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Wasserverbrauch im Kaffeeanbau

Der Nescafé Plan hilft den Kaffeebauern einen effizienten Wassereinsatz zu lernen



Kolumbien gehört zu den wasserreichen Kaffeeanbaugebieten. Daher haben wir in der Regel also das Glück, dass unsere Landwirte die Kaffeepflanzen nicht bewässern müssen. Doch auch, wenn das für die meiste Zeit gilt – der Kaffeeanbau stellt eine große Belastung für die zahlreichen Flüsse und Feuchtgebiete Kolumbiens dar.

Warum? In unserer Kaffeetasse landet nur der Kern (bzw. die Kerne, denn jede Kirsche enthält zwei Kaffeebohnen) einer Frucht des Kaffeebaums, weshalb die Schale und das Fruchtfleisch (Pulpe) in einem aufwändigen Prozess entfernt werden müssen. Bei diesem so genannten „Wet-Milling“ werden die geernteten roten Kaffeekirschen mit Wasser in einer Mühle aufgebrochen. Die Masse aus Fruchtfleisch und Bohnen wird anschließend in einem Becken fermentiert und in einem mehrstufigen Prozess wird schließlich der Rest der Pulpe abgespült, bevor die Bohnen getrocknet werden können. So entfallen auf fünf Kilogramm Kaffeekirschen rund zwei Kilogramm Pulpe. Insgesamt werden in diesem Prozess traditionell circa 40 Liter Wasser pro Kilogramm Kaffeekirschen verwendet – und leider mit organischen Rückständen verunreinigt. Wird dieses Schmutzwasser ungefiltert in die Natur abgeleitet, droht die Verunreinigung von Grundwasser und Flüssen, aus denen auch die Orte ihr Frischwasser beziehen. Unser Ziel ist es daher Wasser einzusparen und organische Belastungen zu verringern. Dafür haben wir Trainings, neue Prozesse und Technologie mit Hilfe unseres Nescafé Plans entwickelt.

Mehr zu der Reise der Kaffeebohne in die Tasse

Effizienter Wasserverbrauch will gelernt sein



Gemeinsamer mit der Federación Nacional de Cafeteros (FNC) und SemiCafé haben wir im Rahmen des Nescafé Plan einfache Schulungen zum Wasserverbrauch im Kaffeeanbau entwickelt. So sollen die Bauern zunächst dazu gebracht werden, nur die wirklich benötigte Wassermenge einzusetzen: Etwa 5 Liter je Kilo Kaffeebohnen reichen aus, doch mittlerweile sind etwa 10 Liter üblich. Unsere vereinfachte Botschaft lautet daher in den Schulungen: „1 Liter Wasser je Kilo Kaffeekirschen“. Dies wollen wir ermöglichen, indem die Kirschen ohne Wasserbeigabe aufgebrochen werden und den Farmern gezeigt wird, wie sie den Wassereinsatz im Waschprozess einfach bemessen können. Die Fermentation soll ebenfalls ohne Wasserzusatz durchgeführt werden. So können wir den Prozess zudem beschleunigen. Der Vorteil für die Farmer selbst: Sie benötigen nicht mehr so große Wasserspeicher und Aufbereitungsanlagen, wodurch Investitionen gespart werden können.

Nachhaltigkeit im Kaffeeanbau

Mit Unterstützung durch den Nescafé Plan und das AAA-Programm von Nespresso wurden auch moderne Verfahren für die Aufbereitung, Reinigung und Trocknung der Kaffeebohnen entwickelt und eingeführt. Der große Haken: Eine moderne, wassersparende Anlage für das „Wet-Milling“ kostet rund 4.000 US-Dollar und ausgelastet sind die Anlagen nur wenige Wochen während der Haupterntezeit. Dadurch rechnet sich die Investition nur für große, professionell geführte Farmen (wie die Finca Santa Clara bei Santuario, die mit knapp 400 Hektar zu den größten in der Region zählt), nicht aber für Kleinbauern mit drei bis vier Hektar. Hier sind daher entweder genossenschaftliche Lösungen gefragt oder eben einfache Verfahren, die auch ein Kleinbauer anwenden kann. Dazu gehören einfache, pragmatische Schulungen, verbesserte Becken für die Fermentation und Tricks zum Messen der Wassermenge. Ein Beispiel: Aus dem Wasserhahn wird ein 10 Liter Eimer gefüllt, die Zeit wird gestoppt. Danach weiß der Bauer, wie lange er das Wasser in das Becken laufen lassen muss, um etwa die richtige Wassermenge für den Waschprozess zu erhalten. Getreu dem Motto: Keep it simple!

