Kinderarbeit bekämpfen
So begegnen wir Armut und fördern die Schulbildung
Jedes Kind soll Kind sein können – und nicht arbeiten müssen. Doch das ist leider nicht der Fall. Noch nicht. Wir als Nestlé setzen uns aktiv gegen Kinderarbeit ein. Wie? Indem wir Armut bekämpfen und Bildung fördern.
4 Fakten zum Kampf gegen Kinderarbeit
Kinderarbeit – Ein Problem aus der Not
Kinderarbeit ist auch heute noch vielerorts traurige Realität: in den Goldminen in Burkina Faso, auf den Baumwollfeldern in Indien, auf Kaffeefarmen in Lateinamerika und auf Kakaoplantagen in Afrika. Weltweit gelten 152 Millionen Mädchen und Jungen als Kinderarbeiter:innen. Das schätzt die Internationale Arbeitsorganisation (ILO). Fast die Hälfte – rund 73 Millionen – leidet unter gefährlichen oder ausbeuterischen Bedingungen.
Wir als Nestlé bauen selbst keinen Kakao an. Wir kaufen ihn von unabhängigen Farmer:innen bzw. Zwischenhändlern ein. 55 Prozent unseres Kakaos kommt aus der Elfenbeinküste. In diesem Land ist Kinderarbeit auf den Kakaoplantagen leider keine Seltenheit. Der Grund dafür: meist Armut. In den meisten Fällen arbeiten Kinder auf den Plantagen ihrer eigenen Familien, um den Lebensunterhalt der Familien zu sichern. Wie es zur Armut bei den Kakaobäuerinnen und -bauern kommt, ist vielfältig. Einige Ursachen:
- Schlechte Grundbildung: Die Eltern haben oft keine Bildung.
- Sehr kleine Farmen: Die eigene Farm ist zu klein, als dass die Familie von den Erträgen leben könnte.
- Kein alternatives Einkommen: Es fehlt an Wissen um alternative Erwerbsmöglichkeiten. So sind einige Familien nur vom Kakaoverkauf abhängig. Eine schlechte Ernte können sie sich schlichtweg nicht leisten.
- Schlechte Erträge: Auf manchen Farmen kommen alte und kranke Pflanzen zum Einsatz, die nur noch wenig Früchte tragen. Auch die klimatischen Veränderungen können zu einer geringen Ernte führen.
Zu den Ursachen kommt, dass der Kakaoanbau viel Handarbeit erfordert. Um den Kakao zu ernten, schlagen die Farmer:innen die Früchte, oder besser gesagt die Schoten, mit Macheten von den Bäumen. Anschließend werden die Schoten gespalten und die Bohnen aus dem Inneren herausgeschabt. Nach der Ernte werden die Bohnen fermentiert (gegärt) und getrocknet – ebenfalls in Handarbeit. Da sich die Familien selten Erntehelfer:innen leisten können, müssen die Kinder mit anpacken.
Was wir gegen Kinderarbeit tun
Um die Armut und damit die Kinderarbeit zu bekämpfen, müssen sich die Bedingungen zum Leben, Lernen und Arbeiten für die Farmer:innen und ihre Familien verbessern. Genau hier setzen wir an. Mit unseren Nachhaltigkeitsprogrammen für Kakaoanbau, dem Nestlé Cocoa Plan und dem Income Accellerator Programm verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz. Wir schaffen Anreize für die Einschulung von Kindern und fördern gleichzeitig regenerative landwirtschaftliche Praktiken und die Gleichstellung der Geschlechter.
Zu diesen Projekten gehören:
1. Unser Nestlé Cocoa Plan
Mit dem Nestlé Cocoa Plan gehen wir die Verbesserung des Kakaoanbaus ganzheitlich an. Wir unterstützen die Menschen vor Ort dabei, ihre Anbaumethoden zu verbessern, damit sie mit ihrem Kakao höhere Erträge erzielen können. So verbessern wir ihre Lebensbedingungen und die ihrer Familien und sorgen schließlich für transparentere Lieferketten und einen verantwortungsvoll bezogenen Kakao.
Die drei Säulen des Nestlé Cocoa Plan
-
Besserer Anbau Wir bieten Schulungen und Ressourcen an, um Farmer:innen zu helfen, ihre Ernten und Einkommen zu steigern und ihren Lebensunterhalt zu verbessern.
-
Besseres Leben Wir bekämpfen die Risiken der Kinderarbeit, stärken die Rolle der Frauen und fördern Bildungsmöglichkeiten, um die Gemeinden zu unterstützen.
