Palmöl aus nachhaltigem Anbau

Ein südamerikanischer Arbeitet steht vor einer Palmölplantage. 

Einkauf von verantwortungsvoll hergestelltem Palmöl

Nestlé hat sich in Deutschland zum Ziel gesetzt, bis 2015 nur nachhaltig angebautes Palmöl für ihre Produkte zu verwenden. Gemeinsam mit Nicht-Regierungsorganisationen analysiert das Unternehmen deshalb seine Lieferketten bis zurück auf die Plantage, um sicherzustellen, dass kein Regenwald hierfür vernichtet wird. Nur Lieferanten, die Transparenz bieten und die strengen Anforderungen erfüllen, können Nestlé weiterhin beliefern.

Palmöl ist wegen seiner guten Verarbeitungseigenschaften ein wichtiger Rohstoff für die Lebensmittelindustrie. Nestlé hat es in den vergangenen Jahren zwar in bestimmten Produktbereichen durch andere Pflanzenfette wie zum Beispiel Sonnenblumenöl ausgetauscht, Palmöl ist aber nicht in allen Anwendungsbereichen ersetzbar. Gerade unter ökologischen Aspekten ist dies auch nicht unbedingt sinnvoll: Die Ölpalmen werden bis zu 30 Jahre alt und die Früchte können ganzjährig geerntet werden, sie weisen einen hohen Flächenertrag im Vergleich zu anderen Pflanzenfetten auf – für die vergleichbare Menge an Sonnenblumenöl benötigte man die vierfache Fläche. Die weltweit verwendeten Mengen lassen sich also nicht ohne weiteres durch andere Rohstoffe ersetzen.

Nestlé ist es aber ein wichtiges Anliegen, dass der Anbau von Ölpalmen nicht auf Kosten schützenswerter Naturräume erfolgt. Daher achtet das Lebensmittelunternehmen darauf, dass für seine Produkte kein Regenwald und keine Torfmoore zerstört werden und dass Sozialstandards im Anbau ebenso wie indigene Rechte gewahrt werden. Nestlé hat umfassende Maßnahmen ergriffen, um direkte sowie indirekte Zulieferungen von Palmöl aus nicht nachhaltigem Anbau zuverlässig und konsequent ausschließen zu können. Somit stellt Nestlé sicher, dass sie kein Palmöl von Firmen bezieht, die eine risikoreiche Bewirtschaftung betreiben oder für Regenwaldabholzung verantwortlich sind.

Wie Nestlé Verantwortung übernimmt

Ein südamerikanischer Arbeiter erntet Palmölkerne.  

Nestlé unterstützt den Round Table on Sustainable Palm Oil (RSPO), der vom World Wide Fund For Nature (WWF) ins Leben gerufen wurde, und bezieht nur Palmöl, das zumindest den Anforderungen des RSPO entspricht. Diese Kriterien umfassen unter anderem:

  • Keine Rodung von Primärwäldern und ökologisch wertvollen Waldflächen für Plantagen,
  • Schutz gefährdeter Tier- und Pflanzenartenarten auf der Plantage,
  • Schutz von Wasser, Boden und Luft (das bedeutet unter anderem: kein Abbrennen von Wald),
  • Einhaltung gesetzlicher Regelungen, darunter Landnutzungs- und Eigentumsrechte,
  • Keine Kinderarbeit, dafür Bildungsangebote für die auf der Plantage lebenden Kinder,
  • Einbindung und Förderung von Kleinbauern sowie
  • Kontrolle der Plantagen durch unabhängige, autorisierte Prüfer.

Die Kriterien des RSPO finden zwar in der Branche zunehmend breite Anwendung, werden aber teilweise auch als nicht ausreichend kritisiert. Daher hat Nestlé im Jahr 2010 eigene Responsible Sourcing Guidelines (RSG) eingeführt, die sich zwar auf die Kriterien des RSPO stützen, aber in ihren Anforderungen deutlich weitreichender sind. Gemeinsam mit der Nicht-Regierungsorganisation The Forest Trust (TFT) überprüft Nestlé ihre Lieferanten und die Anbaumethoden deren Zulieferer. Danach kommen, ergänzend zu den RSPO Kriterien, nur Plantagen und Farmen infrage, die sich an lokale Gesetze und Regulierungen halten, Regenwaldschutzgebiete bewahren, die frühzeitige und einvernehmliche Beteiligung der einheimischen Bevölkerung und Gemeinschaften in den Prozess der Erschließung neuer Plantagen sicherstellen sowie insbesondere Torfmoore und Waldgebiete mit hohem CO2-Speicherwert schützen. Um die Einhaltung dieser Anforderungen überprüfen zu können, erwartet Nestlé von den Lieferanten Transparenz – vom Werkstor über die Ölmühle bis zurück auf die Plantagen.

