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Praxistest: Flexitarier für eine Woche

Ernährungsexperiment für neugierige Genießer

Flexibilität liegt im Trend – auch in Sachen „Ernährung“. Denn wer flexibel is(s)t, muss auf nichts verzichten. Ganz so wie im Flexitarismus. Hier lautet die Devise: Ernähre dich bewusst, hab Spaß und sage ab und zu auch mal „ja“ zu Fleisch. Wir sind diesem Ruf gefolgt und eine Woche in die Rolle eines Flexitariers geschlüpft. Was wir dabei erlebt haben? Ein kulinarischer Erfahrungsbericht.

Frau am Kühlschrank.

Wenn man das Credo eines Flexitariers beschreiben sollte, dann würde es vermutlich „Alles kann, nichts muss“ lauten. Vieles findet in ihrem Speiseplan einen festen Platz. Auch Fleisch. Das sorgt nicht nur für eine große Vielfalt, sondern ist tatsächlich auch ein wichtiger Schritt in Richtung einer ausgewogenen Ernährung. Denn laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) gehört Fleisch zu einer vollwertigen Kost dazu. Entscheidend ist die Menge. Und wie viel sollte es im Idealfall sein?

Die DGE empfiehlt, höchsten 300 bis 600 Gramm Fleisch und Wurst in der Woche vegetarisch zu essen – das schafft man, wenn man beispielsweise, wenn man sich an drei Tagen in der Woche vegetarisch ernährt. Auf ein ausgeglichenes Verhältnis kommt es also an. Flexitarier reduzieren ihren Fleisch- und Wurstkonsum und ernähren sich zu großen Teilen vegetarisch. Wir haben den Praxistest gemacht und sieben Tage als Flexitarier verbracht. Und eines kann jetzt schon verraten werden: Flexitarismus macht Spaß und ist richtig lecker. Eine Woche voller Genuss – so kann sie aussehen:

Montag Fleisch- und Wursttag und Kühlschrankinventur: Alles neu?
Dienstag Erster vegetarischer Tag: Einkauf mal anders
Mittwoch Fleisch-  und Wursttag
Donnerstag Zweiter vegetarischer Tag: Lebt es sich ohne Fleisch gesünder?
Freitag Fleisch- und Wursttag
Sonntag Dritter vegetarischer Tag: Auch ohne Fleisch genießen

Montag: Am Anfang steht der Kühlschrank

Es ist früh am Morgen, die Arbeit ruft – der Bauch auch. Zeit für ein leckeres Müsli-Frühstück. Beim Griff zur Milch schweift der Blick durch den Kühlschrank. Ist der überhaupt Flexitarier-tauglich? Und ob. Denn darin finden sich mit Eiern, Käse und Joghurt einige Lebensmittel, die bestens für eine vegetarisch-orientierte Ernährung geeignet sind. Auch der geliebte Wurstaufschnitt ist im Flexitarismus keine „verbotene Frucht“. Er sollte nur nicht jeden Tag gegessen werden. Im Vergleich zu anderen Ernährungsformen (zum Beispiel dem Veganismus) können Flexitarier also aus der kompletten Bandbreite an Lebensmitteln auswählen.

Dienstag: Als Flexitarier im Supermarkt

Das Schöne am Ausprobieren ist die Entdeckungstour, die man durch die dazugehörige Produktwelt starten kann. Besonders praktisch sind vegetarische Produkte, die aussehen und schmecken wie ihre Pendants aus Fleisch. In der Fachsprache „Meatreplacer“ genannt. Die Auswahl reicht vom vegetarischen Wiener Schnitzel und fleischlosen Würstchen bis hin zu Frikadellen auf pflanzlicher Basis. Ganz verschiedene Ernährungstypen können sich für die Köstlichkeiten begeistern. „Trotz des Begriffs ‚Meatreplacer‘ wollen wir Fleisch nicht ersetzen. Stattdessen bieten wir Vegetariern, Flexitariern und auch Fleischessern leckere Alternativen, die den Speiseplan vegetarisch ergänzen“, sagt Jens Köster, Business Manager von Garden Gourmet. Ein Konzept, das aufgeht. Garden Gourmet ist eine der führenden Veggi-Marken in Europa.

Mann im Supermarkt.

