Portrait Heinrich Nestlé

   
Portrait Heinrich Nestlé

Der Mann, der Nestlé seinen Namen gab

Einem Frankfurter Erfinder mit unternehmerischem Tatendrang hat der führende Nahrungsmittelanbieter der Welt seinen Namen zu verdanken. Der 1814 in der Stadt am Main geborene Heinrich Nestle ging nach einer Apothekerlehre in die Schweiz und legte dort den Grundstein für eine bemerkenswerte Karriere.

1867 gelang ihm mit der Erfindung „seines Kindermehls“ der Durchbruch – und der Unternehmer wurde zu einem Pionier der Lebensmittelindustrie. Seine Säuglingsnahrung rettete vielen Babys, die nicht gestillt werden konnten und andere Ersatznahrung nicht vertrugen, das Leben.


Familienwappen

Ein Vogelnest aus Eichenzweigen, darin ein brütender Vogel. Welche Symbolkraft in dem Wappen seiner Vorfahren steckt, hätte der junge Heinrich wohl selbst nicht geahnt. Als Schweizer Unternehmer hat er es schließlich selbst zum Symbol seines Wirkens gemacht: ein kleines Nest, in dem eine Vogelmutter ihre Küken füttert. Heute kennen es Millionen Verbraucher als Zeichen für Qualität von Nestlé.

1814 in Frankfurt am Main geboren, war Heinrich Nestle das elfte von 14 Kindern des Glasermeisters Johann Ulrich Nestle und seiner Frau Anna Maria. Fünf seiner Geschwister waren schon vor Heinrichs Geburt gestorben. Nach seiner Apothekerlehre ging Heinrich für mehrere Jahre auf Wanderschaft und sammelte Berufserfahrung – so, wie es zu dieser Zeit für Gesellen üblich war.


Nestlés Lehrapotheke in Frankfurt

Sein Weg führte ihn bis in die französischsprachige Schweiz an den Genfer See: nach Vevey, wo er 1839 die Zulassungsprüfung zum Apothekergehilfen ablegte. Heinrich passte seinen Namen der Sprache an und setzte dem Nestle dabei den heute berühmten Akzent auf: Heinrich Nestle nannte sich fortan Henri Nestlé.

Eine eigene Apotheke zu eröffnen, blieb ihm verwehrt. Stattdessen vermittelte ihm sein Arbeitgeber eine Gewerbeliegenschaft mit diversen Maschinen. Wie es die Situation erforderte, eignete sich Nestlé kaufmännische und produktive Fähigkeiten an und sicherte sich seit 1843 seinen Lebensunterhalt auch durch die Produktion von Alkoholika und Ölen.

Die wahre Leidenschaft Heinrich Nestlés galt jedoch der Herstellung von Mineralwasser und Limonaden, die er kurze Zeit später in seine Produktion aufnahm.


„In der modernen Wissenschaft gibt es keinen Glauben, was wir nicht wissen, ist ein weißes Blatt, welches wir suchen müssen zu beschreiben.“ Heinrich Nestlé - 1875

Affiche

Gebeutelt durch zwei Krisenjahre, musste er 1847 die Getränkeproduktion einstellen. Nach dem Wegfall dieser Haupteinnahmequelle entwickelte er transportierbares Flüssiggas für die Beleuchtung der Stadt Vevey, mit dem er ab 1852 zu neuen Einnahmen kam. Während eines Aufenthaltes in seiner Geburtsstadt heiratete Heinrich Nestlé 1860 die Frankfurterin Clementine Therese Ehemant. Nach ihrer Ankunft in Vevey benannte auch sie sich um und schrieb sich fortan Ehmant. Die Ehe blieb ohne eigene Kinder, doch nahm das Ehepaar Nestlé ein Waisenkind auf: Emma Seiler, genannt Emma Nestlé.

Kindermehl

 

Als sich Vevey 1863 an ein zentrales Gaswerk anschließen ließ und so auch Flüssiggas als Einnahmequelle entfiel, waren der Kaufmannsgeist und der Ideenreichtum Nestlés erneut gefragt: Im Herbst 1867 machte Heinrich Nestlé die bedeutendste Erfindung seines Lebens: das Kindermehl. Heinrich Nestlé stellte seine komplette Produktion auf die Herstellung des Kindermehls um. Der Schritt vom Tüftler und Händler zum Pionierunternehmer war getan. Schon bald zeigte sich sein Talent zu marketingstrategischem Denken: Innerhalb von sieben Jahren verkaufte er 1,6 Millionen Dosen Kindermehl aus Vevey in 18 Länder auf allen Kontinenten.

„Meine Erfindung ist keine neue Entdeckung, sondern eine richtige und rationelle Anwendung von Substanzen, welche schon längst als die besten für die Ernährung von Kindern bekannt sind. Milch, Brot, Zucker bester Qualität sind die Hauptbestandteile.“ Heinrich Nestlé - 1868

Eisenbahntransport von Nestlé-Produkten

1874 schließlich wurde Nestlé offizieller Bürger der Stadt Vevey. Bis dato steuerte er die Geschicke seines Unternehmens aus eigener Hand. Der Expansionskurs, auf dem sich die Firma befand, erforderte jedoch immer komplexere Organisationsstrukturen. 1875 verkaufte Heinrich Nestlé sein Unternehmen an seinen Mehllieferanten Pierre Sanual Roussy. Das Unternehmen setzte auf Kontinuität, und die Firmenbezeichnung „Farine Lacteé Henri Nestlé“ blieb bestehen. Mit dem Verkauf trat Heinrich zusätzlich seinen Namen und seine Unterschrift ab. Ab sofort nannte er sich Henri Nestlé-Ehmant.

„Da ich meinen Namen verkauft habe, so musste mir meine Frau zu einem neuen verhelfen (...).“ Heinrich Nestlé - 1875

Grabstein

Mit 60 Jahren zog sich Nestlé ins Privatleben zurück. Gemeinsam mit seiner Frau bezog er das heute als „Villa Nestle“ bekannte Haus in Glion oberhalb von Montreux.

Heinrich Nestlé-Ehmant starb am 7. Juli 1890 im Alter von 76 Jahren. Er fand seine letzte Ruhe auf dem Friedhof von Territet (Montreux). Er ist und bleibt mit seinem Erfindergeist und seiner Verpflichtung für Qualität, Genuss und Gesundheit ein Vorbild für alle Nestlé-Mitarbeiter.