Wichtige Erkenntnisse über den Vanilleanbau

Rückblick auf eine spannende und lehrreiche Woche

Sabine riecht an Vanilleschoten

Mit Abenteuerlust hatte unsere Reise weniger zu tun – mit Erkenntnissen umso mehr. Wir haben viel gelernt über die Lebensbedingungen der Bauern, über den Vanilleanbau und über die Herausforderungen für die Menschen vor Ort. Und haben einen guten Eindruck erhalten, wie die Projekte unserer Lieferanten laufen, was funktioniert und weiter ausgebaut werden könnte. Auf dieser Basis können wir nun mit unseren Partnern die Weiterentwicklung der Programme angehen.

Ein Vanillebauer zeigt uns seine Vanillepflanzen.
Ein Vanillebauer zeigt uns seine Vanillepflanzen.

Von unterwegs haben wir über die unterschiedlichen Arbeitsweisen in einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft und auf der professionell organisierten Plantage berichtet. Zum einen beeindruckten uns die klaren Prozesse und konsequenten Qualitätskontrollen beim kontrollierten Vertragsanbau in Vohemar – die Qualität ist erstklassig, und den Arbeitern geht es wesentlich besser als einem Großteil der Bevölkerung. Andererseits brauchen gerade die Kleinbauern sichere Einkommen und Unterstützung. Wir haben gesehen, dass die Community-Programme, die technische Unterstützung und die Prämien bei den Bauern ankommen und Wirkung zeigen. Beide Lieferanten sind engagiert, bieten ihren eigenen Mitarbeitern weit überdurchschnittliche Leistungen und unterstützen die lokalen Gemeinschaften in ihrer Lieferkette.

Bildung ist in den Vanilledörfern entscheidend

Herzlicher Empfang hier beim gemeinschaftlichen Mittagessen in einer Dorfschule.
Herzlicher Empfang hier beim gemeinschaftlichen Mittagessen in einer Dorfschule.

Dabei haben wir eine ganze Reihe von guten Projekten gesehen, die weiter ausgebaut und verbreitet werden sollten – auch mit unserer Unterstützung. Bildung ist entscheidend – sowohl für die Kinder in den Vanilledörfern als auch für die Bauern selber. Dabei geht es nicht nur um die Zahl und Erreichbarkeit der Schulen, sondern auch um die Bezahlung und Ausbildung der Lehrer. Auch Weiterbildung für die Eltern – Lesen, Schreiben, Ernährung – wäre ein wichtiges Thema. Anliegen, für die die Regierung von Madagaskar zuständig ist. Aber diese macht, so lernen wir auf unserer Reise, bei weitem nicht genug und wird sogar eher als Belastung wahrgenommen.

Ein weiterer Schwachpunkt ist die öffentliche Infrastruktur – Straßen, Strom- und Telefonnetz erreichen die abgelegenen Dörfer bisher überhaupt nicht. Die schlechte Erreichbarkeit verursacht zahlreiche Probleme – sowohl beim mühsamen Abtransport der Vanille oder dem Einkauf von einfachen Gütern des täglichen Bedarfs als auch im Krankheitsfall. Bis zur nächsten Krankenstation dauert es oft einen ganzen Tag, und die Ausstattung ist miserabel. Gerade für werdende Mütter ist die Situation extrem schwierig (wie wir bei einer Station sehr direkt mitbekamen).

Lage der Vanillebauern ist und bleibt schwierig

Als sehr angenehm empfinden wir die Kultur – die Menschen sind offen, herzlich und gastfreundlich. Die Dörfer, die wir besuchen, sind sauber und gepflegt, die meisten verfügen über eine passable Wasserversorgung oder auch Latrinen. Wir werden überall herzlich empfangen und stoßen auf viel Neugier und Gastfreundschaft – und auch Dankbarkeit für die Unterstützung, die sie bekommen.

Könnten die Dorfschulen zukünftig auch stärker zur Vermittlung von Ernährungswissen genutzt werden?
Könnten die Dorfschulen zukünftig auch stärker zur Vermittlung von Ernährungswissen genutzt werden?

