Wie is(s)t Deutschland 2040?
Genuss zwischen Klimawandel, Gesundheitsvorsorge und Künstlicher Intelligenz
Klimawandel, Künstliche Intelligenz und Gesundheitsvorsorge werden die Ernährung der Zukunft prägen. Die neue Nestlé Zukunftsstudie zeigt jedoch: Trotz wachsender Herausforderungen und neuer technologischer Möglichkeiten bleibt eines für die Menschen unverzichtbar: Genuss. Essen soll künftig nicht nur satt machen, sondern Gesundheit unterstützen, Orientierung bieten und Gemeinschaft ermöglichen. Die Zukunft der Ernährung entsteht damit im Zusammenspiel von drei Megakräften und steigenden Erwartungen an das, was gutes Essen leisten soll.
Zur Studie: Die fünf Zukunftsbilder wurden auf Basis von Expertenpanels entwickelt und anschließend von 1.581 Menschen in Deutschland bewertet.
Auf einen Blick
- Alle fünf Zukunftsbilder werden durch dieselben drei Megakräfte geprägt: Klimawandel, Gesundheitsvorsorge und Künstliche Intelligenz.
- 92 Prozent der Menschen sagen, dass Essen eine wichtige Quelle von Genuss ist, 81 Prozent verbinden Essen mit Gemeinschaft.
- Nachhaltigkeit wird zunehmend als Frage der Versorgungssicherheit verstanden, nicht mehr nur als Ausdruck persönlicher Überzeugungen.
- KI entwickelt sich vom Werkzeug zum alltäglichen Begleiter und wird Ernährung, Einkauf und Gesundheitsvorsorge zunehmend mitgestalten.
- Gesundheit entwickelt sich vom guten Vorsatz zur persönlichen Vorsorge und wird zu einem zentralen Treiber von Ernährungsentscheidungen.
Essen soll heute mehr leisten als je zuvor
Die Ansprüche an Ernährung steigen. Essen soll längst nicht mehr nur schmecken und satt machen. Es soll Gesundheit unterstützen, Orientierung geben, den Alltag erleichtern und Menschen zusammenbringen. Gleichzeitig erwarten Verbraucherinnen und Verbraucher, dass all das möglichst unkompliziert funktioniert. Schon die Nestlé Studie 2024 zeigte, dass Ernährung in Zeiten zunehmender Unsicherheit eine neue Bedeutung erhält. Je komplexer die Welt wird, desto wichtiger wird das Bedürfnis nach Bereichen, die Menschen selbst beeinflussen können. Ernährung gehört zu diesen Bereichen. Essen wird zu einem Ort, an dem Menschen unmittelbar erleben, dass ihr Handeln Wirkung hat.
Mit Blick auf das Jahr 2040 identifiziert die aktuelle Zukunftsstudie drei Entwicklungen, die die Rahmenbedingungen für Ernährung grundlegend verändern werden: Klimawandel, Künstliche Intelligenz und Gesundheitsvorsorge. Diese drei Megakräfte wirken nicht isoliert, sondern verstärken sich gegenseitig und verändern die Erwartungen an Lebensmittel, Produkte und Ernährungsangebote. Dabei zeigt sich ein bemerkenswerter Befund: Die Menschen sind offen für Veränderungen. Sie akzeptieren neue Technologien, neue Rohstoffe und neue Ernährungsformen. Was sie jedoch nicht aufgeben möchten, sind Genuss, Geschmack, Lebensqualität und Gemeinschaft.
Vom Haltungsthema zur Versorgungsfrage
Noch vor wenigen Jahren wurde nachhaltige Ernährung vor allem als Ausdruck persönlicher Werte verstanden. Wer nachhaltig konsumierte, traf häufig eine bewusste Entscheidung für Umwelt- und Klimaschutz. Mit Blick auf 2040 verändert sich diese Sichtweise deutlich.
Der Klimawandel wird zunehmend als konkrete Realität wahrgenommen, die beeinflusst, welche Lebensmittel verfügbar sind, wie sie produziert werden und was sie kosten. Aus Nachhaltigkeit wird Resilienz. Die Frage lautet weniger: „Wie nachhaltig möchte ich leben?" Sondern: „Wie kann ich auch unter veränderten Bedingungen gut essen?"
68 Prozent der Befragten erwarten, dass Klimawandel und Krisen Lebensmittel knapper, teurer und anfälliger für Lieferengpässe machen werden. 55 Prozent gehen davon aus, dass Menschen ihr Essverhalten pragmatisch an die Folgen des Klimawandels anpassen müssen.
