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Er ist nicht größer als ein kleiner Würfel – so klein, dass man ihn auf der Fingerspitze balancieren kann. Gemeint ist der Maggi-Bouillonwürfel: Das winzige Gewürzprodukt, das in riesigen Mengen in Mittel- und Westafrika verkauft wird. Allein in Nigeria werden täglich mehr als 80 Millionen Brühwürfel verkauft.

Jahrelang war es das meistverkaufte Produkt, um traditionelle Eintöpfe und Suppen zu würzen. Heute ist es eine kleine, aber effektive Waffe im Kampf gegen eine der weltweit verbreitesten Ernährungsstörungen, der Eisenmangel-Anämie.

Anämie tötet still

Anämie entsteht, wenn wir zu wenig gesunde rote Blutkörperchen oder zu wenig Hämoglobin im Blut haben, das Protein, welches für die Sauerstoffversorgung im Körper verantwortlich ist. Betroffen sind davon etwa 1,6 bis zwei Milliarden Menschen aus Industrie- und Entwicklungsländern. Etwa die Hälfte dieser Fälle wird verursacht wegen Eisenmangel in der Ernährung, denn dieses wichtige Mineral hilft, Hämoglobin zu erzeugen.

Ein „stiller“Zustand, der oft unbemerkt bleibt. Anämie kann zu kognitiven Beeinträchtigungen, verminderter körperlicher Leistungsfähigkeit und verringerter Immunität führen. Schwerwiegende Fälle können Organschäden verursachen und sogar bis zum Tod führen.

Schwangere Frauen und Kinder sind besonders anfällig für Eisenmangel-Anämie. Bei der Geburt sterben etwa 50.000 Frauen an der Krankheit. Außerdem kann Anämie die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder beeinträchtigen.

Verheerende wirtschaftliche Auswirkungen

Neben den Gebühren, die auf einzelne Personen und die Gemeinschaft anfallen, zieht die Krankheit verheerende wirtschaftliche Auswirkungen nach sich: gesenkte Produktivität am Arbeitsplatz und steigende Gesundheitskosten.

Neben Jod,Vitamin A und Zink gehört Eisen zu den „vier großen“ Mikronährstoffen, die für unser Wachstum und unsere Entwicklung unerlässlich sind. Jedoch stehen weltweit zwei Milliarden Menschen diese Nährstoffe nicht ausreichend zur Verfügung.

Idealerweise sollten alle Menschen einen Zugang zu einer Vielzahl von nahrhaften Lebensmitteln haben, um die richtigen Mengen an Vitaminen und Mineralien zu erhalten. In vielen Ländern, besonders in den ärmsten der Welt, ist das nicht immer gewährleistet.

Eine kleine, aber starke Waffe

Wie könnte nun ein Maggi-Bouillonwürfel diese „Nährstofflücke“ schließen? Seit Jahrzehnten ist die Lebensmittelanreicherung eine wirksame Art und Weise, spezifische Nährstoffe für Menschen bereitzustellen, die sie nicht über eine ausgewogene Ernährung aufnehmen können. Durch die Anreicherung von Lebensmitteln, die Menschen regelmäßig konsumieren und sich leisten können, ist es möglich, die tägliche Vitamin- oder Mineralstoffzufuhr zu erhöhen – ohne dabei die Essgewohnheiten zu ändern.

Programme zur Anreicherung von Grundnahrungsmitteln – wie das Hinzufügen von Vitamin A in Speiseöl oder Zucker sowie von Eisen und Folsäure in Brot – waren sehr erfolgreich bei der Verringerung von Mikronährstoffmangel.

Eisenmangel in Zentral- und Westafrika

Viele Menschen haben immer noch nicht die Möglichkeit, sich nährstoffreich zu ernähren. Nestlé hilft dabei, dieses Problem auf globaler Ebene anzugehen, indem die beliebtesten Produkte mit relevanten Mikronährstoffen angereichert werden. Im Jahr 2009 beschloss das Unternehmen, den Maggi-Bouillonwürfel- und Tabletten Eisen hinzuzufügen. Diese wurden in Zentral- und Westafrika, in Übereinstimmung der globalen Richtlinien zur Anreicherung von Mikronährstoffen, verkauft.

