Recycling: Von der Verpackung bis zum Wertstoff

Sie ist ein wahres Wunder der Vielseitigkeit. Sie schützt Lebensmittel beim Transport, portioniert sie in sinnvolle Einheiten und bewahrt ihren Geschmack: die Verpackung. Sie ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken und der Bedarf nach Verpackungen steigt kontinuierlich.

Laut dem Umweltbundesamt erhöhte sich die Menge an Verpackungen aufgrund von veränderten Konsum- und Verzehrgewohnheiten von 15,6 Millionen Tonnen im Jahr 1991 auf 17,8 Millionen Tonnen im Jahr 2014. Dies liegt besonders an dem steigenden Anteil an Senioren und Ein- beziehungsweise Zwei-Personen-Haushalten: Dadurch werden kleinere Füllgrößen und mehr vorportionierte Einheiten gekauft. Es ist abzusehen, dass das Konsumverhalten und somit die Nachfrage nach kleineren Verpackungseinheiten auch in Zukunft nicht abnehmen wird. Aber häufig steht der ansteigende Verbrauch von Verpackungen in der Kritik, da – so die Wahrnehmung – „riesige Müllberge entstehen“, Verpackungen zur Verunreinigung der Meere mit Mikroplastik beitragen und zu einem erheblichen Teil aus fossilen Rohstoffen hergestellt werden.

Wichtigste Maßnahme: Verzicht auf unnötige Verpackung

Wo es möglich ist, ist es daher sinnvoll, auf unnötige Verpackungen zu verzichten. Denn wenn keine Verpackung produziert wird, entstehen weniger ökologische Kosten in der Produktion und Entsorgung. Die Diskussion über Plastiktüten im Obst- und Gemüsebereich der Supermärkte beispielsweise oder eigene mitgebrachte Behälter an der Frischetheke ist ein kleiner Aspekt des Themas. Auch der Gesetzgeber ist aktiv: Die lange Diskussion über ein neues Wertstoffgesetz in Deutschland – das letztendlich nicht zustande gekommen ist – und die Beratungen über eine Europäische Regulierung für eine bessere Kreislaufwirtschaft (Circular Economy) befassen sich mit Möglichkeiten, Verpackungen zu reduzieren oder zumindest wertstofflich zu nutzen. „Auch für Verpackungen gilt: Vermeiden geht vor recyceln“, so der Bundesgeschäftsführer der VERBRAUCHER INITIATIVE e.V., Georg Abel.

Verpackungen können ökologisch vorteilhaft sein

Jedoch sind Verpackungen nicht immer vermeidbar: Verpackungen schützen das Produkt vor äußeren Einflüssen, machen es damit haltbar und tragen so auch dazu bei, Lebensmittelverluste durch Verderb zu vermeiden – sie können daher auch unter dem Strich ökologisch vorteilhaft sein. Darüber hinaus erfüllen Verpackungen weitere Funktionen, etwa bessere Dosierung, Portionierung und Handhabung sowie eine einfachere Aufbewahrung.

Einen Beitrag zur Verringerung des Zielkonfliktes zwischen ökologischen und funktionalen Anforderungen kann Recycling leisten. Deutschland ist in dieser Hinsicht weltweit führend – bereits 1990 wurde mit dem Dualen System Deutschland eine Grundlage geschaffen, um Verpackungsmaterialien einer ökologisch und wirtschaftlich sinnvollen Verwertung zuzuführen. Denn durch das Recyceln von Verpackungen kann ein neuer Rohstoff entstehen. Aus recycelten Verpackungen, wie beispielsweise aus Aluminium, können in weiteren Verarbeitungsschritten neue Produkte, wie Fensterrahmen oder Automobilkomponenten für Autos, hergestellt werden.

Recycling spart schädliches Klimagas

Die Nachfrage nach recyceltem Material als Rohstoff ist derzeit noch wesentlich höher als das verfügbare recycelte Material. Eine bessere Recyclingquote für Verpackungen kann somit den ökologischen Fußabdruck eines Produktes erheblich beeinflussen. Für den Grünen Punkt als Systemanbieter für Verpackungsverwertung im Rahmen des Dualen Systems sind die Vorteile von Recycling unter Umweltaspekten klar: „Gegenüber der Verbrennung in einer durchschnittlichen Müllverbrennungsanlage (MVA) spart Recycling 1,26 Tonnen CO2 je Tonne ein. Zudem erreichen MVA bei der Verbrennung von Kunststoffen nur einen recht niedrigen Wirkungsgrad, was eine unnötige Belastung für das Klima darstellt. Bewertet man die Umweltbilanz der beiden Verfahren, dann geht das Recycling als klarer Sieger aus dem Vergleich hervor.“

Damit Recycling funktioniert, stehen alle Beteiligten von der herstellenden Industrie über den Verbraucher bis hin zum Dualen System gleichermaßen in der Pflicht.

Das Verpackungsdesign in der Lebensmittelindustrie

Das Verpackungsgesetz gibt unter anderem der Lebensmittelindustrie einen Rahmen vor, was als Verpackung gewertet wird. Die Sortierung und Verwertung von Verpackungen hängt wesentlich vom verwendeten Material und dem Stand der Technik in Sortieranlagen ab. Wurde in der Gründungsphase noch per Hand sortiert, erfolgt die Trennung der Verpackungen aus dem Gelben Sack oder der Gelben Tonne heute überwiegend vollautomatisch – und mit hohen Erkennungs- und Verwertungsquoten.

Beispielsweise kann Aluminium nahezu verlustfrei wiederverwertet werden. Hierzu wird ein sogenannter Wirbelstromscheider eingesetzt, der aluminiumhaltige Wertstoffkomponenten durch ihre elektrische Leitfähigkeit sortieren kann. Aluminium hat eine vergleichbare Leitfähigkeit wie Kupfer, sodass das Aussortieren mit einem sehr hohen Wirkungsgrad erfolgt. In einer pyrolytischen Weiterverarbeitung werden organische Bestandteile wie Kunststoffbeschichtungen, Lacke, Restinhalte und andere gasförmig abgespalten. Danach folgt das Umschmelzen, bei dem oxidiertes Aluminium verschlackt wird.

Automatische Erfassung

Für Kunststoffe messen Sortierautomaten das von der Verpackung reflektierende Licht einer handelsüblichen Lichtquelle mit hohem Infrarotanteil. Jede Kunststoffart (PE, PP, PET, PVC etc.) reflektiert ein spezifisches Spektrum, weshalb selbst kleine Kunststoffartikel wie Kaffeekapseln unter günstigen Bedingungen erkannt und über einen Druckluftstoß dem entsprechenden Stoffstrom zugeordnet werden können. Die PP-Artikel werden zu Ballen gepresst und an Recycler vertrieben.

Ein Engpass: Für bestimmte Kunststoffarten, wie z.B. Materialen auf Poly-Milchsäurebasis (PLA) sind die Mengen noch so gering, dass keine separate Erfassung erfolgt und eine sortenreine Verwertung nicht stattfindet. Auch biologisch abbaubare Kunststoffe, die von einigen Unternehmen als vermeintlich umweltschonende Verpackungsmaterialien eingesetzt werden, sind in den Anlagen ein Fremdkörper und stören das Recycling, wenn sie im falschen Stoffstrom landen. Ein weiterer Haken ist, dass diese Kunststoffe auch in heutigen Kompostieranlagen in der Regel nicht zersetzt werden und die Qualität des Kompostes beeinträchtigen können. Daher sind biologisch abbaubare Kunststoffe über den Restmüll zu entsorgen – ein Recycling ist nicht möglich.