Bemerkenswert ist dabei die Haltung der Menschen. Die Studie zeigt keine resignierte Gesellschaft. Stattdessen dominiert Anpassungsbereitschaft. Die Befragten rechnen mit Veränderungen und suchen nach Lösungen, die Lebensqualität erhalten.
Das spiegelt sich auch in der Offenheit gegenüber Innovationen wider. 65 Prozent sind überzeugt, dass sich nachhaltige Ernährung nur dann durchsetzen wird, wenn sie bezahlbar, verfügbar und attraktiv bleibt. 43 Prozent würden alternative Produkte nutzen, wenn klassische Rohstoffe knapper werden
Eine zentrale Verschiebung betrifft die gesellschaftliche Debatte insgesamt: Statt ausschließlich über Nachhaltigkeit zu diskutieren, rückt zunehmend die Frage nach Versorgungssicherheit in den Mittelpunkt. Klimaschutz wird damit nicht nur als ökologische Aufgabe verstanden, sondern als Voraussetzung dafür, Genuss, Qualität und Bezahlbarkeit langfristig zu erhalten.
Vom guten Vorsatz zur Vorsorge
Gesundheit entwickelt sich von einem medizinischen Thema zu einer persönlichen Zukunftsaufgabe. Die Menschen möchten Krankheiten nicht erst behandeln, wenn sie entstehen. Sie wollen möglichst lange gesund, leistungsfähig und mental ausgeglichen bleiben. Ernährung wird dabei zu einem der wichtigsten Hebel im Alltag.
67 Prozent der Befragten sagen bereits heute, dass sie sich eigentlich gesünder ernähren sollten. Gleichzeitig glauben 44 Prozent, dass Menschen ihre Ernährung künftig stärker auf körperliche und mentale Leistungsfähigkeit ausrichten werden.
Dabei verändert sich auch das Verständnis von gesunder Ernährung. Die Zukunft besteht nicht mehr aus allgemeinen Empfehlungen für alle. Stattdessen wächst die Nachfrage nach personalisierten Lösungen, die auf individuelle Bedürfnisse zugeschnitten sind. 37 Prozent betrachten personalisierte Ernährung als wichtiges Instrument für den Erhalt der Gesundheit. 78 Prozent empfinden eine Zukunft mit individueller Prävention als besonders fortschrittlich.
Ein weiterer wichtiger Befund betrifft die mentale Gesundheit. 68 Prozent der Befragten erwarten, dass sie künftig deutlich wichtiger wird. Gesundheit wird damit nicht nur als Abwesenheit von Krankheit verstanden, sondern als Grundlage für Wohlbefinden, Belastbarkeit und Lebensqualität.
Zugleich wird Prävention stärker in den Alltag integriert. Gesundheitsdaten, digitale Assistenten und niedrigschwellige Vorsorgeangebote könnten künftig Teil alltäglicher Routinen werden. Die Menschen erwarten zunehmend, dass Gesundheit nicht nur in Arztpraxen stattfindet, sondern dort, wo Lebensstil und Ernährung gestaltet werden.
Die Entwicklung lässt sich auf eine einfache Formel bringen: Aus „gesund essen" wird „in Gesundheit investieren". Ernährung wird zum täglichen Beitrag für ein langes, gesundes und selbstbestimmtes Leben.
Vom Werkzeug zum Ökosystem
Künstliche Intelligenz verändert nicht nur einzelne Prozesse. Sie verändert die Rolle von Technologie insgesamt. Während digitale Anwendungen früher vor allem als Hilfsmittel dienten, entwickelt sich KI zunehmend zu einem System, das den Ernährungsalltag begleitet, organisiert und teilweise mitgestaltet.
Die Studie zeigt eine überraschend positive Grundhaltung gegenüber KI. Viele Menschen erwarten von der Technologie vor allem praktische Unterstützung. 46 Prozent befürworten KI als persönlichen Ernährungsberater. 42 Prozent würden Gesundheitsdaten mithilfe von KI auswerten lassen, um daraus individuelle Empfehlungen abzuleiten.
Die Bereitschaft, Aufgaben an intelligente Systeme zu delegieren, wächst. KI soll beim Einkauf helfen, individuelle Bedürfnisse berücksichtigen, Zeit sparen und dabei unterstützen, gesünder zu leben. Für viele Menschen steht dabei nicht die Technologie selbst im Mittelpunkt, sondern ihr Nutzen im Alltag.