„Daten zur öffentlichen Gesundheit zeigen uns, dass Zentral- und Westafrika an einer starken Verbreitung von Eisenmangel leidet“, sagt Petra Klassen-Wigger, wissenschaftliche Beraterin für Ernährung, Gesundheit und Wellness bei Nestlé. „Wir haben unser Produkt-Portfolio betrachtet, um eines mit geeigneter Funktion zu identifizieren. Da die Maggi-Bouillonwürfel- und Tabletten in der gesamte Region genutzt wurden, macht es diese zu idealen Produkten zur Eisenanreicherung.“

Überwindung technischer Herausforderungen

Allerdings stellt die Zugabe von Eisen in Lebensmittel ernsthafte technische Herausforderungen dar. Es kann den Geschmack verändern und die Produkte, wegen verschiedener Brauntöne, unappetitlich aussehen lassen. „Wenn sich unsere Brühwürfel infolge der Nährstoffanreicherung auffällig verändert hätten,wären die Konsumenten die ersten, die es bemerken und sich wohlmöglich gegen das Produkt entscheiden würden“, erklärt Klassen-Wigger.

Das war aber nicht das einzige Problem. Die Anreicherung von Eisen in den Würfeln würde auch zu erhöhten Produktionskosten führen. Wenn das höhere Preise bedeuten würde,wären diese für jene, die diese Produkte bräuchten, unerschwinglich.

Das gleiche Aussehen, der gleiche Geschmack

Zwei Jahre forschten die Wissenschaftler von Nestlé an einer geschmacksneutralen Form von Eisen, die für den Körper leicht zu absorbieren war. Gleichzeitig befassten sich die Geschäftsführer mit dem Kaufpreis. Die Antwort? Das Rezept optimieren, wie Klassen-Wigger erklärt: „Indem wir kleine Änderungen bei anderen Zutaten vornahmen, konnten wir schließlich dem Brühwürfel Eisen anreichern, ohne sie teurer zu machen.“

Im Jahr 2012 führte das Unternehmen seine neuen eisenangereicherten Maggi-Brühwürfel auf den Markt in Zentral- und Westafrika ein. Sie sahen genauso aus und schmeckten gleich. Aber es gab einen wesentlichen Unterschied. In der gesamten Region konnten nun Millionen von Menschen mehr Eisen in ihre Ernährung integrieren,ohne dabei ihre Essgewohnheiten zu ändern.

Verstärkter Kampf gegen die Anämie

Maggi-Bouillon ist in Mittel- und Westafrika sehr beliebt, was Nestlé hilft, ihrer Verpflichtung nachzukommen. Rund 103 Milliarden Einzelportionen -– Suppen, Streumischungen, Gewürze und Nudeln – hat Nestlé 2016 angereichert, davon 59 Milliarden mit Eisen. Klassen-Wieger sagt, dass Nestlé gerade am Anfang sei, zu verstehen, was die langfristigen Auswirkungen des Produktes für die öffentliche Gesundheit bedeuten. Jedoch kann keine einzelne Organisation dieses Problem allein lösen. „Wir investieren in die Forschung, um zu zeigen, dass solche Produkte sehr wohl einen Unterschied machen. Und wir sprechen mit Verbrauchern,um ihnen zu helfen, mehr nährstoffreiche Alternativen zu finden“, sagt sie.

Für jedes international erfolgreiche Unternehmen wird die Anreicherung mit Mikronährstoffen eine Herausforderung darstellen. Aber wen nschon ein kleiner Bouillon-Würfel ausreicht, um den Kampf gegen den „stillen Töter“ Anämie anzugehen, ist es eine Chance, diesen fortzuführen.