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Was macht Nestlé gegen Kinderarbeit?

Egal ob Bergbau, Industrie oder Landwirtschaft – Kinderarbeit ist schlichtweg inakzeptabel. Das ist selbstverständlich. Und dann wieder nicht. Es ist kein Geheimnis, dass sie weltweit für viele Kinder ein sehr reales Problem ist. Lösungen? Sind leider weder schnell noch einfach. Aber wir geben alles dafür, die Ursachen von Kinderarbeit schon frühzeitig zu bekämpfen.

Sagt mal, wie sorgt ihr dafür, dass auf Kakaoplantagen keine Kinder mehr arbeiten?

Kinderarbeit ist eine Folge der Armut. Für viele Menschen in Westafrika ist der Kakaoanbau die wichtigste Einkommensquelle. Daher arbeiten Kinder meist auf den Plantagen, um ihre Familien zu unterstützen. Das geht von Kindern, die ihre Eltern gelegentlich unterstützen, bis hin zu Kindern, die vor lauter Arbeit keine Zeit für Schule haben. Und Letzteres führt oft zu einem Teufelskreis aus fehlender Bildung und Armut.
Aber wie möchten wir das ändern? Dazu konzentrieren wir uns vor allem auf drei Schwerpunkte.

Bessere Lebensumstände

Am wichtigsten ist die allgemeine Verbesserung der Lebensumstände. Nur so sind Familien nicht auf die Arbeit ihrer Kinder angewiesen. Dafür müssen vor allem die Lohn- und Preisstrukturen fairer gestaltet werden. Darüber hinaus müssen wir Anreize schaffen, damit die Menschen vor Ort in eine bessere Zukunft investieren.
Zum Beispiel mit unserem Income Accelerator. Durch ein zusätzliches Entgelt, wollen wir das Leben unserer Farmer:innen verbessern. Sie erhalten dieses nicht nur für die Menge und Qualität ihrer geernteten Kakaobohnen, sondern auch für Praktiken, die gut für die Umwelt und die Gemeinschaft sind. Dazu gehören:

  1. Einschulung aller Kinder im Haushalt im Alter von 6 bis 16 Jahren
  2. Gute landwirtschaftliche Praktiken
  3. Agroforstwirtschaft für bessere Klimaresistenz
  4. Alternative Einkommensquellen für Frauen durch bspw. Anbau von Maniok oder eine Bienenzucht

Der Income Accelerator ist die Erweiterung eines wichtigen Plans, den wir bereits seit 2012 verfolgen: der Nestlé Cocoa Plan. Doch was ist das genau?

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Der Nestlé Cocoa Plan

Ein gutes Beispiel dafür, wie wir unsere Pläne in Taten umsetzen, ist der Nestlé Cocoa Plan. Eine übergreifende Initiative für mehr Nachhaltigkeit im Kakaoanbau. Mit ihm gehen wir unter anderem gegen Kinderarbeit an der Elfenbeinküste vor – der Region, aus der wir weltweit 72 Prozent unseres Kakaos beziehen.

Die Kakaoplantagen werden oft von Kleinbauern bewirtschaftet. Mit ihnen arbeiten wir zusammen und bieten zum Beispiel Schulungen für bessere landwirtschaftliche Praktiken an. Uns fehlt allerdings der direkte Zugriff, weil wir keine einzige Kakaoplantage selbst betreiben. Also mussten wir uns einen anderen Weg überlegen.

Der Nestlé Cocoa Plan beruht auf drei Säulen:

  1. Verbesserung der Lebensbedingungen
  2. Verbesserung des Anbaus
  3. Verbesserung der Kakaoqualität

Wir unterstützen die Menschen vor Ort dabei, mit ihren Anbaumethoden höhere Erträge und eine bessere Qualität der Kakaobohne zu erzielen. So verbessern wir die Lebensbedingungen unserer Farmer:innen und ihrer Familien und sorgen schließlich für transparentere Lieferketten sowie einen verantwortungsvoll bezogenen Kakao.

In Deutschland beziehen wir unseren Kakao zu 100 Prozent aus dem Nestlé Cocoa Plan, bis 2025 machen wir das dann weltweit.

Carmen Borsche
Carmen Borsche Geschäftsführerin Nestlé Confectionary

Im Rahmen des Nestlé Cocoa Plans haben wir auch ein Kontrollsystem gegen Kinderarbeit ins Leben gerufen. Das Child Labor Monitoring System, oder kurz: CLMRS.