Gleichzeitig bleiben Vorbehalte bestehen. 76 Prozent der Befragten macht eine Zukunft Angst, in der KI die Ernährung eigenständig steuert. 40 Prozent befürchten Kontrollverlust und Fremdbestimmung. Auch die Ablehnung konkreter Anwendungen wie humanoider Kochroboter oder implantierter Sensoren zeigt, dass Akzeptanz dort sinkt, wo Menschen das Gefühl haben, die Kontrolle abzugeben.
Die Studie macht damit ein zentrales Spannungsfeld sichtbar: Menschen wünschen sich Entlastung, wollen aber weiterhin Einfluss auf wichtige Entscheidungen behalten. Kontrolle bedeutet künftig möglicherweise weniger, jede Entscheidung selbst zu treffen. Kontrolle könnte vielmehr bedeuten, bewusst zu entscheiden, welchen Technologien man vertraut.
Fest steht: KI wird zum Bindeglied zwischen Gesundheitsdaten, Ernährungszielen und Einkaufsverhalten. Sie wird Ernährung künftig stärker prägen als jede Technologiegeneration zuvor.
Fünf Zukunftsbilder, ein gemeinsamer Nenner
Aus den drei Megakräften entstehen fünf unterschiedliche Ernährungswelten. Sie reichen von „Genuss & Gemeinschaft", wo Essen vor allem Lebensqualität und Erlebnis ist, über „Preventive Health", in dem Gesundheit zum Kompass wird, bis hin zu „Klimarealismus", der von pragmatischer Anpassung an neue Rahmenbedingungen geprägt ist. Hinzu kommen „Seamless Convenience", in dem Ernährung weitgehend automatisiert wird, und „Bio-Hacking", das auf maximale Personalisierung und Leistungsfähigkeit setzt.
So unterschiedlich diese Zukunftsbilder auch sind, sie haben einen gemeinsamen Nenner: Die Erwartungen an Ernährung steigen weiter. Ernährung soll mehr leisten, individueller werden und zugleich alltagstauglich bleiben.
Die fünf Zukunftsbilder sind keine konkurrierenden Szenarien. Sie beschreiben unterschiedliche Ernährungswelten, die im Jahr 2040 parallel existieren können und jeweils unterschiedlich stark von Klimawandel, Gesundheitsvorsorge und Künstlicher Intelligenz geprägt werden.
Fazit: Genuss bleibt der Anker
Die Nestlé Zukunftsstudie zeigt keine einzige Zukunft der Ernährung. Sie beschreibt vielmehr eine neue Realität, die von Klimawandel, Künstlicher Intelligenz und Gesundheitsvorsorge geprägt wird. Diese Megakräfte verändern die Rahmenbedingungen, unter denen Menschen essen, einkaufen und Entscheidungen treffen.
Trotz aller Veränderungen bleibt eine Konstante bestehen: Die Menschen wollen Genuss, Geschmack, Gemeinschaft und Lebensqualität bewahren. Die Zukunft der Ernährung wird deshalb nicht allein durch Technologie, Nachhaltigkeit oder Gesundheitsziele bestimmt. Sie entsteht dort, wo diese Entwicklungen mit den menschlichen Erwartungen an gutes Essen zusammenfinden.
Die entscheidende Erkenntnis der Studie lautet: Die Zukunft der Ernährung wird vielfältiger, individueller und anspruchsvoller. Doch gerade in einer Welt im Wandel bleibt Essen für viele Menschen das, was es schon immer war: ein Stück Lebensqualität.
Methode
Seit mehr als 15 Jahren analysiert Nestlé regelmäßig das Ernährungsverhalten der Menschen in Deutschland. Die aktuelle Untersuchung baut auf der Zukunftsstudie von 2015 auf, die Entwicklungen rund um die Ernährung im Jahr 2030 beleuchtete. Jetzt richtet sich der Fokus auf das Jahr 2040. Entstanden ist die Studie gemeinsam mit der Marktforschungsagentur Bonsai und dem Zukunftsforscher Peter Wippermann. Basis waren Expertenpanels, in denen 14 renommierte Expert:innen Wissen geteilt und Input gegeben haben, wie sich die Zukunft in verschiedenen Feldern (Gesellschaft, Ernährung, Gesundheit, Medizin, Landwirtschaft/Klima, Wirtschaft, Handel, Marken) entwickeln kann. Diese Expertenmeinungen wurden verdichtet zu fünf Zukunftsbildern zur Ernährung in 2040. In einem letzten Schritt wurden diese in einer repräsentativen Befragung von 1.581 Menschen in Deutschland bewertet. Hier zeigten sich deutlich die tiefgreifenden Veränderungen in der Einstellung zur Ernährung durch die drei Megakräfte.