Und woher stammen die Ideen zu den Produkten? Vom Verbraucher selbst. Garden Gourmet produziert nur das, was sich der Kunde wünscht, so Jens Köster. „Das Schnitzel ist zum Beispiel eines der beliebtesten Gerichte der Deutschen. Außerdem sind Meatreplacer im Trend. Da lag es nahe, eine vegetarische Variante ins Sortiment aufzunehmen.“ Aber wie wird aus der Idee das fertige Produkt? Wie schafft man es, dass pflanzliche Lebensmittel wie ein Wiener Schnitzel schmecken? Mit sehr viel Liebe fürs Detail, Geduld und hochwertige Zutaten wie Soja, Gemüse und Hülsenfrüchte. „In unserem vegetarischen Schnitzel stecken nur Zutaten, die der Verbraucher kennt. Deshalb haben wir sehr lange am richtigen Rezept gefeilt, alles immer wieder probiert und verfeinert.“ Schließlich sollte nicht nur ein vegetarisches Schnitzel in das Kühlregal kommen, sondern das erste vegetarische Wiener Schnitzel. Und der Blick in den Kühlschrank zeigt: Mission erfüllt.

Vom Fleischliebhaber zum Vollzeitflexitarier: Sechs praktische Tipps

Ohne Fleisch geht bei Ihnen nichts? Vielleicht ja doch. Wagen auch Sie das Experiment und schlüpfen Sie in die Rolle des Flexitariers. Diese sechs Tipps helfen Ihnen bei der Umstellung:

  1. Legen Sie für einen sanften Übergang zunächst einen fleischlosen Tag in der Woche ein.
  2. Setzen Sie sich einen finanziellen oder mengenmäßigen Rahmen für Ihren Fleischverzehr. Das können zum Beispiel 200 Gramm oder 10 Euro pro Woche sein. Ist Ihr persönliches „Fleischbudget“ dann aufgebraucht, dürfen nur noch pflanzliche Lebensmittel verzehrt werden.
  3. Streichen Sie zunächst nur dunkles Fleisch von Ihrem Speiseplan. Reduzieren Sie dann auch Geflügel. Schließlich können Sie Fleisch durch ballaststoffreiches Gemüse ersetzen.
  4. Fleischersatzprodukte knüpfen an bekannte Geschmäcker an. Probieren Sie sich durch das Sortiment. So fällt Ihnen unter Umständen die Umstellung leichter.
  5. Greifen Sie auf Hülsenfrüchte, Kürbis oder Süßkartoffeln zurück. Diese enthalten viel Stärke und sind daher sehr sättigend.
  6. Sie spüren eine Heißhungerattacke? Kontern Sie mit proteinhaltigen Lebensmitteln, wie Bohnen, Käse, Nüssen, Eiern.

Mittwoch: Zeit für Fleisch

Nach dem ersten vegetarischen Tag ist Fleisch zurück auf dem Speiseplan. Doch etwas scheint anders als sonst. Die Vorfreude zum Beispiel auf ein frisch gebratenes Cordon Bleu, der Geruch der Röstaromen und nicht zuletzt der Geschmack – alles scheint etwas intensiver als sonst. Fleisch entwickelt sich weg vom Alltagsessen hin zu etwas Besonderem, auf das man sich freut und das man bewusster genießt.

Donnerstag: Flexitarismus im Kreuzverhör der Kollegen

Mann im Supermarkt.

Der zweite vegetarische Tag wird im Büro schnell zum Thema. Denn in der Kantine kommt nicht wie gewohnt die Currywurst auf den Teller, sondern ein Gemüsebratling. Einige Vegetarier im Team freuen sich über den Sinneswandel. „Viel gesünder“, loben sie die Entscheidung. Aber ist es wirklich gesünder, weniger Fleisch zu essen?

Dr. Annette Neubert, Head of Corporate Nutrition, Health and Wellness bei der Nestlé Deutschland AG, kennt die Antwort. Tatsächlich kann hoher Konsum bestimmter Fleischsorten gesundheitsschädigend sein: „Rotes, verarbeitetes Fleisch kann das Risiko, an bestimmten Krebsarten zu erkranken, erhöhen. Außerdem fördert hoher Fleischkonsum die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes Typ 2.“ Aber bedeutet weniger Fleisch nicht auch weniger Nährstoffe? Das stimmt nur bedingt. „Ein Ovo-Lakto-Vegetarier, der sich ausgewogen ernährt, braucht sich keine Sorgen um seinen Nährstoffhaushalt zu machen“, so die Ernährungswissenschaftlerin.

