Auf Null bis 2050 – dafür geben wir 100%

Klimaschutz

Bis 2050 wollen wir bei Nestlé unsere «Grüne Null» erreichen. Eine gute Sache. Doch ist das schnell genug? Andere Unternehmen haben sich für ihren Weg zur Klimaneutralität 2030 als Ziel gesetzt. Wieso benötigen wir also 30 Jahre, wo andere scheinbar nur zehn brauchen?

Der Klimawandel ist da. Darüber brauchen wir nicht diskutieren. Sommer werden trockener, Winter wärmer. Alles, was Forscher schon vor Jahrzehnten vorausgesagt haben, tritt nach und nach ein. Der Warnschuss, der wirklich für eine Reaktion sorgt, wurde von vielen nicht gehört. Umso wichtiger ist es nun, dass wir alle uns am Riemen reißen und unseren Teil dafür tun, damit auch Enkel und Urenkel noch etwas von unserem gemeinsamen Planeten haben. Hier stehen alle in der Pflicht. Jede:r einzelne von uns genauso wie Unternehmen - auch Nestlé.

Ein Feld voller Setzlinge

«Der Klimawandel ist eine der größten Bedrohungen für die Gesellschaft», hat unser weltweiter Nestlé Chef Mark Schneider im September 2019 vor der UN-Klimakonferenz gesagt. Uns läuft die Zeit davon, um einige der schlimmsten Auswirkungen der Erderwärmung zu verhindern, ergänzte er – und hat Recht damit.

Hauptursache dafür: der schnell gestiegene CO2-Ausstoß. Wenn wir es nicht gemeinsam schaffen, diesen zu verkleinern, dann gibt es wahrscheinlich kein Zurück mehr. Entsprechend wichtig und richtig finde ich unser Bekenntnis zum Klimaschutz, das wir bei Nestlé im Herbst 2019 abgegeben haben. Bis 2050 wollen wir weltweit unsere Umweltauswirkungen auf null senken. Das passt zum Ziel des Pariser Klimaabkommens, die Erderwärmung bis 2050 auf 1,5° Celsius zu begrenzen.

Was dauert denn da so lange!?

Das ist eine der häufigsten Fragen, die wir seit unserer Ankündigung gestellt bekommen: Warum 2050, wenn andere Unternehmen schon 2050 klimaneutral sind? Egal ob Siemens, Bayer, Osram oder auch der Münchner Flughafen – sie alle haben dasselbe Ziel. Ein Schritt über den sich jeder freut. Und ich erst recht.

Aber warum dauert unser Weg länger? Um es auf den Punkt zu bringen: Weil wir uns mehr vorgenommen haben. Wir nehmen alle Treibhausgase in Angriff – aus Produktion, aus genutzter Energie und vor allem: Abgase, die beim Anbau der Rohstoffe für unsere Produkte entstehen, beim Transport und durch Verpackungen.

Was bei solchen langfristigen Ankündigungen oft übersehen wird, ist die Vielschichtigkeit, die eine solche Aussage bedeutet. Prozesse und Handlungen lassen sich häufig nicht von heute auf morgen ändern. Sie benötigen Planung und Vorarbeit. Und genau dafür müssen wir ganz unterschiedliche Aspekte betrachten.

Unser Weg zur «Grünen Null»

Dass wir unsere Standorte und unsere Produktion klimafreundlicher machen können und wollen ist einer unserer ersten Schritte. Für unsere Büros, Fabriken und Lager nutzen wir in Deutschland bereits heute zum Teil Öko-Strom. Weltweit haben wir dieses Ziel bei unseren über 440 Fabriken im vergangenen Jahr zu einem Drittel erreicht. Wir setzen auf Wind- und Sonnenergie, um jeweils vor Ort das Klima besser zu schützen. Bis 2030 wollen wir das weltweit umgesetzt haben.

Hier in Deutschland - an ihren Standorten und in der Produktion - gehen die meisten Unternehmen mit gutem Beispiel voran, wenn sie ihre eigene Klimaneutralität bis 2030 ankündigen. Das ist machbar und realistisch, sodass jeder nur hoffen kann, dass alle dieses Ziel tatkräftig verfolgen und auch erreichen.

Wo kommen unsere 20 Extra-Jahre her?

Wir brauchen mehr Zeit, weil unser Versprechen die komplette Wertschöpfungskette vom Feld bis zum Verbraucher umfasst. Denn der größte Teil unserer Emissionen entsteht ganz am Anfang. Noch bevor unsere Produkte unsere Produkte sind – nämlich bei den Rohstoffen wie Kaffee, Schokolade und vor allem Milch und Fleisch. Bei unserem Ziel geht es daher nicht nur um uns, sondern auch um unsere Zulieferer. Fast überall auf der Welt arbeiten wir mit mehreren Tausend großen und kleinen Bauern, Lieferanten und Produzenten zusammen. Sie müssen wir in den kommenden Jahren, überzeugen, einbinden und befähigen, Projekte zum Klimaschutz umzusetzen.

Bauer schaut sich die Pflanzen an

Wie wir das machen wollen? Dafür bauen wir auf vier Säulen auf:

Zuerst muss die komplette Landwirtschaft, die uns bei dem Anbau und der Herstellung unserer Rohstoffe unterstützt, zum Beispiel langfristig auf bodenschonenden Ackerbau umgestellt werden. So können schon heute entsprechend bearbeitete Böden mehr CO2 speichern als bisher. Doch es braucht Zeit sich an die Umstellung zu gewöhnen. Sowohl für die Böden als auch für die Landwirte, die lernen müssen, die neuen Techniken anzuwenden.

Als Zweites treiben wir unsere Maßnahmen zum Umweltschutz voran. Teil davon sind Projekte zur Renaturierung - also der Wiederherstellung von ehemals landwirtschaftlichen Flächen - und zum Waldschutz wie etwa Wiederaufforstungen. Denn Bäume können als grüne Lunge CO2 aus der Luft filtern. Jährlich bindet ein Baum etwa 10 kg CO2, deshalb gilt: Je mehr Bäume, desto besser. Doch sie müssen wachsen, müssen gehegt und gepflegt werden. Auch das dauert.

Drittens geht aber nicht nur um das, was in den Produkten steckt, sondern auch um das Drumherum. Bis 2025 wollen wir alle Nestlé Verpackungen recycelbar oder wiederverwendbar machen. Mittel- und langfristig bedeutet das einen Abschied vom Plastik als Verpackungsmaterial. Damit das gelingt, haben wir bereits 2018 unser Institut für Verpackungswissenschaft in Vevey in der Schweiz eröffnet und unter anderem mit den Smarties Papierverpackungen erste Erfolge feiern können.

Als Viertes rücken unsere Produkte in den Fokus. Schrittweise überarbeiten wir Pizza, vegane Würstchen und Co., um unseren ökologischen Fußabdruck zu verringern. Während die Produkte eine bessere Umweltbilanz haben sollen, sollen sie aber selbstverständlich zu einer ausgewogeneren Ernährung beitragen und lecker schmecken. Das beste Beispiel dafür sind unsere veganen Fleischersatzprodukte von Garden Gourmet wie der «Sensational Burger» oder unser veganes Hack. «Plant Based Food» wird von unseren Verbraucher:innen immer stärker nachgefragt und ist längst mehr als ein Trend.

Das sind nur eine Auswahl von vielen Ansätzen, die wir hierbei verfolgen. Für mich ist klar: Klimaschutz ist für uns eine Angelegenheit mit höchstem Stellenwert.