Ernährung wird eine Frage des Sozialprestiges

Ernährung als Frage des Sozialprestiges – Nestlé© Deutschland AG
Wie wird die Ernährung der Zukunft aussehen? Welche Rolle spielen die eigenen Werte dabei? Und was bedeutet das für einen Lebensmittelhersteller? Der damalige Vorstandsvorsitzende von Nestlé Deutschland, Gerhard Berssenbrügge, spricht über die wichtigsten Entwicklungen der kommenden Jahre.

Die Zukunft scheint weit entfernt, nicht greifbar – und deshalb im Hier und Jetzt irrelevant. Doch wenn Unternehmen erfolgreich sein wollen, müssen sie sich schon heute mit dem beschäftigen, was in zehn oder zwanzig Jahren wichtig sein kann. Insbesondere in einem Bereich wie der Ernährung der Zukunft, in dem große Herausforderungen auf Gesellschaft und Industrie zukommen.

„Die wichtigste Erkenntnis ist, dass es nicht die eine ‚Zukunft‘ geben wird“, sagt der damalige Nestlé Deutschland Vorstandsvorsitzende Gerhard Berssenbrügge. Er spielt damit auf die fünf Zukunftsszenarien der neuen Studie „Wie is(s)t Deutschland 2030?“ an. „Es wird sich nicht nur ändern, was und wie wir essen, sondern auch wo und warum. Unsere Ernährung folgt gesellschaftlichen Veränderungen.“

Individuell, gesund, vernetzt

Nestlé ist das einzige Unternehmen der Branche, das schon heute in einem Forschungsinstitut Primärforschung betreibt. Dort wird unter anderem daran gearbeitet, in Zukunft personalisierte Produkte anbieten zu können. 2030 könnte es üblich sein, dass ein Restaurant das persönliche Gesundheitsprofil eines Verbrauchers erhält, um damit ein individuelles Menü auf den Gast zuzuschneiden. Durch Fortschritte in der Informationstechnologie könnten Kunden ihr persönliches Profil mit dem Supermarkt vernetzen, um so maßgeschneiderte Angebote zu erhalten. Denn die hinterlegten Daten führen genau zu jenen Produkten, die den gesundheitlichen Anforderungen entsprechen.

Ein weiterer Aspekt der Ernährung der Zukunft: Die Menschen wissen, dass eine ausgewogene, gesunde Ernährung ein lebensverlängernder Faktor ist. Daher werden sie ihre Produkte künftig noch bewusster danach auswählen, welchen Gesundheitsnutzen sie haben. Ernährungsberater und Lieferunternehmen werden eine wichtigere Rolle spielen.

Die eigenen Werte im Mittelpunkt

Dabei gewinnen auch die eigenen Werte an Relevanz bei der Entscheidung für ein Lebensmittel: Für Hersteller wird es künftig wichtiger, ihre Werte mit denen der Verbraucher abzugleichen. Schon heute hat sich Nestlé dem Gedanken der gemeinsamen Wertschöpfung verpflichtet. Denn fast jeder Dritte in Deutschland gibt an, stärker darauf achten zu wollen, Produkte zu kaufen, die seinen Werten entsprechen.

„Auch die vorgelagerten Prozesse eines Produktes, wie die Lieferkette oder der Energieverbrauch während der Produktion, werden mehr ins Verbraucherinteresse geraten“, sagt Gerhard Berssenbrügge. „Das Wissen über Herkunft und Herstellung wird in Zukunft eine Frage des Sozialprestiges sein, ähnlich wie früher der Brockhaus im Bücherregal.“ Kurzum: Essen wird zur Frage der Weltanschauung.

Der Supermarkt der Zukunft

Damit wird für viele Verbraucher einhergehen, knapper werdende Ressourcen zu schonen. Daher ist es in 15 Jahren für viele Menschen vorstellbar, „dass wir auf In-vitro-Fleisch als gelungene Symbiose zwischen Genuss und Rücksicht auf Tier und Umwelt zurückgreifen“, weiß der Vorstandsvorsitzende. Im Supermarkt der Zukunft werden Verbraucher zukünftig an neue Produkte wie in-vitro-Fleisch herangeführt, indem beispielsweise an Verkostungsständen erklärt wird, wie die neuen Produkte zubereitet werden können. “Für die Befürworter einer leistungssteigernden Ernährung wird es zudem im Lebensmittelhandel entsprechende Produkte wie Brain Food oder Performance Food geben“, sagt der Vorstandsvorsitzende.

In den Läden wird künftig das Erlebnis im Mittelpunkt stehen, während die Grundversorgung überwiegend online erfolgen wird. „Wenn die Menschen viel wissen und sich für Ernährung interessieren, ist es leichter, neue Produkte auf den Markt zu bringen“, ist sich Berssenbrügge sicher.

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