Zurück zu allen Storys
6 Minuten Lesezeit
Mit Wäscheklammern zu nachhaltigem Kaffeeanbau. Ein ungewöhnlicher Weg, doch er funktioniert. Wie genau – das haben wir uns angeschaut. Gemeinsam mit Corinna Weinmiller, Leiterin des Nestlé Nachhaltigkeitsteams, ging es auf eine Trainingsplantage nach Indonesien. Hier macht Kaffee Schule. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Kaffeeanbau ist eine Kunst für sich. Pflanzenbeschnitt, Reifegrad, Ernte – all das beeinflusst, wie der Kaffee später schmeckt. Oftmals machen Feinheiten den entscheidenden Unterschied. Um diese zu erkennen, braucht es ein geschultes Auge. Und diesen Expertenblick kann man lernen. Zum Beispiel auf einer der verschiedenen Trainingsplantagen auf der indonesischen Insel Sumatra. Sie gehören zum sogenannten Farmer Connect Programm des Nescafé Plans und sind ein wichtiger Schritt für noch mehr Nachhaltigkeit im Kaffeeanbau. 

Junda Aulia (rechts) zeigte Corinna Weinmiller die Lehrplantage in Indonesien.
Trainer Junda Aulia (rechts) zeigte Corinna Weinmiller die Lehrplantage in Indonesien.

Corinna Weinmiller, Leiterin des Nestlé Nachhaltigkeitsteams, hat uns auf eine Plantage im Süden Sumatras mitgenommen. Hier dreht sich alles um nachhaltige Anbautechniken. Die Schulungen dort sind vollkommen kostenlos, zahlen sich aber aus. Denn mit dem neuen Know-how können die Bauern größere Mengen an hochwertigem Kaffee produzieren – und so mehr Einkommen für ihre Familien erwirtschaften.

Der Nescafé Plan für Indonesien

 
•  

Es gibt etwa 1 Millionen Kaffeebauern in Indonesien

•  

Seit 1994 engagiert sich Nestlé dafür, die Bauern zusammenzubringen, um Wissen zu teilen und Probleme gemeinsam anzugehen

•  

Innerhalb des Nescafé Plans sind mittlerweile etwa 20.000 Bauern Teil des Farmer Connect Programms, verteilt über die gesamte Region Lampung im Süden Sumatras

•  

Auf insgesamt zehn Schulungsplantagen lernen die Bauern landwirtschaftliche „Best Practices“, z.B. Maßnahmen zu Erhöhung der Produktivität, des Umweltschutzes, der Gesundheit & Sicherheit, der landwirtschaftlichen Betriebsführung und der Qualitätsverbesserung

•  

Sie arbeiten dadurch nachhaltiger, erwirtschaften höhere Erträge und können ihre Familien besser ernähren

•  

Während der durchschnittliche Kaffeebauer in Indonesien heute 740 kg Bohnen pro Hektar erwirtschaftet, erreichen die Nescafé Bauern zwischen 1.000 und 1.200 kg pro Hektar

Bessere Erträge durch die richtigen Pflanzen

„Wer etwas über nachhaltigen Kaffeeanbau erfahren möchte, der sollte sich in Indonesien umschauen“, erklärt Corinna Weinmiller den Erfolg des Nescafé Plans. Das war nicht immer so. Noch vor ein paar Jahren produzierten die indonesischen Bauern nur etwa 539 kg pro Hektar. Und das auf nicht sehr nachhaltige Weise. „Je mehr Anbaufläche für ein Kilogramm oder eine Tonne Kaffee gebraucht wird, desto höher sind auch die Kosten für die Umwelt.“

Junge Kaffeepflanzen werden auf der Lernplantage selbst aufgezogen.
Junge Kaffeepflanzen werden auf der Lernplantage selbst aufgezogen.