Was jedoch bei allen Ernährungsformen eine wichtige Rolle spielt, ist die Ausgewogenheit. Drei Kriterien sind hierfür ausschlaggebend: Auswahl/Wertigkeit, Menge sowie Vielfalt der Lebensmittel. Ein praktisches Hilfsmittel, um alle drei Aspekte immer im Blick zu behalten, ist die sogenannte Lebensmittelpyramide. An dieser lassen sich Empfehlungen dafür ablesen, welche Nahrungsmittel in welcher Menge verzehrt werden sollten. Es gilt: In einem angemessenen Verhältnis ist alles erlaubt.

Ernährungspyramide

Ein geschärftes Bewusstsein für die eigene Ernährung ist also der Schlüssel zu einer gesünderen Lebensweise Dr. Annette Neubert sieht die Menschen in Deutschland durchaus auf dem richtigen Weg und verweist unter anderem auf „Wie is(s)t Deutschland 2030?“, die Zukunftsstudie von Nestlé. „Ernährung gewinnt einen immer größeren Stellenwert in der Bevölkerung. Langfristig geht der Trend hin zu einem ressourcenschonenden, personalisierten und genussvollen Umgang mit Lebensmitteln.“ Flexitarismus habe daher das Potential, sich auch zukünftig zu behaupten und sogar noch mehr Anhänger zu finden.

Freitag und Samstag gibt es wieder Fleisch

Die ersten vegetarischen Tage waren lecker und erkenntnisreich. Und dennoch tut es gut, zwischendurch wieder etwas Fleisch zu essen. Doch auch hier kommt es darauf an, was gegessen wird. Wie wäre es anstelle eines cholesterinhaltigen Rindersteaks zum Beispiel mit Putenbrust? Diese Variante steckt voller Eiweiß, ist aber vergleichsweise fettarm.

Sonntag: Selbstgemacht, vegetarisch, lecker

Nachdem die erste Annäherung geschafft ist, tauchen wir am letzten Tag der Woche noch tiefer in die vegetarische Welt ein. Auf dem Programm: Lieblingsgerichte in die Veggie-Welt überführen. Ziel der Aktion ist eine selbstgekochte vegetarische Spagetti Bolognese. Dank Sojagranulat gibt es hierfür den idealen Hackfleischersatz. Nur die Zubereitung ist noch etwas ungewohnt. Denn vor dem Anbraten müssen die kleinen Brösel erst noch in Gemüsebrühe eingeweicht werden. Doch was am Ende dabei herauskommt, sieht nicht nur aus wie Spagetti Bolognese, sondern schmeckt auch lecker.

Beim Geschmack vertrauen wir auf Tradition. In diesem Fall auf die bewährten Produkte von Maggi. Und die gibt es auch in vegetarischer Form. „Unter dem Titel ‚Veggie fix & frisch’ bietet Maggi vegetarische oder vegane Alternativen beliebter fleischhaltiger Gerichte an“, sagt Carmen Wilhelms, Brand Manager Maggi. „Bei ihnen müssen keine Abstriche im Geschmack gemacht werden. Denn die Rezeptlösungen sind speziell auf Fleischersatz-Produkte wie Tofu abgestimmt.“ Die Lieblingspasta verliert damit auch ohne Fleisch nichts von ihrem bewährten, würzigen Geschmack.

Fazit

Flexitarismus ist eine echte Alternative für Menschen, die sich bewusst und ausgewogen ernähren wollen. Die besondere Stärke liegt darin, dass diese Ernährungsform überaus alltagstauglich ist und sich einfach umsetzen lässt. Immerhin können viele der liebgewonnenen Essgewohnheiten einfach beibehalten werden. Darüber hinaus gibt es vieles Neues zu entdecken. Allen voran die bunte und leckere Welt der pflanzlichen Lebensmittel. Unser Fazit: Flexitarismus ist eine tolle Ernährungsform für experimentierfreudige „Allesesser“.

Bildrechte: Nestlé Deutschland AG, Getty Images