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Zwischen Scham und Show – So is(s)t die Gen Z

Einen besonderen Fokus legt die Nestlé Studie „So is(s)t Deutschland 2024 - Die Sehnsucht nach Unbeschwertheit: Essen zwischen Verzicht und Genuss“ auf die sogenannte Generation Z. Jene inzwischen 16- bis 27-Jährigen, die so Vieles anders machen wollen. Die von großer Zukunftsunsicherheit geprägt sind, von denen es heißt, dass sie hohe Ideale verfolgen und die gerade deshalb bisweilen an der Realität scheitern. Das gilt nicht nur für Job und Karriere, sondern auch für die Ernährung.
Jung is(s)t anders als alt. Aber wo genau liegen die Unterschiede? Wie wirken sich Krisenszenarien wie der Klimawandel aus, die die jungen Menschen bereits ihr ganzes Leben begleiten? Welchen Einfluss hat die Nutzung digitaler Medien auf deren Lebenswelt und Alltag? Noch stärker als bei der Gesamtbevölkerung wiegen bei der Generation Z die Bedenken hinsichtlich des eigenen Essverhaltens.
Insgesamt 78 Prozent stimmen der Aussage zu, dass sie sich gesünder ernähren sollten und mehr als die Hälfte (53 Prozent) befürchtet, dass sie häufiger mehr isst, als gut für sie wäre. Es scheint so, als würde die Generation Z die Spannung rund um Ernährungsfragen besonders stark spüren. 36 Prozent der Befragten erkennen bei sich selbst eine „große Kluft zwischen Ernährungsidealen und -realität“. 31 Prozent schämen sich sogar hin und wieder für die Art und Weise wie sie essen.

Große Bedenken
Problematisiert wird etwa, dass man zu wenig gesund isst, zum Beispiel zu wenig Obst und Gemüse zu sich nimmt oder zu wenig trinkt (jeweils 43 Prozent). Demgegenüber empfindet genau die Hälfte, zu viel Süßes zu essen. 30 Prozent geben an, zu viel zwischendurch zu essen, ohne wirklich Hunger zu haben. All das führt dazu, dass gerade mal vier Prozent der Befragten nichts an ihrer Ernährung auszusetzen haben. Trotz des jungen Alters der Befragten sind ihnen die negativen Folgen schlechter Ernährung bereits sehr präsent. Besonders fürchten sie etwa unreine Haut (52 Prozent), Leistungsschwäche und Trägheit (53 Prozent) oder gar einen frühen Tod (38 Prozent). Eine zusätzliche Belastung entsteht durch den Gedanken, Dinge zu essen, die nicht gut für andere Lebewesen oder die Umwelt sind – hier zeigen knapp ein Drittel der Befragten (30 Prozent) aus der Generation Z Bedenken.
Snacken gegen Stress
Bemerkenswert ist, dass dieses Spannungsfeld nicht zwangsläufig zu einer Verhaltensänderung führt. Zwar ernähren sich Angehörige der Generation Z tendenziell häufiger vegan (6 Prozent) oder vegetarisch (11 Prozent). Im Gegenzug ist aber auch der Anteil derjenigen, die unbekümmert Fleisch konsumieren und dies auch in Zukunft nicht ändern wollen, mit 25 Prozent nur unwesentlich geringer als in der Gesamtbevölkerung (28 Prozent). Stress scheint dabei ein wesentlicher Faktor zu sein: Der Aussage, dass oft die Zeit fehle, um sich so zu ernähren, wie man es eigentlich möchte, stimmen in der Generation Z beinahe doppelt so viele (61 Prozent) zu, wie in der Gesamtbevölkerung.
Dazu passt, dass Snacken während der Mediennutzung (50 Prozent) und auch spätabendliches Essen (45 Prozent) in der jungen Alterskohorte sehr viel stärker verbreitet sind als insgesamt. Auch die Art und Weise des Einkaufens ändert sich. So nutzen genau die Hälfte der jungen Befragten mindestens einmal monatlich einen Lieferdienst, um bequem an eine Mahlzeit zu kommen. In der repräsentativen Gruppe tun dies nur 30 Prozent. Damit erfüllen sie sich auch das Bedürfnis nach Trost und versuchen in den Konsum-Momenten der spannungsgeladenen Welt zu entfliehen.
Die Essthetisierung nimmt zu

Wenig überraschend ist ein deutlicher Unterschied in den Kanälen, die die Gen Z zur Informationsbeschaffung über Ernährung nutzt. Mehr als jeder Dritte greift dafür auf bestimmte YouTube-Kanäle zurück, auch Instagram (23 Prozent) und Tiktok (20 Prozent) werden gerne genutzt. Für immerhin 28 Prozent der jungen Befragten haben Influencer auf sozialen Plattformen zugleich auch den größten Einfluss auf die Ernährungsgewohnheiten. Dennoch zeichnet sich auch ab, dass Algorithmus-getriebene Informationen an Bedeutung gewinnen, die zielgenau bestimmte Ernährungs- und Entlastungsbedürfnisse bedienen und damit zur Selbstvergewisserung beitragen.
Digitale Medien spielen aber nicht nur bei Suche und Auswahl von Informationen eine tragende Rolle, sie dienen auch der Selbstrepräsentation. Denn obwohl die Generation Z Ernährungsfragen zwar als ambivalent wahrnimmt, hindert sie das nicht an der eigenen „Ess-Thetisierung“ - also daran, ihre Ernährung öffentlich zu zeigen und offensiv darzustellen: Beinahe die Hälfte (46 Prozent) teilt Fotos ihrer Mahlzeiten auf sozialen Netzwerken, mehr als ein Drittel (35 Prozent) filmt sich beim Kochen selbst. Die Ernährungsfehltritte sind dabei nicht im Bild. Das sinnbildliche Teilen der Mahlzeiten dient der Selbstvergewisserung in einer unübersichtlichen Welt. So gelingt es zumindest auf den sozialen Kanälen, dem Idealbild zwischen Gesundheitshype und Moral-Diät gerecht zu werden.
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