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Meine Reise zum Ursprung der Schokolade

Von Demut, Stolz und dem Wunsch etwas zu verändern
Meine Reise zum Ursprung der Schokolade
Lesezeit:
4
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Carmen Borsche  

Von Carmen Borsche, Geschäftsführerin Nestlé Schokoladen

Ich hatte Anfang November die Chance, in die Elfenbeinküste zu reisen, um vor Ort unsere Aktivitäten des Nestlé Cocoa Plan kennenzulernen. Natürlich habe ich mich viel mit unserem Nachhaltigkeitsprogramm beschäftigt und weiß, was wir in den Ursprungsländern des Kakaos unternehmen. Ich wollte mir aber auch selbst ein Bild davon machen, da mir persönlich das Thema unglaublich wichtig ist.

Vor der Reise hatte ich ein Gefühl von Neugierde, Aufregung aber auch Skepsis. Ich war mir schlicht nicht sicher, was mich dort erwarten würde. Mein Kollege David und ich hatten die Gelegenheit mehrere Dörfer und Kooperativen zu besichtigen, mit denen wir gemeinsam mit unseren Partnern vor Ort zusammenarbeiten.

Ich will ehrlich sein. Es war eine emotionale Achterbahn, die wir in diesen fünf Tagen durchlebt haben. Von den vielen Eindrücken, die wir sammeln konnten, sind es diese hier, an die ich seitdem immer wieder denken muss:

Bewunderung für die Menschen, die so hart für das Nötigste im Leben arbeiten müssen und dennoch eine Grundzufriedenheit ausstrahlen

Demut und auch Scham, weil wir in den Industrieländern viel zu oft gedankenlos dieses wertvolle Gut in Mengen zu nicht angemessenen Preisen konsumieren.

Stolz und Bewunderung für die Arbeit, die wir bei Nestlé gemeinsam mit den Teams vor Ort mit viel innerer Überzeugung, Herzblut aber auch absoluter Professionalität leisten, um die Dinge ins Positive zu verändern.

Das Gefühl, dass die Themen so groß und wir auf einer langen Reise sind.

Aber auch Vertrauen und Hoffnung, dass wir Veränderungen schaffen können, wenn wir alle branchen-, länder- und funktionsübergreifend stetig daran arbeiten.

Meine Reise zum Ursprung der Schokolade

Klar ist: Es ist noch sehr viel zu tun. Aber wir können zusammen auch noch viel (mehr) erreichen.

In mir ist der starke Antrieb zurückgeblieben, stetig weiter dafür zu kämpfen, dass dieses wunderbare Produkt Schokolade uns nicht nur hier in Deutschland gefallen muss, sondern gerade den Menschen entlang einer kompletten nachhaltigen Wertschöpfungskette ökonomische Sicherheit bietet.

Damit das überhaupt funktionieren kann, haben wir mit dem Nestlé Cocoa Plan mehrere Ansätze geschaffen, die das Farmer-Leben an der Elfenbeinküste für alle Beteiligten nach unseren mitteleuropäischen Standards vielleicht nicht zwingend leichter, aber zumindest gerechter machen können. Daher zahlen wir bereits jetzt schon einen Aufschlag auf den Kakao-Preis, um die Lücke zwischen Weltmarktpreis und einem gerechten Mindesteinkommen zu schließen.

Das komplette Nachhaltigkeitsprogramm deckt viele Facetten ab, die sich nicht nur um die tägliche, lebenswichtige Versorgung mit Wasser und Nahrung oder die Befähigung für eine nachhaltigere Landwirtschaft drehen. Was mich überrascht hat: Es geht hier auch um Aspekte, die man bei uns gar nicht erwarten würde. Etwa die Unterstützung bei behördlichen Prozessen und Vorgängen. Denn auch das ist der Nestlé Cocoa Plan.

Ich ertappe mich manchmal selber dabei, wie ich beim sehr deutschen Bürokratiewahnsinn die Augen verdrehe. Für alles gibt es eine Regelung, ein Dokument, ein Aktenverzeichnis und eine Behörde. Dass gerade geborene Kinder bei uns ­­– kaum auf der Welt – schon ihre Sozialversicherungsnummer haben, noch ehe sie gefühlt die erste Nacht zuhause verbracht haben, ist nur eine dieser Anekdoten.

Meine Reise zum Ursprung der Schokolade

Doch was in Deutschland von vorne bis hinten durchstrukturiert und geplant ist, ist in der Elfenbeinküste keine Selbstverständlichkeit. So hängt die komplette Zukunft eines Kindes am Ende an etwas so vermeintlich Simplen wie einer Geburtsurkunde. Ohne dieses Dokument können Kinder hier nicht in die Schule gehen, denn so will es die Regierung.

Darum setzen wir uns vor Ort zum Beispiel auch für die Beschaffung von Birth Certificates ein. Denn nur wer eine beglaubigte Urkunde hat kriegt auch Zugang zu staatlicher Bildung – und nicht etwa zu einem Leben voller körperlicher Arbeit ab dem frühesten Kindesalter. Wir tun alles, was uns möglich ist, um Kinderarbeit in unseren Produktionsketten zu verhindern. Bildung ist der Schlüssel dazu.

Aber hier hört unsere Verantwortung nicht auf. In Schulungen werden auch die Eltern sensibilisiert, wie schädlich es ist, Kinder harte Arbeit verrichten zu lassen. Dies wird mit Bildern dargestellt, da ein Großteil der Menschen in den Dörfern nicht lesen kann.

Meine Reise zum Ursprung der Schokolade

Besonders eindrücklich war für mich, wie wir in Zusammenarbeit mit den Kooperativen vor Ort mit unserem Child Labour Monitoring and Remediation System erfolgreich und nachhaltig die Kinderarbeit bekämpfen. Knapp 80.000 Kinder haben wir mit unseren Programmen in den vergangenen zwei Jahren erreicht. Über die Fortschritte auf diesem Weg berichten wir regelmäßig. Denn nur gemeinsam lassen sich Missstände und Probleme in den Griff kriegen.

Daneben gehören die Ausbildung und Schulung von Frauen für mich zu den absoluten Schlüsselaktivitäten, die Umstände in dem Land nachhaltig zu verändern. Hier erwirtschaften Frauen zum Beispiel Erträge aus ihrer diversifizierten Felderbewirtschaftung. Die Erträge werden teils selbst in den Familien konsumiert, teils für den Unterhalt der von uns erbauten Schule verwendet.

Mit diesen und vielen weiteren Eindrücken bin ich nach Hause zurückgekehrt. Vor allem eines ist mir dabei noch einmal deutlich geworden: Wir haben schon einiges erreicht, aber unser Weg wird noch weiter gehen. Ich würde mich freuen, wenn Ihr uns auf unserer Reise begleitet.