Sorry, you need to enable JavaScript to visit this website.

Wasser statt Cola

Ein Reisebericht aus San Bernardino, Kalifornien
Wasser statt Cola
Reading Time:
4
Minute(S)

Von Alexander Antonoff, Corporate Communications

Alexander Antonoff, Corporate Communications
In den USA wird Wassertrinken immer beliebter – aus der Leitung und der Flasche. Doch letzteres ruft auch Kritiker auf den Plan. Dass Ökologie und Gesundheitstrend kein Widerspruch sein muss, zeigt sich ausgerechnet bei der Cabazon Factory im trockenen Südkalifornien.

Wasser. Im Glas, in der Karaffe, aus der Flasche. Egal, Hauptsache es sind viele Eiswürfel dabei. Wer in den USA in einem Restaurant Platz nimmt, dem wird es ganz selbstverständlich und ungefragt hingestellt. Kostenlos – bei Gefallen mit dem Trinkgeld als Service zu honorieren. Doch auch im Lebensmittelhandel boomt die Nachfrage nach Wasser. Vor drei Jahren hat Wasser in Flaschen Softdrinks wie Cola als beliebtestes Getränk der Amerikaner abgelöst. Ganz zur Freude vieler Ärzte. Schließlich gilt ein Drittel aller US-Bürger als übergewichtig – mit entsprechenden Konsequenzen für die Gesundheit. Über 50 Milliarden Liter Wasser in Flaschen werden Jahr für Jahr in den USA mittlerweile getrunken.

Beliebt an der Westküste in Kalifornien ist beispielsweise die Marke „Arrowhead“, eine von rund einem Dutzend Nestlé-Marken in den USA. Die dazu gehörende Quelle liegt schwer zugänglich in den Bergen des San Bernardino Valley oberhalb von Los Angeles. Besucher, die Nestlé-Naturschutz-Ranger Larry Lawrence hierherführt, muss er erst einmal bitten, einen speziellen Schlangenschutz um Füße und Beine zu legen und weist zudem auf die möglichen Begegnungen mit Bären hin. Der zur Cabazon Factory im Tal gehörende Ranger, kann ein Lied davon singen, dass verantwortungsvolles Wasser-Management weit mehr bedeutet, als günstig Wasser abzapfen und als Flaschen mit entsprechendem Aufpreis zu verkaufen.

Respecting Nature

Denn, genau so lautete einer der Vorwürfe vor ein paar Jahren, als die Quelle erstmals in die Schlagzeilen regionaler Medien geriet – mit Ausstrahlkraft bis nach Europa. Heute kommen NGOs und Medienvertreter zu Larry, um sich vor Ort über vorbildliches Wasser-Management zu informieren. Was für ein Wandel. 2018 wurde die Fabrik sogar von der Alliance for Water Stewardship (AWS) für besonders nachhaltiges Handeln mit einem GOLD-Zertifikat ausgezeichnet, inklusive begleitendem Lob von niemand geringerem als dem renommierten World-Wildlife-Fund (WWF).

Bis 2025 will Nestlé nun Stück für Stück alle seine über 90 Wasserwerke konsequent nach dem AWS-Standard zertifizieren. Alle fünf Wasserwerke in Kalifornien von Nestlé sind bereits dabei. Für die Cabazon Factory kommt die Auszeichnung gerade zur rechten Zeit. Muss die Fabrik doch aufgrund früherer Rechtsunsicherheiten erneut belegen, dass das ökologische Gleichgewicht nicht gestört und das Wasservorkommen gesichert bleibt.

