Sorry, you need to enable JavaScript to visit this website.

Was wir uns vorgenommen haben, um 2050 klimaneutral zu sein.

Landschaft
Lesezeit:
5
Minute(S)
Anke Stübing  

Von Anke Stübing, Head of Corporate Social Responsibility

Bis 2050 wollen wir bei Nestlé klimaneutral sein. Das ist im Großen und Ganzen natürlich eine gute Sache. Doch vielen scheint das nicht schnell genug zu sein. Schließlich haben sich andere Unternehmen 2030 als Ziel für Klimaneutralität gesetzt. Wieso benötigen wir also 30 Jahre, wo andere scheinbar nur zehn brauchen?

Der Klimawandel ist da. Darüber brauchen wir sicher nicht zu diskutieren. Die Sommer werden immer trockener, die Winter immer wärmer. Alles, was Forscher schon vor Jahrzehnten sagten, tritt nach und nach ein. Der Warnschuss, der wirklich für eine Reaktion sorgt, wurde von vielen nicht gehört. Umso wichtiger ist es nun, dass sich alle am Riemen reißen und ihren Teil dafür tun, damit folgende Generationen noch etwas von diesem Planeten haben. Hier stehen alle in der Pflicht. Einzelne genauso wie Unternehmen. Also auch Nestlé.

Ein Feld voller Setzlinge

„Der Klimawandel ist eine der größten Bedrohungen für die Gesellschaft“, hat Nestlé-Chef Mark Schneider im September letzten Jahres im Vorfeld der UN-Klimakonferenz gesagt. Uns läuft die Zeit davon, um einige der schlimmsten Auswirkungen der globalen Erwärmung zu verhindern, ergänzte er – und hat Recht damit. Erst kürzlich warnte der Weltklimarat vor Nahrungsknappheit durch den Klimawandel und zeigte, welche Verantwortung die Landwirtschaft dafür trägt.

Hauptursache dafür: der rasant gestiegene CO2-Ausstoß. Wenn wir es nicht gemeinsam schaffen, diesen zu reduzieren, dann gibt es wahrscheinlich kein Zurück mehr. Entsprechend wichtig und richtig empfand ich das Bekenntnis zum Klimaschutz, das wir bei Nestlé vergangenen Herbst abgegeben haben. Bis 2050 wollen wir im gesamten Unternehmen komplett klimaneutral sein. Unser Klima-Commitment deckt sich dabei mit dem Ziel des Pariser Klimaabkommens, die Erderwärmung bis 2050 auf 1,5° Celsius zu begrenzen.

Was dauert denn da so lange!?

Eine der häufigsten Fragen, die wir seit unserer Ankündigung gestellt kriegen, ist, warum wir uns 2050 als Ziel gesetzt haben, wenn andere Unternehmen bereits 2030 anvisieren. Egal ob Siemens, Bayer, Osram oder auch der Münchner Flughafen – sie alle wollen klimaneutral werden. Ein Schritt, den jeder nur begrüßen kann. Ich erst recht.

Aber wieso kommen wir dann erst 2050 ins Ziel? Um es kurz auf den Punkt zu bringen: Weil wir uns mehr vorgenommen haben. Wir nehmen alle unsere CO2-Emissionen in Angriff – die aus unserer Produktion, die aus genutzter Energie und vor allem: Emissionen, die beim Anbau der Rohstoffe für unsere Produkte entstehen, beim Transport und durch Verpackungen.

Was bei solchen weitreichenden Ankündigungen oft übersehen werden kann, ist die Komplexität, die eine solche Aussage bedeutet. Prozesse für Klimaneutralität oder zumindest ein klimabewussteres Handeln lassen sich nicht von heute auf morgen ändern. Zumindest hat man aber unterschiedlich schnell Zugriff darauf. Hier müssen wir ganz unterschiedliche Aspekte betrachten.

