Frau vs. Mann: So groß sind die Unterschiede in der Ernährung


Geschlechterklischees werden gerne strapaziert. Es geht dann meistens um Fußball, Autos oder auch ums Essen. Frauen greifen angeblich eher zum Salat, Männer zum Steak. Die Nestlé Studie „So is(s)t Deutschland 2019“ fand heraus: Das sind nicht nur Klischees. Wie unterscheidet sich also das Ernährungsverhalten der Geschlechter?


Die repräsentative Studie von Nestlé bringt es nun an den Tag: Für Männer ist das Thema Ernährung viel weniger wichtig als für Frauen. So beschäftigen sich fast 60 Prozent der Frauen intensiv mit dem Thema Ernährung. Bei den Männern sind es nicht einmal 40 Prozent. Ein Unterschied, der sich auf dem Teller bemerkbar macht. Beispiel: Fleisch.

Fleisch, das Gemüse des Mannes


Für Männer steht Fleisch noch immer weit oben auf der Beliebtheitsskala. Gerade einmal sechs Prozent achten verstärkt auf eine vegetarische Ernährung. Unter den Frauen sind es mit 15 Prozent mehr als doppelt so viele.

Weit über die Hälfte der männlichen Befragten gibt an, dass sie mindestens viermal in der Woche Fleisch essen. Bei einem Drittel sind es noch ein- bis dreimal in der Woche. Zuviel? Männer scheinen in diesem Punkt durchaus selbstkritisch zu sein. Knapp ein Viertel empfindet den eigenen Fleischkonsum als zu üppig. Bei den Frauen kommt nur jede zehnte Befragte zu diesem Schluss.

Greifen Mann und Frau zu Obst und Gemüse statt zum Fleisch? Schließlich ist deren positiver Beitrag zur Ernährung allgemein bekannt. Doch auch hier zeigen sich wieder ganz unterschiedliche Ansichten bei den Geschlechtern. Die Hälfte aller Frauen gab an, dass viel Obst und Gemüse zu ihrer Ernährung selbstverständlich dazugehören würde. Die Männer schaffen es bei dieser Frage nicht einmal auf 30 Prozent. Und nicht nur das. In den letzten zehn Jahren ist der Wert bei den Männern zurückgegangen.

Ehrgeiz – eine weibliche Stärke


Vor allem in Punkto Ehrgeiz können sich die Männer einiges von den Frauen abschauen. Diese beschäftigen sich nicht nur intensiver mit ihrer Ernährung, sondern leiten daraus auch mehr Regeln ab – die dann obendrein konsequenter umgesetzt werden. Frauen reduzieren etwa häufiger den Zucker in ihrer Nahrung, essen vegetarisch oder achten auf eine kohlenhydratarme Ernährung (Low Carb).

Insgesamt zeigen sich die Männer nicht so diszipliniert. Ein Drittel gibt regelmäßig spätabendlichen Heißhungerattacken nach oder bewertet das eigene Essen als zu fettig. Die Portionen sind bei einem Viertel der Männer oft zu groß. Nur 15 Prozent der Frauen sagen das über ihre eigenen Essensportionen.

Aber auch Frauen werden manchmal schwach. Ein Beispiel: zu viel Süßes auf dem Speiseplan. Mit 29 Prozent liegen sie in diesem Punkt vor den Männern mit 22 Prozent.

In der Küche gibt es für die Männer allerdings auch Positives zu vermelden: Im Vergleich zu 2009 kochen sie jetzt häufiger. Schaut man aber genauer hin, zeigen sich wieder Unterschiede. Am besten lassen sich diese bei Single-Männern und Single-Frauen beobachten. Für alleinstehende Männer ist Kochen eher eine lästige Pflicht und endet gerne mal im Aufwärmen von Fertiggerichten.

Die anspruchsvolle berufstätige Single-Frau legt dafür mehr Wert auf frische Zubereitung, wie die Studie herausfand. Sie kocht häufiger selbst als der Single Mann, damit sie die Kontrolle darüber behält, was im Essen drin ist und nimmt deswegen auch deutlich häufiger Selbstgekochtes mit zur Arbeit.

Dönerbude oder Café – Eine Frage des Geschlechts


Das pragmatischere Essverhalten der Männer schlägt sich auch außerhalb der eigenen vier Wände nieder. Der Mann mag es dort wieder eher fleischlastig und defitig. Während internationale Restaurants und Bäckereien bei beiden Geschlechtern gleichermaßen beliebt sind, besucht die Hälfte aller Männer zumindest hin und wieder eine Dönerbude oder ein Fastfood-Restaurant. Unter den Frauen tut dies nur ein Drittel.

Besonders deutlich ist dieser Unterschied bei anderen Imbissangeboten wie Pizza- oder Würstchenständen. Etwa halb so viele Frauen (16 Prozent) wie Männer (30 Prozent) besuchen diese sporadisch. Bei Frauen dafür besonders beliebt: Cafés. Diese besuchen sie zu zehn Prozent häufiger als die Männer.

Fleisch statt Gemüse, große Portionen, kleine Sünden – auf dem Teller bestätigen Männer immer noch viele Vorurteile. Bis zu einem ähnlichen Ernährungsverhalten von Mann und Frau scheint es also noch ein weiter Weg zu sein.
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