Alexander Antonoff

„Ich bin schon als Kind mit meinen Brüdern durch diese Berge gestreift“, berichtet Larry bei der Besichtigung der Quelle einem Journalisten aus Deutschland. „Ich weiß, wie es hier früher aussah. Ich kenne die Pflanzen, die Tiere und die Bäche. Ich würde nie etwas tun, was ihnen schadet.“ Auf rund 70 Studien kann der Ranger inzwischen verweisen, die seinen Eindruck wissenschaftlich untermauern. Abgepumpt wird aus der Quelle übrigens kein einziger Tropfen, erklärt Larry. Lediglich Wasser, das aus dem Berg abfließt, wird von einer knapp neun Kilometer langen Rohrleitung aufgefangen und ins Tal transportiert. Kein Laster, keine Straße verschandelt so die Natur. Wer zu Kontrollzwecken nach oben will, kommt um einen Flug mit dem Helikopter nicht herum. Und was die Quelle nicht freiwillig abgibt, wird ihr auch nicht entnommen.

Unten im Tal trifft die Reisegruppe aus Europa in der Konferenzzone eines Hotels regionale NGO-Vertreter, mit denen Larry Lawrence und seine Kollegen vor Ort zusammenarbeiten. Die regionale Gliederung des Roten Kreuz etwa, die mit großzügigen Flaschenspenden bei Kriseneinsätzen wie den Bränden Ende 2018 unterstützt wird. Auf über zwei Millionen Flaschen konnte die Hilfsorganisation als langjähriger Partner alleine in einem Jahr zurückgreifen.

Auch dabei unter den NGO-Partnern vor Ort: Eine entschiedene frühere Kritikerin von Nestlé. Als sie erstmals auf eine mögliche Zusammenarbeit mit Nestlé angesprochen wurde, wollte sie erst gar nicht reagieren. Erst ihr Ehemann musste sie davon überzeugen, doch mit Nestlé den Kontakt aufzunehmen. „Der Konzern hatte aus meiner Sicht umweltmäßig keinen guten Ruf“, erzählt Megan Brousseau. Heute bieten ihre NGO Empire Water Keepers Hunderte Erziehungskurse und Sommercamps an, die zu mehr nachhaltigem Handeln motivieren. Heute hat sie eine andere Sicht auf das Unternehmen und die Menschen aus der Cabazon Factory, mit der sie zusammenarbeitet: „Nestlé hat sich als gutes Mitglied der Gemeinde erwiesen“, so das Fazit der stellvertretenden Direktorin der NGO.

Doch damit endet das Engagement nicht: Gemeinsam mit der Foundation Windpower und der Morongo Band of Mission Indians arbeitet die Cabazon Factory zudem daran, die Energie in Zukunft zu 100 Prozent aus erneuerbaren Ressourcen zu gewinnen. Ende 2018 wurde feierlich auf dem Fabrikgelände eine dritte Windturbine eingeweiht. Zusammen mit den anderen beiden Turbinen kann bereits heute 50 Prozent der Energie für die Fabrik erneuerbar gewonnen werden. Stolz sind die Mitarbeiter im Werk, dass gerade einmal 1,3 Liter Wasser verbraucht wird, um einen Liter Flaschenwasser herzustellen. Ein Rekord an Effizienz. Normal sind rund drei Liter – die 0,3 Liter, die nicht in die Flasche gehen, werden beispielsweise für die Reinigung der Anlagen benötigt. Auch bei der Recyclingfähigkeit der Flaschen arbeitet die Fabrik mit externen Spezialisten zusammen. Ein erster Erfolg: Bereits zu 50 Prozent wird für die beliebte Halbliterflasche recycelbares Plastik verwendet. 70 Prozent des abgefüllten Wassers bleibt ohnehin in der Region oder wird in Kalifornien gekauft und getrunken. Im Drugstore um die Ecke kostet die Flasche dann knapp zwei Dollar. Viel Geld, verglichen mit Wasser aus der Leitung, mag man denken. Vielleicht aber auch ein Weg um sich wieder einmal bewusst zu machen, wie wenig selbstverständlich dies ist. Wenn wir Quellen wie die Arrowhead Spring langfristig erhalten wollen, dann braucht es langfristiges und in die Zukunft orientiertes Engagement. Dann braucht es mehr Menschen wie Larry Lawrence, die die Bedürfnisse und Ansprüche von Natur und Menschen in Übereinstimmung zu bringen.