Im Dorf Guéwa in der Elfenbeinküste hat sich das Leben des Kakaobauern und siebenfachen Vaters Nahoua Sekongo spürbar verändert. „Heute ernte ich mehr, verschwende weniger und kann dadurch mein Einkommen steigern“, beschreibt er die Entwicklung seiner Familie.
Seine Frau betreibt inzwischen erfolgreich einen Dorfladen, der mithilfe von Ersparnissen und einem kleinen Kredit aufgebaut wurde. Die Kinder verfügen über Schulmaterialien und ausreichend Lebensmittel. Darüber hinaus hat die Familie in Nutztiere investiert, die als finanzielle Absicherung dienen. „Es geht um Sicherheit“, sagt Nahoua. „Wir arbeiten daran, unsere Zukunft besser abzusichern.“
Doch das war nicht immer so. Wie Tausende von Kakaobäuer:innen und ihren Familien in ganz Westafrika war auch Nahouas Familie lange mit einer Realität konfrontiert, die das Leben vieler Menschen in diesem Sektor prägt: einer anhaltenden Kluft zwischen dem, was das Land erwirtschaftet, und dem, was eine Familie benötigt, um in Würde zu leben. „Früher haben wir von Saison zu Saison überlebt“, erklärt er.
Einen wichtigen Beitrag leistete ein Programm, das über die Förderung von Erträgen hinausgeht. Das Income Accelerator Program (IAP) von Nestlé arbeitet mit dem gesamten Haushalt – nicht nur mit dem landwirtschaftlichen Betrieb – zusammen, um die Widerstandsfähigkeit der Kakaobauernfamilien gegenüber den Herausforderungen des Klimawandels zu stärken.
Nahoua ist einer von rund 45.000 Kakaoanbau-Familien, die inzwischen in Côte d’Ivoire und Ghana an dem Programm teilnehmen. Seine Geschichte zeigt, warum das Programm ins Leben gerufen wurde.
Aufbauend auf 15 Jahren Erfahrung
Das Income Accelerator Program basiert auf den Grundlagen des Nestlé Cocoa Plan (Englisch), der 2009 ins Leben gerufen wurde und in den vergangenen 15 Jahren (pdf in englischer Sprache, 15,2 Mb) mehr als 175.000 Landwirt:innen in 11 Ursprungsländern eingebunden hat. Dadurch konnten wir tief verwurzelte Beziehungen in diesen Gemeinschaften aufbauen – mit wertvollen Partnerschaften, umfassendem Wissen über die Lieferkette und vor allem mit Vertrauen. Gleichzeitig haben wir erkannt, dass Schulungen und Zertifizierungen allein nicht ausreichen, um die Einkommen der Landwirt:innen in Richtung eines existenzsichernden Einkommens zu entwickeln.
Deshalb starteten wir im Jahr 2020 mit 1.000 Familien einen Pilotversuch für einen neuen Ansatz. Dabei erhielten sowohl die Kakaobauern als auch ihre Partnerinnen oder Partner finanzielle Anreize, die an konkrete und messbare Verbesserungen auf der Farm und im Haushalt geknüpft waren. Das Ziel: die Grundlagen für einen resilienteren Kakaoanbau und resilientere Lieferketten schaffen.
Quelle: Nestlé Income Accelerator Progress Report - KIT Institute - June 2026. Erfahre mehr auf der Webseite des Nestlé Cocoa Plan (Englisch) oder lade die Zusammenfassung des Berichts oder die Infografik herunter: download the infographic (pdf in englischer Sprache, 3,2Mb).
So funktioniert das Programm
Familien können in den ersten beiden Jahren jährlich bis zu 500 Euro erhalten, danach bis zu 250 Euro pro Jahr. Die finanzielle Unterstützung verteilt sich zu gleichen Teilen auf zwei Bereiche: Maßnahmen auf der Farm und Maßnahmen im Haushalt.
- Auf der Farm liegt der Schwerpunkt auf der Förderung guter landwirtschaftlicher Praktiken und von Agroforstsystemen. Teams, die das professionalisierte Beschneiden der Kakaopflanzen vornehmen, unterstützen die Kakaobäuer:innen dabei, die Gesundheit ihrer Bäume zu verbessern und die Erträge zu steigern. Gleichzeitig werden Wald- und Obstbäume gepflanzt, die Schatten spenden und zur Regeneration der Anbauflächen beitragen. Dieser Ansatz ist Teil der regenerativen Landwirtschaft, die darauf abzielt, die Bodenfruchtbarkeit und die Biodiversität zu fördern. Gleichzeitig profitieren die Familien von zusätzlichen Einkommensmöglichkeiten durch Früchte und Holz, die sie nutzen oder verkaufen können.
- Im Haushalt fördert das Programm die Einschulung aller Kinder im Alter von sechs bis 16 Jahren und unterstützt die Gründung von sogenannten Village Savings and Loan Associations (Englisch) in den teilnehmenden Dörfern. Diese ermöglichen insbesondere Frauen den Zugang zu Kleinstkrediten und Finanzwissen, um eigene Einkommensquellen außerhalb der Landwirtschaft aufzubauen.
Ergänzend dazu unterstützen Schulungen im Rahmen des Gender Action Learning System (GALS) (Englisch) Frauen dabei, gemeinsam mit ihren Ehemännern eine wirtschaftliche Perspektive für die Zukunft zu entwickeln. Dieser partnerschaftliche Ansatz stärkt die gemeinsame Entscheidungsfindung und trägt zu einem harmonischen Familienalltag bei.
Was das Income Accelerator Program (IAP) grundlegend von anderen Ansätzen unterscheidet: Es ist kein reines Farmprogramm, sondern ein familienorientiertes Programm.