Mehr zu unseren Nachhaltigkeitsprogrammen im Kaffeeanbau

Das Abwassersystem im Kaffeeanbau



Die kolumbianische Regulierung verbietet es den Bauern Abwasser mit organischen Belastungen in die Natur abzuleiten. Stand der Technik ist daher bisher ein System von mehreren Tanks, in welche die organische Masse bei den verschiedenen Waschschritten vom Abwasser abgeschieden wird. Für stark belastetes Wasser wird ein geschlossener Tank für eine anaerobische Aufbereitung genutzt, wobei Mikroorganismen die organischen Bestandteile abbauen. Gering belastetes Wasser kann über ein Rieselfeld abgeleitet werden. Auch allgemein wird die organische Masse von den Farmern wieder als Dünger verwendet, um Nährstoffmangel der Böden auszugleichen und den Einsatz von anorganischem Dünger zu verringern. Seit 2018 wird dies jedoch strikter reguliert, denn die Ableitung von belastetem Wasser ist danach grundsätzlich untersagt, sodass die Farmer ihre Technik teuer nachrüsten müssen. „State of the art“ wäre ein System mit wassersparender Mühle, Zentrifuge zur Wasserabscheidung, Kompostierungsturm und Biogasanlage. Allerdings ist dies für Kleinbauern kaum zu finanzieren. Neu vorgesehen in der Regulierung ist als eine Möglichkeit der Einsatz von so genannten Greenfiltern: Dabei wird das Wasser durch verschiedene, künstlich angelegte Vegetationszonen geleitet. Die Pflanzen entziehen dabei die Nährstoffe und reinigen so das Abwasser. Diese natürliche Methode wird unter anderem von Global Nature Fund und ihrer kolumbianischen Partnerorganisation, Fundacion Humidales unterstützt und zeichnet sich durch eine Reihe von positiven Aspekten aus:

  • Kostengünstig im laufenden Betrieb
  • Verbesserung der Biodiversität
  • und wirksam zum Schutz der Wasserqualität.


Das Verfahren wird derzeit allerdings noch nicht von allen lokalen Umweltbehörden der kolumbianischen Distriktverwaltungen genehmigt – eine flächendeckende Umsetzung kann somit noch etwas dauern. Wir werden die Farmer dennoch auch weiterhin gemeinsam mit dem FNC bei der technischen Umsetzung unterstützen. Schon heute sind bei der Finca Santa Clara Greenfilter im Einsatz. Wenn auch bisher nur für das Abwasser der Arbeiterhäuser. Doch wir arbeiten weiter daran.


 

Wie hilft der Nescafé Plan in Sachen Wasser und Klimawandel?

 
  • Schädlingsresistente Setzlinge: Die von Nestlé gezüchtete Kaffeesorte „Castillo“ ist gegen den Kaffee-Rost resistent. Bis 2018 wurden über 40 Mio Setzlinge über die FNC an Kaffeebauern verteilt.
  • Integriertes Wassermanagement: Mit „Manos al Agua“ wurde in mehreren Regionen ein breit angelegtes Programm für integriertes Wassermanagement umgesetzt. Gemeinsam mit der FNC wurden Trainings und bessere Verfahren für die Wasseraufbereitung entwickelt und den Farmern vermittelt.
  • Schattenbäume schützen Kaffeepflanzen vor Hitze und Temperaturschwankungen (es bleibt den Farmern überlassen, ob sie dies nutzen möchten)
  • Über die Agronomen der FNC vermittelt der Nescafé Plan bessere Anbaupraktiken – von Bodenanalysen, Pflanzenauswahl, Aufbereitung des Kaffees, Herstellung von organischem Dünger bis zum Schnitt der Bäume steht den Farmern ein breites Programm von Schulungen zur Verfügung.

 

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