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Warum gibt es Kinderarbeit und wie begegnet Nestlé dem Problem?

  • Wir verurteilen Kinderarbeit und gehen entschlossen dagegen vor
  • Wir gehen das Problem der Kinderarbeit ganzheitlich an, z.B. durch den Bau und die Renovierung von Schulen oder die Versorgung mit Schulmaterialien
  • Im Jahr 2012 haben wir unser Child Labor Monitoring and Remediation System (CLMRS) implementiert und bisher 19,3 Mio. CHF in Maßnahmen investiert
     

Es wurden Fälle von Kinderhandel und Sklaverei in Elfenbeinküste berichtet. Wie stehen Sie zu diesem Problem?
Wir tolerieren illegale Handlungen, wie Kinderhandel oder Sklaverei, nicht. Falls wir selber oder unsere Partner Hinweise für solche gesetzeswidrigen Handlungen finden sollten, werden wir Polizei und zuständige Behörden unmittelbar davon in Kenntnis setzen. Bei Fällen, die wir im Rahmen unseres eigenen Monitoringsystems feststellen, leiten wir auch selber Sofortmaßnahmen ein, um nicht akzeptable Zustände zu beenden.

Was versteht man genau unter „Kinderarbeit“?
Die Internationale Arbeitsorganisation ILO definiert ausbeuterische Kinderarbeit als Tätigkeiten, welche die Kinder ihrer Kindheit, ihrem Leistungsvermögen und ihrer Würde berauben, und die der physischen und psychischen Entwicklung schaden.
Es handelt sich dabei um Tätigkeiten, die, aufgrund ihres zu jungen Alters oder weil die Tätigkeiten gefährlich und für Kinder ungeeignet sind, unter keinen Umständen von Kindern ausgeführt werden sollten.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Kinder keine leichten, unbedenklichen Tätigkeiten in Familienbetrieben ausführen können, unter der Voraussetzung, dass folgende Kriterien erfüllt werden: Diese Tätigkeiten dürfen der physischen und psychischen Entwicklung nicht schaden, müssen eingeschränkt sein in Bezug auf die täglichen Arbeitszeiten und dürfen die Kinder ihrem Zugang zu Bildung nicht berauben.

Warum gibt es Kinderarbeit?
Kinderarbeit in der Landwirtschaft und auch auf Kakaoplantagen resultiert gewöhnlich aus einer Kombination von einem fehlenden Zugang zu Bildung, Armut und fehlendem Bewusstsein der Gemeinschaften über die Gefahren für Kinder.
Eine realistische Strategie für die Abschaffung der Kinderarbeit im Kakaoanbau erfordert nicht nur die Verbesserung der Lebensstandards in den Kakao anbauenden Gemeinschaften, sondern auch die Zusammenarbeit mit Menschen entlang der gesamten Lieferkette, um Einstellungen und Bewusstsein zu ändern, sowie mit nationalen und örtlichen Behörden, um den Zugang zu Bildung zu verbessern.

Welche Maßnahmen haben Sie unternommen, um Kinderarbeit in Elfenbeinküste zu bekämpfen?
Im Jahr 2012 haben wir mit einem Pilotsystem zur Überwachung und Korrektur („monitoring and remediation system“) in zwei Kakao-Kooperativen begonnen, um ein Bewusstsein über Kinderarbeit zu schaffen und gefährdete Kinder oder nicht akzeptable Arbeitsweisen zu identifizieren. Inzwischen haben wir das System in 87 Kooperativen und 1.750 lokalen Gemeinschaften eingerichtet (Stand 2019).