-
Besserer Kakao Wir setzen uns dafür ein, dass unsere Lieferkette stets rückverfolgbar ist und kämpfen entschieden gegen die Abholzung von Wäldern.
2. Unser Child Labor Monitoring and Remediation System (CLMRS)
Als erstes Unternehmen in unserer Branche haben wir auch ein gezieltes Kontrollsystem gegen Kinderarbeit ins Leben gerufen, das Child Labor Monitoring and Remediation System (CLMRS). Das System ermöglicht es uns, gefährdete Kinder durch regelmäßige Besuche vor Ort zu identifizieren, bei unseren Partner:innen vor Ort darauf aufmerksam zu machen und Hilfen bereitzustellen – individuell auf jedes Kind und jede Familie zugeschnitten. So unterstützen wir beispielsweise das Bauen und Sanieren von Schulen, das Bereitstellen von Schulmaterialien und helfen Familien dabei, Geburtsurkunden für ihre Kinder zu erhalten. Denn die Urkunden sind eine Voraussetzung für den Schulbesuch.
Seit dem Start in 2012 wurden 123.953 Haushalte von unserem System zur Überwachung und Bekämpfung von Kinderarbeit (CLMRS) erfasst. Heute stammen weltweit 88,9 Prozent unseres Kakaos aus dem Nestlé Cocoa Plan. Bis 2025 sollen es weltweit 100 Prozent sein.
3. Unser Income Accelerator
Mit dem „Income Accelerator“ möchten wir das Leben der Farmer:innen verbessern, indem wir ihnen eine zusätzliche Förderung zahlen. Die Förderung wird nicht nur für die Menge und Qualität ihrer Kakaobohnen ausgezahlt, sondern auch für Praktiken, die gut für die Umwelt und die Gemeinschaft sind.
Was wir fördern:
- Einschulung aller Kinder im Haushalt im Alter von 6-16 Jahren.
- Gute landwirtschaftliche Praktiken, wie zum Beispiel den Baumschnitt, für bessere Ernten und höhere Erträge und das Verwenden von organischem Dünger.
- Agroforstwirtschaftliche Maßnahmen wie das Pflanzen von Schattenbäumen verbessern die Klimaresistenz der Anbauflächen. Sie schützen die Kakaopflanzen vor direkter Sonneneinstrahlung und verlängern deren Lebensdauer.
- Diversifiziertes Einkommen, zum Beispiel durch den Anbau anderer Feldfrüchte, Viehzucht (wie Hühner- oder Bienenzucht) oder die Verarbeitung anderer Produkte wie Maniok (ein Grundnahrungsmittel in Afrika).
Wo stehen wir heute? Was ist der nächste Schritt? Schon 2020 beim Testlauf mit 1.000 Farmer:innen in Elfenbeinküste haben wir Fortschritte gemacht – mehr Kinder konnten zur Schule gehen. Seit 2022 weiten wir das Programm nun auf 10.000 Familien aus. 2024 starten wir in Ghana. Und ab 2030 wollen wir global bis zu 160.000 Familien erreichen.
Unsere Erfolgsgeschichten
Mit diesen Partner:innen arbeiten wir zusammen gegen Kinderarbeit
- ICI: Die International Cocoa Initiative ist eine Schweizer Stiftung, in der sich die Bemühungen der Kakao- und Schokoladenindustrie, Zivilgesellschaft, Farmgemeinschaften und nationalen Regierungen bündeln. Die Initiative setzt sich für den Schutz von Kindern in Kakaogemeinschaften ein – mit dem Ziel, Kindern und ihren Familien eine bessere Zukunft zu ermöglichen.
- Jacobs Foundation: Die Stiftung setzt sich für die Zukunft junger Menschen ein. Dazu unterstützt sie die weltweite Forschung im Bereich des Lernens sowie der Kinder- und Jugendentwicklung, fördert innovative Wissenschaftler:innen und setzt Praxisprojekte um.
- ILO: Die International Labour Organisation bzw. Internationale Arbeitsorganisation (IAO) ist eine unabhängige Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Ihr Auftrag: Die soziale Gerechtigkeit sowie Menschen- und Arbeitsrechte fördern. Ihr gehören 187 Mitgliedsstaaten an.
- FLA: Die Fair Labor Organisation ist eine unabhängige Organisation, die weltweit für bessere Arbeitsbedingungen sorgen möchte.
- Rainforest Alliance: Die internationale, gemeinnützige Organisation arbeitet an der Schnittstelle von Handel, Land- und Forstwirtschaft. Ihr Zertifizierungsprogramm verfolgt das Ziel, durch soziale, ökonomische und ökologische Standards der beteiligten Unternehmen eine kontinuierliche Verbesserung hin zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft zu bewirken.