekapsel-Werk haben sie durch die Youth Employment Initiative eine Anstellung als Linienführer gefunden. Der Aufenthalt in Deutschland ist für sie nicht nur eine berufliche, sondern auch eine kulturelle Herausforderung.

Winter in Deutschland, das ist nicht jedermanns Sache. Wenn man wie Héctor, Joel und Ramon deutlich wärmere Temperaturen gewohnt ist, ist klar, was sie in der neuen Heimat Schwerin am gewöhnungsbedürftigsten finden: die Kälte. Denn sie stammen aus dem katalonischen Girona, 100 Kilometer nordöstlich von der Weltmetropole Barcelona, wo es in der kalten Jahreszeit meistens 10 Grad mehr sind als hierzulande.

„Das war schon ein kleiner Schock“, gesteht Héctor Fuentes Fiestas. „Die warmen Nächte wie in Barcelona, wo das Leben praktisch in den Straßen stattfindet, gibt es hier nicht.“ Zudem ist die Heimatstadt Girona eine Universitätsstadt, die Straßen voller Studenten. Entsprechend lebhaft geht es zu. Derlei Gewusel hat die Hauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns nicht zu bieten. Sie punktet jedoch mit teils malerischer Romantik, naturbelassener Seenlandschaft und vielen historischen Bauwerken wie dem Dom oder dem mecklenburgischen Staatstheater. Sicher eher unspektakulär im Vergleich mit Barcelona – doch empfinden die drei Nestlé-Angestellten sie wegen ihrer schönen Lage und der romantischen Altstadt mit Schlossinsel unisono als „absolut lebenswert“.

Auslandsaufenthalt verfeinert das Berufsprofil

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Die Alliance for Youth auf einen Blick. (jpg)

Ihr beruflich motivierter Aufenthalt im Nescafé Dolce Gusto-Kaffeekapsel-Werk bietet ihnen zudem große Chancen. Denn nach ihrem Maschinenbau- oder Elektrotechnik-Studium war es schwierig, einen Job in Spanien zu finden. Über die Youth Employment Initiative (YEI), mit der seit dem Start Ende 2013 über 8.000 junge Menschen Arbeit an europäischen Nestlé-Standorten gefunden haben, wurden sie auf die Stellen in Schwerin aufmerksam. Dabei gibt es sowohl Angebote für den Direkteinstieg als auch für Ausbildungsplätze, Praktika, Traineestellen und Schulungen für die berufliche Qualifizierung. Und Nestlé geht noch einen Schritt weiter: Im Juni 2014 hat Europa-Chef Laurent Freixe die „Alliance for YOUth“ vorgestellt. Diese Allianz zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit bildet Nestlé mit rund 150 Partner-Unternehmen in Europa. Hierdurch sollen weitere Beschäftigungsangebote entstehen.

„Ich habe das Angebot an der Uni gesehen und mich spontan dafür interessiert“, berichtet Joel Alcaraz. „Wenn man einmal bei einem so großen Unternehmen wie Nestlé gearbeitet hat, ist das gut für den Lebenslauf. Zumal man Dinge lernen kann, die man anderswo nicht lernt.“ Schwer ist ihm die Bewerbung nicht gefallen, denn im Gegensatz zu seinen beiden Mitstreitern aus der Heimat hatte er Deutschkurse an der Hochschule belegt. Dennoch sind alle drei zum ersten Mal in Deutschland. Héctor und Ramon versuchen die bestehende Sprachbarriere derzeit mit arbeitsbegleitendem Lernen zu beseitigen. „Das ist allerdings nicht ganz leicht“, gibt Ramon Malé Calvo zu. „Deutsch ist im Vergleich zu Englisch eine recht schwere Sprache. Zum Glück erhalten wir aber viel Unterstützung von unseren Kollegen.“

Seit April 2014 sind die drei Ingenieure nun in Schwerin, arbeiten im neu eröffneten Nestlé-Werk als Linienführer. Das bedeutet, dass sie bestimmte Verpackungsabläufe im Kaffeekapsel-Fertigungsprozess kontrollieren und organisieren. Die Abläufe genau zu verstehen, sieht Héctor als größte Herausforderung – was mechanische Dinge angeht, ist den Ingenieuren dank ihres Hochschulstudiums hingegen kaum etwas fremd. „Ich betrachte meinen Job als ständige Herausforderung. Ich bin jung und lerne täglich dazu, man muss aber auch die Bereitschaft besitzen, sich ständig verbessern zu wollen.“

Ein eigenes Bild machen: von Klischees wie vom Arbeitsalltag

Hector, Ramon und Joel sitzen im Cafe.
Héctor, Ramon und Joel genießen ein Getränk in einem Schweriner Café.

Deutschland ist für Héctor, Ramon und Joel mittlerweile so etwas wie ein Vorzeigeland in Sachen Arbeitsleben. Alle kannten vor ihrer Reise bereits die gängigen Klischees von Arbeitseifer und Genauigkeit. Nicht alles, aber manches sehen sie durchaus bestätigt: „In Spanien, sicher auch bedingt durch das warme Klima, wird in der Regel ein bis zwei Stunden Mittagspause gemacht“, erzählt Ramon. „Hier dagegen wird ziemlich schnell zu Mittag gegessen und dann geht es sofort wieder an die Arbeit.“ Und wie empfinden sie die Deutschen? „Ein bisschen distanziert zunächst, was es am Anfang etwas schwierig macht. Aber das legt sich schnell“, findet Joel. „Und dann ist es auch nicht anders als in Spanien. Wenn man sich sympathisch findet, spielen Herkunft und Nationalität nur eine untergeordnete Rolle. Außerdem geht man bei der Arbeit sehr respektvoll und professionell miteinander um.“

Er ist derjenige der Drei, der Deutschland im April jedoch wieder verlässt. Zurück nach Girona, ins dortige Nestlé-Werk. „Mich zieht es wieder nach Hause“, sagt er, doch das Jahr in Deutschland möchte er nicht missen. „Ich habe hier viel gelernt und meine Kenntnisse verfeinert. Diese Erfahrung kann ich nach Spanien mitnehmen und dort anwenden. Ich bin mir sicher, dass mir das Auslandsjahr viel gebracht hat, auch was meine Persönlichkeit betrifft.“

Héctor und Ramon hingegen wollen auf jeden Fall bleiben. „In Spanien ist es nämlich wesentlich schwieriger, einen adäquaten Job zu finden, und auch die Bezahlung ist dort um einiges schlechter“, sagt Ramon. Und die Zukunft ist nicht auf Schwerin begrenzt: „Wie es weiter geht, wird sich in den nächsten Wochen klären. Wir sind Ingenieure und möchten uns gerne innerhalb des Unternehmens noch weiterentwickeln.“ Dazu bietet Nestlé viele Gelegenheiten. Und die beiden Spanier müssten sich dann nur noch an das deutsche Wetter gewöhnen.

Bildrechte: Nestlé Deutschland AG

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