Auf dem Weg zur Klimaneutralität

Für viele am greifbarsten ist alles, was unsere Standorte und unsere Produktion betrifft. Für unsere Büros, Fabriken und Lager beziehen wir in Deutschland bereits jetzt unseren Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Quellen. Von unseren über 440 Fabriken weltweit haben wir im vergangenen Jahr bei einem Drittel dieses Ziel erreicht. Wind und Solar sollen hier für uns und unsere Energiezulieferer die treibenden Kräfte sein, um jeweils vor Ort das Klima besser zu schützen. Bis 2030 wollen wir das weltweit geschafft haben.

Hier - an ihren Standorten und in der Produktion - gehen die meisten Unternehmen mit gutem Beispiel voran, wenn sie ihre eigene Klimaneutralität bis 2030 ankündigen. Das ist machbar und realistisch, sodass jeder nur hoffen kann, dass alle dieses Ziel energisch verfolgen und auch erreichen.

Wo kommen unsere 20 Extra-Jahre her?

Wir brauchen mehr Zeit, weil wir unsere komplette Wertschöpfungskette angehen, um auch dort klimaneutral zu werden. Denn ein Großteil unserer Emissionen kommt aus den Rohstoffen, die wir für unsere Produkte verarbeiten: Kaffee, Schokolade und vor allem Milch und Fleisch. Was wir uns hier vorgenommen haben, betrifft auch unsere Zulieferer. Hier arbeiten wir mit mehreren Tausend großen und kleinen Akteuren überall auf dem Globus zusammen. Sie müssen wir in den kommenden Jahren, überzeugen, einbinden und befähigen, Projekte zum Klimaschutz umzusetzen.

Bauer schaut sich die Pflanzen an

Der komplette Agrarbereich, der für die Herstellung unserer Rohstoffe benötigt wird, muss zum Beispiel langfristig auf bodenschonenden Ackerbau umgestellt werden. Es gibt Möglichkeiten, dass entsprechend bereitete Böden mehr CO2 speichern können als bisher. Diese Umstellungen brauchen aber Zeit. Sowohl, damit sich Böden an die Umstellung gewöhnen, wie auch im Sinne der Ausbildung und Befähigung der Landwirte, die neuen Techniken anzuwenden.

Gleiches gilt für die Renaturisierungs- und Waldschutz-Maßnahmen wie etwa Wiederaufforstungen, die wir vorantreiben wollen. Bäume brauchen Zeit zum Wachsen, um als grüne Lunge CO2 aus der Luft zu filtern. Ein Baum bindet jährlich 10 kg CO2, deshalb je mehr Bäume, umso besser. Doch sie müssen wachsen, müssen gehegt und gepflegt werden. Auch das dauert.

Es geht aber nicht nur um das, was in den Produkten steckt, sondern auch um das Drumherum. Bis 2025 wollen wir alle Nestlé-Verpackungen recycelbar oder wiederverwendbar machen. Mittel- und langfristig bedeutet das einen Abschied vom Plastik als Verpackungsmaterial. Damit das gelingt, haben wir bereits 2018 unser Institut für Verpackungswissenschaft in Vevey in der Schweiz eröffnet, um erste Ergebnisse einzufahren. Wer mehr zu unserem Institut erfahren möchte, die Süddeutsche Zeitung hat im September 2019 ausführlich darüber berichtet.

Mit der Veränderung in unserer Produktpalette machen wir weitere Schritte, um unseren ökologischen Fußabdruck zu verringern. Hier arbeiten wir an neuen Produkten, die eine bessere Umweltbilanz haben und dabei auch zu einer ausgewogeneren Ernährung beitragen. Das beste Beispiel dafür sind unser veganer „Sensational Burger“ oder unser veganes Hack. „Plant Based Food“ wird von unseren Kunden immer stärker nachgefragt und ist längst mehr als ein Trend. Mein Kollege Martin Sachse hat dazu einen sehr lesenswerten Artikel geschrieben.

Das sind nur eine Auswahl von vielen Ansätzen, die wir hierbei verfolgen. Für mich ist klar: Klimaschutz ist für uns eine Angelegenheit von höchster Priorität. Wer mehr darüber erfahren möchte, wie wir in Sachen Klimawandel Verantwortung übernehmen, findet hier zusätzliche Informationen.