Kaffeekapseln – unnötiger Müllberg oder Wertstoff?

Getränkekapseln dienen der Portionierung, der Konservierung, dem Schutz bei Transport und Lagerung sowie als Informationsträger für Handel und Konsumenten. Dieser Verwendungszweck bedingt, dass sie nur vorübergehend im Einsatz sind – und nach Erfüllung dieses Zwecks der Abfallentsorgung und -verwertung zugeführt werden. Somit erfüllen Kapseln einen ähnlichen Zweck wie andere Verpackungen.

Die ökologischen Kosten von Verpackungen und Kapseln ergeben sich nicht nur durch den Materialeinsatz und Herstellungsprozess, sondern auch durch die Entsorgung oder Verwertung am Ende ihres Lebenszyklus. Ziel von verantwortungsbewussten Unternehmen sollte es also sein, den wiederverwertbaren Anteil ihrer Kapseln zu maximieren und deren Volumen und Gewicht zu minimieren, ohne dabei die Produktqualität zu beeinträchtigen.

Was als Verpackung zählt ist in der Verpackungsverordnung genau definiert und unter ökologischen Gesichtspunkten nicht immer sinnvoll. Zum Beispiel Kaffeekapseln, die noch Reste von Kaffeesatz enthalten, werden seit 2015 nach dem Gesetz nicht mehr als Verpackungen gewertet und deshalb nicht durch die verpflichtende Entsorgung über das Duale System Deutschland (DSD) erfasst – daher gehören sie formal in den Restmüll, und das Material geht dem Stoffkreislauf verloren. Anders restentleerte Kapseln: Diese zählen nach der Verordnung als Verpackung und sind entsprechend zwingend über den Gelben Sack zu entsorgen.

Kaffeekapseln gehören in den Gelben Sack

Eine Folge: Viele Verbraucher wissen nicht, wie sie die Kapseln entsorgen sollen – und im Zweifel landen alle Kapseln im Restmüll. Unternehmen haben aber mit Erlaubnis der zuständigen Behörden die Möglichkeit, ihre Kapseln freiwillig bei einem der Systemanbieter des Dualen Systems zu lizensieren: Verbraucher können – und sollten – diese Kapseln dann über den Gelben Sack entsorgen, so dass diese stofflich verwertet werden können. Eines der Unternehmen, das diesen Weg gegangen ist, ist Nestlé mit den Kapselsystemen Nespresso, Nescafé Dolce Gusto und Special.T. Die meisten Anbieter von Kapselsystemen sind diesen Schritt noch nicht gegangen – dabei sind die meisten Kapseln grundsätzlich gut recyclingfähig, wie eine aktuelle Studie von Cyclos im Auftrag von Nestlé gefunden hat. Das Institut cyclos – HTP GmbH untersuchte verschiedene Getränkekapseln von Nestlé und anderen Anbietern auf ihre Recyclingfähigkeit durch das Duale System in Deutschland. Hierbei wurden Getränkekapseln aus Standardkunstoffen wie Polypropylen (PP) oder Aluminium sowie weiteren Materialien begutachtet. Es sollte herausgefunden werden, inwieweit die Kapseln von den verschiedenen Anbietern über die vorhandenen Systeme für Recycling in die jeweiligen Materialkreisläufe rückgewonnen werden können.

Das Institut schreibt hierzu: „Kaffeeportionseinheiten erfreuen sich beim Konsumenten zunehmender Beliebtheit. Dies gilt insbesondere für Kaffeekapseln, deren Konsum deutschlandweit auf mehr als zwei Milliarden Stück jährlich geschätzt wird. Kritik gibt es vornehmlich für den hohen Ressourcenverbrauch des Kapselmaterials und die derzeit unbefriedigende Entsorgungssituation. Ein signifikanter ökologischer Zugewinn wäre es, wenn die Kapseln über die vorhandenen Werterfassungssysteme für die jeweiligen Materialkreisläufe rückgewonnen würden. Dies setzt natürlich voraus, dass die Kapseln so hergestellt werden, dass sie auch recycelbar sind“.

Aluminium wird beinahe vollständig zurückgewonnen

Laut der Studie können Alukapseln gut recycelt werden, da der Anteil des Aluminiums nahezu verlustfrei wiederverwertet werden kann. Das Ergebnis für die meisten Kapseln aus dem Kunststoff Polypropylen (PP) zur Recyclingfähigkeit war ebenfalls positiv. Zusammengefasst zeigt die Studie, dass einige Kapselausführungen aus Aluminium sowie PP gut bis sehr gut recyclingfähig sind. Primäre Aufgabe der Hersteller sollte es sein, angebotene Kapseln mit entsprechenden Basiswerkstoffen und Farben herzustellen. Sie werden in den entsprechenden Sortiersystemen des Grünen Punktes gut erkannt und können recycelt werden. „Müllberge“ aus Kaffeekapseln existieren also in der Realität in Deutschland nicht – vielmehr sind Kaffeekapseln grundsätzlich gut recyclingfähig und sollten daher auch einheitlich als Verpackung gewertet und im Dualen System erfasst werden, freiwillig oder per Gesetz.