Die finanziellen Anreize werden getrennt an die beiden Haushaltsvorstände ausgezahlt. Für viele Frauen bedeutet dies erstmals den Zugang zu einem eigenen mobilen Konto für Geldtransaktionen und eröffnet ihnen zusätzliche Möglichkeiten zur eigenen Verwaltung finanzieller Mittel. Gleichzeitig betrachtet das Programm Farm und Haushalt als untrennbar miteinander verbunden. Denn langfristige Resilienz entsteht nicht allein auf dem Feld, sondern durch die Stärkung der gesamten Familie.
Die Wirkung des Programms wird vom KIT Institute unabhängig gemessen und in einem jährlichen Fortschrittsbericht veröffentlicht.
Während der schweren klimabedingten Herausforderungen im Jahr 2025 konnten die Erträge der rund 10.000 Familien in Côte d’Ivoire, die seit 2022 am Programm teilnehmen, im Vergleich zu 2022 um 4 % gesteigert werden. Im gleichen Zeitraum verzeichneten nicht teilnehmende Kakaobäuer:innen und ihre Familien in denselben Regionen – jedoch in anderen Genossenschaften und Gemeinden – einen Rückgang von 16 %.
Dieser Unterschied von 20 Prozentpunkten zeigt echte Resilienz.
Darüber hinaus zeigen die Erhebungen eine stärkere wirtschaftliche und soziale Teilhabe von Frauen innerhalb des Programms. Ihr Empowerment stieg um 113,9 %¹. Gleichzeitig erhöhten sich die gemeinschaftlichen Ersparnisse in den Dörfern um 540 %.
Dabei bleiben wir realistisch. Nach vier Jahren zeigt das Programm messbare Erfolge, auch wenn die Ergebnisse nicht überall gleichermaßen ausfallen und weiterhin Verbesserungsbedarf besteht. Die Richtung ist jedoch klar – und wir entwickeln den Ansatz kontinuierlich weiter.
Auf Grundlage der Empfehlungen des KIT Institute wurde die Anreizstruktur vereinfacht. Gleichzeitig testen wir neue Maßnahmen wie Kompostierung und verbesserte Unkrautbekämpfung und bauen die Unterstützung bei der Diversifizierung von Einkommensquellen, insbesondere für Frauen, weiter aus.
Unser Erfolg basiert darauf, zuzuhören, den Ansatz kontinuierlich anzupassen und vor allem die gewonnenen Erkenntnisse zu teilen und Austausch zu fördern.
Ein offenes Modell für die gesamte Kakaoindustrie
Früh haben wir uns entschieden, das Konzept des Income Accelerator Programms nicht schützen oder exklusiv vermarkten zu lassen. Stattdessen veröffentlichen wir die Evaluierungen des KIT Institute jedes Jahr transparent und offen – einschließlich der Herausforderungen und Rückschläge. Unser Ziel ist es, Veränderungen in der gesamten Branche anzustoßen.
Um diesen Ansatz weiter voranzubringen, haben wir uns mit vier Partnern zusammengeschlossen und die TogetherCocoa Foundation gegründet. Durch diese Zusammenarbeit bündeln wir Kräfte entlang der Wertschöpfungskette und setzen uns gemeinsam dafür ein, die Einkommenslücke von Kakaobäuer:innen und ihren Familien zu verringern.
Wir werden das Nestlé Income Accelerator Program weiter ausbauen und gleichzeitig kontinuierlich weiterentwickeln. Dazu gehört auch, unsere Ziele und Ambitionen regelmäßig zu überprüfen und an neue Erkenntnisse anzupassen – insbesondere im Zuge des Wachstums der TogetherCocoa Foundation (Englisch).
Nahoua Sekongo kann heute mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Die Aufgabe von Nestlé und der gesamten Kakaoindustrie ist es, diesen Wandel für noch mehr Bauernfamilien möglich zu machen.
Erfahre mehr im vollständigen Fortschrittsbericht 2026 zum Income Accelerator Program (pdf in englischer Sprache, 2 Mb).
Wichtige Begriffe
Resilienz
Nach Definition der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) beschreibt Resilienz die Fähigkeit, Krisen und Katastrophen vorzubeugen sowie deren Auswirkungen rechtzeitig, effizient und nachhaltig zu antizipieren, aufzufangen, zu bewältigen oder sich von ihnen zu erholen. Dazu gehört auch der Schutz, die Wiederherstellung und die Weiterentwicklung von Lebensgrundlagen angesichts von Herausforderungen, die sich auf Landwirtschaft, Ernährung und Ernährungssicherheit auswirken.
Gute landwirtschaftliche Praktiken
Die Rainforest Alliance definiert gute landwirtschaftliche Praktiken (Good Agricultural Practices, GAP) im Rahmen ihres Sustainable Agriculture Standard als einen umfassenden und risikobasierten Ansatz für nachhaltige Landwirtschaft. Ziel ist es, die Lebensgrundlagen von Landwirtinnen und Landwirten zu verbessern, die Biodiversität zu schützen und die landwirtschaftliche Produktivität zu steigern.
¹ Der Women Empowerment Index (WEI) setzt sich aus drei Teilbereichen zusammen: dem Zugang von Frauen zu Ressourcen, ihrer Beteiligung an Entscheidungsprozessen (etwa bei Einnahmen und Investitionen, Haushaltsausgaben sowie Bildung und Gesundheit der Kinder) sowie ihrem Zugang zu einem unterstützenden Umfeld, beispielsweise durch die Mitgliedschaft in Gruppen oder Gemeinschaftsorganisationen.