Regelmäßige Kontrolle und Unterstützung

Das Child Labor Monitoring and Remediation System ermöglicht uns, gefährdete Kinder durch regelmäßige Besuche vor Ort zu erkennen, bei unseren lokalen Partner:innen darauf hinzuweisen und Hilfen bereitzustellen. Zum Beispiel arbeiten Einheimische als sogenannte „Community Liaison Persons (CLPs). So ähnlich wie Streetworker. Sie gehen von Dorf zu Dorf, von Plantage zu Plantage, von Familie zu Familie und schauen: Wer braucht Unterstützung und wie kann die aussehen? Für jede Familie finden wir eine individuelle Lösung. Nachdem wir mit dem CLMRS im Jahr 2012 starteten, nutzen das System inzwischen auch andere Schokoladenhersteller wie zum Beispiel Tony’s Chocolonely.

Mehr Bildung

Damit Kinder in die Schule anstatt auf die Plantage gehen, müssen ihre Eltern genug verdienen. Eine andere wichtige Voraussetzung ist, dass Schulen überhaupt vorhanden sind. Deswegen bauen wir beispielsweise gemeinsam mit der Jacobs Foundation sogenannte „Brückenschulen“. Hier werden Kinder unterrichtet, die die Regelschule nicht besuchen konnten. Außerdem verteilen wir Schulmaterialien wie Hefte, Bücher und Stifte und bringen wo nötig auch Eltern Lesen und Schreiben bei.

Übrigens: Wusstest du, dass die Zukunft eines Kindes oft an einem einzigen Dokument hängt? Nämlich der Geburtsurkunde. Die ist leider keine Selbstverständlichkeit, vor allem in der Elfenbeinküste. Deshalb helfen wir auch bei der Beschaffung dieses Dokuments. Ganz im Sinne der Regierung.

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Wie geht es denn jetzt weiter?

Wie bei allem im Leben: Schritt für Schritt. Wir arbeiten weiter daran, die Ursachen für Kinderarbeit einzudämmen, weiten unser Kontrollsystem aus und kooperieren mit verschiedenen Organisationen. Wie am Anfang erwähnt: Es gibt keine einfache Lösung. Aber immer wieder neue.


 
Für Hinterkopf und Hintergrund

„Kinderarbeit ist jegliche Arbeit von Minderjährigen, die negative Folgen für ihre geistige, soziale und gesundheitliche Entwicklung hat und die die Grundrechte der Kinder auf Bildung, Gesundheit, Schutz und Beteiligung verletzt.“

Die Weltbank sagt dazu: Menschen sind extrem arm, wenn sie umgerechnet weniger als 1,90 US-Dollar Kaufkraft pro Tag haben. Die 1,90-Dollar-Grenze ist also das Minimum, was jemand zum Überleben braucht.

 

  • 2020 gelten nach Schätzung der Internationalen Arbeitsorganisation weltweit 152 Millionen Mädchen und Jungen als Kinderarbeiter:innen – das heißt, sie müssen unter Bedingungen arbeiten, die auf Kosten von Gesundheit oder Bildung gehen.
  • Fast die Hälfte von ihnen – 73 Millionen – leidet unter gefährlichen oder ausbeuterischen Arbeitsbedingungen. Zum Beispiel in Goldminen in Burkina Faso, auf den Baumwollfeldern in Indien, auf Kakaoplantagen in der Elfenbeinküste oder auf Farmen in Lateinamerika.
  • Seit 2000 ist weltweit die Zahl von arbeitenden Kindern stark gesunken – von 246 Millionen auf 152 Millionen. Aber: Der Rückgang ist in den letzten Jahren langsamer geworden und unterscheidet sich regional stark.
  • 9 Prozent der Weltbevölkerung, rund 700 Millionen Menschen, stehen heute weniger als 2 Dollar pro Tag zur Verfügung. 1980 waren es noch über 40 Prozent, 1800 sogar 85 Prozent.
  • 86 Prozent der Weltbevölkerung über 15 können heute lesen und schreiben – um 1800 waren es nur 12 Prozent.
  • Bis 2030 sollen nach dem Ziel der Vereinten der Nationen sowohl Armut als auch Kinderarbeit weltweit Geschichte sein.