Ein Bauer schaufelt Palmölkerne auf einen Haufen. 

Seit die Richtlinien im Mai 2010 in Kraft getreten sind, hat Nestlé zahlreiche Audits mit Lieferanten entlang der gesamten Lieferkette durchgeführt und entsprechende Maßnahmen umgesetzt, um die Einhaltung der Vorgaben sicherzustellen. Dabei wurden auch Lieferanten, die nicht bereit waren, die geforderte Transparenz herzustellen oder die erweiterten Kriterien zu erfüllen, durch andere Lieferanten ersetzt, die bereit waren, die Vorgaben zu erfüllen. Teilweise wurden separate Lieferketten aufgebaut, die den Anforderungen von Nestlé entsprechen.

Dabei hat sich Nestlé die Unterstützung der Non-Profit Organisation The Forest Trust gesichert, die bei der Ausarbeitung der Responsible Sourcing Guidelines mitgearbeitet haben und auf Basis der Richtlinien die Audits mit den Lieferanten durchführen.

Ziele und Fortschritte im Palmöleinkauf

  • Bis 2015 – 50 Prozent des Palmöls stammen aus transparenten Lieferketten, entsprechen den Anforderungen der Nestlé RSG und sind von Dritten verifiziert
  • Bis 2020 – 100 Prozent des Palmöls erfüllen die oben genannten Anforderungen
  • Bereits heute entsprechen 94 Prozent des verarbeiteten Palmöls den strengen Nestlé Einkaufsrichtlinien: 41 Prozent stammen aus bis in den Anbau transparenten Lieferketten und können auf die Einhaltung der Standards überprüft werden. Weitere 53 Prozent des Palmöls sind RSPO-segregated zertifiziert.

Reaktionen von Umweltorganisationen

Frauen bearbeiten Palmölkerne.  

Dass das Engagement von Nestlé zu positiven Veränderungen in den Anbauregionen führt, bestätigen auch Umweltorganisationen wie der WWF und Greenpeace. Der WWF hat im November 2013 eine Scorecard zum Thema Nachhaltigkeit bei Palmöl veröffentlicht, in der Nestlé mit elf von zwölf möglichen Punkten zur Gruppe der am besten bewerteten Unternehmen gehört. Die Forderung nach Verzicht auf Pestizide oder das Verbot von Plantagen auf Torfböden oder Waldflächen mit hohem Kohlenstoffgehalt hebt die NGO besonders positiv hervor.

Greenpeace, die im Jahr 2010 eine aufmerksamkeitsstarke Kampagne geführt hatten, um einen der damaligen Zulieferer von Nestlé unter Druck zu setzen, attestiert in der Folge Nestlé sogar „eine Führungsrolle“ http://www.facing-finance.org/de/2013/09/the-case-of-nestle-a-role-model-for-global-players-2/ bei der Durchsetzung höherer Standards, indem sich das Unternehmen freiwillig strengen Regeln unterwirft, die die Abholzung des Regenwaldes verhindern sollen.

Nestlé in Deutschland hat für wichtige Produktbereiche bereits große Fortschritte bei der Umstellung auf Palmöl erreicht, das den strengen Richtlinien des Unternehmens entspricht. Nach Plan soll bereits Ende 2014 praktisch der gesamte Palmölbedarf für die deutsche Produktion den strengen Nestlé Anforderungen entsprechen. Eine Herausforderung sind dabei weniger die direkten Palmöllieferungen, bei denen die Nestlé Richtlinien unmittelbar greifen, sondern einzelne Zwischenprodukte, die am Markt noch nicht mit einer entsprechenden Zertifizierung für den teilweise nur geringen Palmölanteil verfügbar sind.

Die Erfahrungen zeigen: Nur durch Kooperation mit Partnern entlang der gesamten vorgelagerten Lieferkette bis auf die Farm lassen sich nachhaltige Anbaumethoden durchsetzen – dies erfordert Zeit, kann aber Impulse für die gesamte Branche setzen.

Bildnachweis: Getty Images

Ein Bauer lädt die geernteten Früchte auf einen Viehwagen

Nestlé besucht Plantagen

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