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Unterricht im Schnelldurchlauf

Wie wir Kindern in den Ursprungsländern des Kakaos bei der Rückkehr in die Schule helfen
Mädchen in der Schule
Tief im Kakaogürtel der Elfenbeinküste liegt das kleine Dorf T. Die rund 300 Lehmziegelhäuser stehen meist leer, denn die Männer und Frauen des Dorfes arbeiten auf ihren Feldern.

Einige der Kinder besuchen die örtliche Schule. Ihr Weg dorthin führt über die stark durchlöcherten und unbefestigten Straßen des Dorfes. Die wenigen durchfahrenden Autos müssen ihre Geschwindigkeit auf Schritttempo reduzieren.

Doch nicht jedes Kind geht zur Schule. Obwohl die Grundschulbildung in der Elfenbeinküste verpflichtend ist, sind die Abbruchquoten hoch. Viele Kinder werden gar nicht erst angemeldet. Gebühren, Uniformen und Grundausstattung übersteigen oft die finanziellen Möglichkeiten der Eltern, insbesondere in kinderreichen Familien.

Familie Adissa

Genau das ist der 10-jährigen Adissa Bancé passiert. "Ich habe neun Kinder", erklärt ihre Mutter Aliman. "Drei Jungen und sechs Mädchen. Adissa war das achte. Wir konnten es uns nicht leisten, sie zur Schule zu schicken."

Die Definition von ,,Kinderarbeit‘‘ verändert sich

Doch Aliman konnte Adissa nicht den ganzen Tag allein im Dorf lassen. Deshalb nahm sie, wie die meisten anderen Mütter im Dorf, ihre Tochter mit aufs Feld. Damit hat sie schon begonnen, als Adissa ein Baby war. Damals war sie auf dem Rücken festgebunden.

Dann kam Adissa in ein Alter, in dem sie hätte zur Schule gehen müssen. Doch dieses Alter zog an ihr vorbei, ohne Schulbesuch. Mit zehn Jahren war Adissa dann zu alt, um in der Schule angemeldet zu werden.

Adissas Vater ist ein Kakaobauer, der Nestlé beliefert. Ihre Mutter Aliman baut Arachis (Erdnusspflanzen) an. Sie gab Adissa kleine Aufgaben auf dem Feld, um sie zu beschäftigen. Die Nüsse werden entweder verkauft oder zu einer Paste zermahlen, um Gerichte wie Kedjenou - einen würzigen, langsam gegarten Eintopf - zuzubereiten.

Dass es sich um Kinderarbeit handelte, wenn sie Adissa bat, ihr mit einer ,,daba‘‘ (einer kleinen Holzhacke) beim Unkrautjäten auf dem Feld zu helfen, war Aliman nicht bewusst. Tatsächlich war es Kindern erlaubt, dieses Werkzeug zu benutzen, bis eine Gesetzesänderung in der Elfenbeinküste im Jahr 2017 die Verwendung scharfer Werkzeuge durch Kinder verbot.

Es war Samou Sidi, der Adissa beim Unkrautjäten auf dem Feld seiner Mutter entdeckte. Er ist einer von 1.246 Community Liaison Officers, die im Namen von Nestlé über 40.000 Kinder in der Elfenbeinküste im Rahmen unseres Child Labor Monitoring and Remediation System (CLMRS) überwachen. Wenn sie Fälle von Kinderarbeit feststellen, wird sofort eingegriffen. Kindern wird dann geholfen, eine Schule zu besuchen, eine Ausbildung zu absolvieren oder Unterstützung durch die Familie zu bekommen.

Hervorragend Leistungen in der Schule

Samou erzählte Adissas Eltern, dass der Nestlé Cocoa Plan und die Jacobs Foundation gerade eine Brückenschule in dem Dorf eröffnet hätten. Er bot ihr an, ihr Anmeldeformular auszufüllen.

In einer Brückenschule wird den Kindern der nationale Lehrplan, der auf 2 Jahre ausgelegt ist, in nur neun Monaten beigebracht. Dies hilft den Kindern für die vorher kein Schulbesuch möglich war, den Schritt ins Bildungssystem zu machen. Die Klassen sind klein und der Bildungsstandard der Kinder, die diese Schulen verlassen, ist hoch. So integrieren sich die Absolventen trotz jahrelanger verpasster Bildung gut in das allgemeine Schulsystem.

Nachdem Adissa in der Brückenschule hervorragende Leistungen erbracht hat, wechselte sie im folgenden Jahr in eine Regelschule. Das Gesicht ihres Lehrers leuchtet auf, wenn er über ihre Fortschritte spricht.

"Sie ist eine brillante Schülerin", sagt er. "Die Ergebnisse sind klar zu sehen. Insgesamt hatte sie im vergangenen Jahr die zweitbesten Noten in der Klasse. Sie liebt verbale Übungen und Mathe am meisten." Als er über Adissas Fortschritte nachdenkt, lächelt Aliman. "Ich bin so glücklich, dass sie jetzt zur Schule geht", seufzt sie. "Das bin ich wirklich."

Erfahren Sie in unserem Bericht ,,Tackling Child Labor‘‘ von 2019 wie wir systematisch gegen Kinderarbeit vorgehen.