Der Zugang zu Bildung ist ein wichtiger Punkt, um eine Ursache von Kinderarbeit zu bekämpfen. Bis Ende 2019 konnten wir hier durch den Bau oder die Sanierung von insgesamt 49 Schulen einen wichtigen Beitrag zum Bildungsangebot vor Ort leisten. Durch die Hilfe bei der Beschaffung von Geburtsurkunden können wir Unterstützung leisten und Kindern den Einschreibungsprozess in die Sekundarschule erleichtern. Neben Nachhilfe und Alphabetisierungsprogrammen für Frauen, stellt die Unterstützung der Haushalte bei der Diversifizierung der Einkommensquellen einen weiteren Baustein dar, um sich dem Problem der Kinderarbeit ganzheitlich zu widmen.

Nach unserem Wissen sind wir die ersten Käufer von Kakao, die ein derartiges System eingerichtet haben. Wir lernen selber davon und erfahren auch mehr über die Lebens- und Arbeitsbedingungen in den landwirtschaftlichen Gemeinschaften. Außerdem ermöglicht es uns, einzelnen Personen direkt zu helfen und systematisch Fortschritte unseres Kakaoprogramms zu erreichen.

Wie funktionieren die Überwachungs- und Korrekturmaßnahmen?
Wir haben in den Kakao Kooperativen Verbindungsleute für die Überwachungs- und Korrekturmaßnahmen eingesetzt, ebenso Kontaktpersonen in allen Gemeinschaften, die Kakao an die Kooperativen verkaufen. Die Kontaktpersonen in den Gemeinschaften und die Beauftragten für Kinderarbeit sind darin geschult worden, ein Bewusstsein über Kinderarbeit zu schaffen, gefährdete Kinder zu identifizieren und ihre Untersuchungsergebnisse an uns und unsere Zulieferer zu melden, damit Korrekturmaßnahmen ergriffen werden können. Das System hilft uns dabei, die Ursachen von Kinderarbeit vor Ort zu verstehen und mit den nötigen Maßnahmen zu bekämpfen.

Was bedeuten „Korrekturmaßnahmen“ („Remediation“)?
Wenn wir herausfinden, dass ein Kind oder eine Gruppe von Kindern in Gefahr ist, ergreifen wir geeignete Maßnahmen, um Missstände zu beseitigen. Dies können simple Maßnahmen sein, wie etwa einer Familie zu helfen, eine Geburtsurkunde ihrer Kinder zu erhalten, damit die Kinder die Schule besuchen können, oder die Versorgung mit Schulmaterial und -kleidung. In einzelnen Fällen war es auch notwendig, Jugendliche aus nicht akzeptablen Arbeitssituationen zu holen und ihnen Alternativen zu geben.

Durch unser Engagement vor Ort in Elfenbeinküste wissen wir, dass Frauen mehr Wert auf die Schulbildung ihrer Kinder legen, als Männer. Daher haben wir ein Projekt gestartet, das Müttern dabei helfen soll, ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften. Etwa durch den Anbau und Verkauf von Maniok. Auf diese Weise können Frauen genug Geld verdienen, um zwei Kinder pro Haushalt in die Schule zu schicken.

Wir prüfen auch die Einrichtung von Ausbildungsprojekten, beruflichen Trainings, sowie Lese- und Schreibkursen für Jugendliche oberhalb des Schulalters. In einigen der von uns unterstützten Schulen finden solche Lese- und Schreibkurse für Jugendliche und Erwachsene bereits statt.

Damit gefährliche Arbeiten, wie beispielsweise das Fällen von Bäumen oder Versprühen von Pestiziden, nicht etwa von Kindern ausgeführt werden, sorgen wir außerdem für die Gründung und Ausbildung von Expertengruppen in den Kooperativen, die diese Arbeiten ausführen sollen.

In anderen Fällen sind ressourcenintensivere Maßnahmen nötig. Das kann den Neubau von Schulen beinhalten, oder auch die Einstellung weiterer Lehrer durch die staatliche Schulverwaltung. Deshalb sind uns das direkte Engagement und die Zusammenarbeit mit örtlichen Behörden und Organisationen der Zivilgesellschaft wichtig. Das soll uns dabei helfen, die Wurzeln von Kinderarbeit auf Gemeinschaftsebene zu bekämpfen.