Woran lag die geringe Kaffeemenge je Hektar? „Unter anderem am Alter der Kaffeepflanzen“, erläutert Corinna Weinmiller. Seit vielen Generationen bauen die Farmer in Sumatra ihren Kaffee an. Aus diesen Zeiten stammten lange auch ihre Kaffeepflanzen. Das Problem: „Ältere Pflanzen sind anfälliger für Schädlinge und liefern schlechtere Erträge.“ Seit 1994 bekommen die Bauern deshalb Kaffeepflanzen von Nescafé. „Die Setzlinge sind perfekt auf die Böden und das Klima Sumatras angepasst.“ 

Ein Ergebnis: „Heute erwirtschaften die Nescafé Bauern 1.000 bis 1.200 kg pro Hektar.“ Das ist fast doppelt so viel wie der durchschnittliche indonesische Kaffeebauer, dessen Ertrag heutzutage bei etwa 740 kg pro Hektar liegt. Dieses Plus erwirtschaften die Nescafé Bauern obendrein bei einem viel geringerem Einsatz von chemischen Mitteln. 

Wie werden Kaffeestecklinge für den Nescafé Plan gezüchtet?


Kaffeeanbau mit der Wäscheklammer

Die perfekt angepassten Kaffeepflanzen allein machen aber noch keine gute Ernte. Genauso wichtig ist der richtige Umgang mit ihnen. „Das lernen die Bauern auf den Lehrplantagen – und zwar auf eine sehr kreative Weise“, erfuhr Corinna Weinmiller auf ihrer Reise nach Sumatra. „Es ist wichtig zu wissen, wie und wo man eine Pflanze beschneidet. Auf der Plantage zeigt man das den Bauern mit Wäscheklammern.“ 

Weil es nicht genügend Pflanzen gibt, um jeden Bauer das Beschneiden üben zu lassen, behilft man sich mit den Klammern. „Diese hängen die Farmer an diejenige Stelle, die sie beschneiden würden.“ Die Ausbilder auf der Plantage überprüfen dann, ob das der richtige Zweig wäre. „So lernen die Bauern auf ganz praktische Weise, wie sie die Erträge auf ihren Farmen durch die richtige Beschneidetechnik erhöhen“, erklärt Corinna Weinmiller.

Community Support – Gemeinsam sind wir stark

Nicht nur die Bauern, auch ihre Frauen können sich auf den Lehrplantagen weiterbilden. „Kaffeeanbau ist in Sumatra zwar häufig Männerarbeit, aber Frauen können ebenfalls zum Auskommen der Familie beitragen“, erläutert Corinna Weinmiller. So pflanzen die Frauen zum Beispiel im heimischen Garten Gemüse an, das sie zuhause nutzen oder auf Märkten verkaufen. Passend dazu vermitteln auf den Lernplantagen Workshops wichtiges Know-how im Gemüseanbau. Und auch die Pflanzen für daheim werden von Nestlé zur Verfügung gestellt.

Aus Abfall wird Handwerkskunst – Upcycling auf der Lernplantage.
Aus alten Verpackungen wird Handwerkskunst – Upcycling auf der Lernplantage.

Und noch etwas wird den Frauen auf der Lehrplantage nähergebracht: Kunsthandwerk. „Hier lernen sie, wie sie aus alten Verpackungen neue Taschen oder sogar Teppiche herstellen.“ Upcycling im besten Sinne. „Dadurch, dass die Frauen nun zum Einkommen in den Familien und den Dörfern beitragen, sind nicht nur deren Portemonnaies besser gefüllt“, so Corinna Weinmiller. „Die Frauen haben heute auch ein viel größeres Selbstvertrauen. Das finde ich besonders toll.“ 

Grown Respectfully – Aus respektvollem Anbau

Anbautechniken, Kaffeewissen und Kunsthandwerk – von den Lehrplantagen profitieren im Süden Sumatras viele Communitys. Und nicht nur dort, sondern in allen 16 Anbauregionen von Nescafé. Eines ist dabei überall gleich: die drei Säulen, auf denen der Nescafé Plan basiert. Das sind der Respekt gegenüber Bauern, der Respekt gegenüber Gemeinden und Gemeinschaften sowie der Respekt gegenüber dem Planetenen.  „Grown Respectfully“ eben.