Die Lage der Vanillebauern ist und bleibt dennoch schwierig. Wir haben gelernt, dass der Diebstahl von Vanille eines der zentralen Probleme ist – die Bauern verlieren ihr Einkommen, Vanille wird zu früh geerntet und hat dadurch eine schlechtere Qualität, die Preise geraten unter Druck. Es gibt gute Ansätze, wie etwa ein Vorschuss vor der Ernte – aber das Diebstahl-Problem löst dies nicht. Häufig sind die Einnahmen aus dem Vanilleanbau zu niedrig, um die Familie gut ernähren zu können. Weitere Einkommensquellen sind notwendig – und auch die Professionalisierung und Diversifizierung des Anbaus. Wir hören, dass die Bauern in der Regel nicht langfristig planen – sie bilden wenig oder keine Rücklagen und investieren wenig in ihre Farmen, auch dann nicht, wenn sie durch hohe Vanillepreise gut verdienen. Eine bessere Ausbildung könnte helfen – auch, was die Anbaumethoden für weitere Produkte wie Kaffee, Kakao und natürlich Reis betrifft. Insgesamt fehlen Bildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten gerade für junge Menschen.

Ernährung gibt Anlass zur Sorge

Neben der Freundlichkeit der Menschen hat uns die traumhafte Landschaft tief beeindruckt. Umso trauriger war es, gelegentlich Spuren von Brandrodung oder Holzeinschlag zu sehen. Bessere Anbaumethoden auf den bestehenden Flächen müssten helfen, die Natur zu erhalten; auch bessere Kochherde und alternative Brennmaterialien müssten her.

Madagaskar Küstenstreifen mit Blick aufs Meer
Küstenstreifen mit Blick aufs Meer.

Nach wie vor Anlass zur Sorge gibt die Ernährung: Auch wenn es den Menschen in den von uns besuchten Dörfern offensichtlich recht gut geht, sehen wir Hinweise auf Mangelernährung – was nicht wundert, da die Ernährung einseitig auf Reis basiert und so wichtige Nährstoffe fehlen. Auch dies ist eine Bildungsfrage – wir erfahren in den Gesprächen, dass Wissen über eine bessere Ernährung weitgehend fehlt. Die Dorfschulen könnten eine gute Plattform sein, um Ernährungswissen zu verbreitern und Anbau und Zubereitung weiterer Nahrungspflanzen zu vermitteln – das haben wir, neben vielen weiteren Themen, auf unsere To-do-Liste genommen.

Für uns war es ausgesprochen spannend, unsere Lieferkette für Vanille zu bereisen und zu lernen, wie diese angebaut wird – und wie die Menschen davon leben. Die Technik hat es uns nicht immer leicht gemacht, von unterwegs über unsere Reise zu berichten – uns hat es aber viel Spaß gemacht, unsere Leser auf diese Reise mitzunehmen. Wenn der eine oder andere dadurch Interesse an einer eigenen Tour nach Madagaskar bekommen hat – wir geben gerne Tipps. Und wir hoffen, dass Euch Vanilleeis nun noch besser schmeckt.

Sabine & Achim

Bildrechte: Nestlé Deutschland AG

Arbeiter riechen an Vanilleschoten

Vanille aus Fairtrade-Anbau

Bevor wir zurück in die Heimat fliegen, besuchen wir noch die Kooperative Fitama. Dort bauen etwa 700 Bauern Fairtrade-zertifizierte Vanille an. Und wir treffen zahlreiche Schulkinder – die von unseren Fotos ganz begeistert sind.

Arbeiter riechen an Vanilleschoten

Von Vanilleanbau bis Kaninchenzucht

Vanilleanbau ist nicht die einzige Einnahmequelle der Menschen Madagaskars. Am dritten Tag unserer Reise haben wir uns Community-Programme angesehen, die unser Lieferant gemeinsam mit den Dorfgemeinschaften ins Leben gerufen hat. Ihr Ziel: für zusätzliches Einkommen zu sorgen.

Arbeiter riechen an Vanilleschoten

Die perfekte Vanille

Es geht weiter nach Norden: Wir wollen uns die Plantage anschauen, von der die Vanille für unsere Produkte kommt – Vanille aus kontrolliertem und zertifiziertem Vertragsanbau. Doch der Weg zur Floribis-Plantage ist beschwerlich.

Arbeiter riechen an Vanilleschoten

Eine emotionale Erfahrung

Wir sind im Herzen des Vanille-Landes angekommen, in einem kleinen Dorf bei Sambava. Dort treffen wir Mitarbeiter einer Partnerorganisation, Vanillebauern und viele Kinder, die sich sehr über unseren Besuch freuen. Sie machen den Besuch zu unserer emotionalsten Erfahrung in Madagaskar.