Warum richtet Nestlé dieses Überwachungs- und Korrekturprogramm ein?
Das Programm ist Teil eines Aktionsplans den wir als Antwort auf die Empfehlungen der Fair Labor Association (FLA) entwickelt haben. Die FLA ist eine Initiative, die sich gemeinsam mit Großunternehmen für bessere Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette einsetzt. In 2012 haben wir unsere Partner von der FLA erstmals gebeten, unsere Kakao-Lieferkette in Elfenbeinküste zu untersuchen , um uns dabei zu helfen, unsere generellen Arbeitsbedingungen zu bewerten, einschließlich des Kinderarbeitsproblems. Im August 2014 veröffentlichte die FLA den ersten Report über die Kakao-Lieferkette von Nestlé und erläuterte, wo aus ihrer Sicht noch Handlungsbedarf besteht. Am 10.12.2019 wurde ein aktualisierter Report durch die durch die International Cocoa Initiative (ICI) veröffentlicht.

Die Fair Labour Association untersuchte für uns zudem die Wirksamkeit der Überwachungs- und Korrekturmaßnahmen und die Rolle von Frauen im Kakaoanbau.

Was tun Sie, um die Lebensgrundlage der Kakao-Gemeinschaften in Elfenbeinküste zu verbessern?
Unsere Arbeit mit der FLA stützt sich auf den Nestlé Cocoa Plan, den wir 2009 öffentlich bekannt gegeben haben. Es handelt sich dabei um einen ganzheitlichen Ansatz, der danach strebt, die Ursachen von Kinderarbeit zu bekämpfen. Dazu helfen wir den Bauern, ihr Einkommen zu erhöhen, ihre landwirtschaftlichen Techniken zu verbessern und ihr Verständnis gegenüber dem Thema Kinderarbeit zu verbessern.

Auf internationaler Ebene wurden im Rahmen des Cocoa Plans 49 Schulen in Zusammenarbeit mit der World Cocoa Foundation und Winrock erbaut oder in Stand gesetzt. Insgesamt haben wir im Jahr 2019 weltweit 183.361 Tonnen Kakao aus dem Cocoa Plan bezogen. Bis 2025 möchten wir weltweit den gesamten Kakao für die Nestlé Confectionary Produkte aus dem Cocoa Plan beziehen. In Deutschland haben wir bereits 2014 das ambitionierte Ziel erreicht, den gesamten Kakao für unsere Schokoladen- und Speiseeisproduktion aus dem Cocoa Plan zu beziehen. Das ist ein Jahr früher geschehen, als wir geplant hatten, und schließt die Produktion im Schokoladenwerk in Hamburg (After Eight, Choco Crossies, KitKat und Smarties) mit ein. Weitere Informationen über den Nestlé Cocoa Plan.

Wie schnell kann Kinderarbeit aus der Kakao-Lieferkette beseitigt werden?
Leider kann der Wandel nicht über Nacht stattfinden. Die richtigen Leute in den örtlichen Gemeinschaften zu finden und als Verbindungsleute auszubilden braucht seine Zeit und wir wollen sicherstellen, dass wir diese wichtige Aufgabe sachgemäß ausführen.

Wir haben uns zu verantwortungsvollem und transparentem Handeln verpflichtet. An den Stellen, wo wir Einfluss haben, vertiefen wir unsere Bemühungen. Wir werden weiterhin mit den Behörden und unseren anderen Partnern daran arbeiten, die Standards quer durch die Branche zu verbessern. Wir haben nun die richtigen Strukturen geschaffen und werden diesen Weg fortsetzen.

Weitere Informationen über unsere Maßnahmen gegen Kinderarbeit.

Hier finden Sie eine Infografik zum Nestlé Cocoa Plan.

Weitere Informationen zum Thema Kakao.